Weltweit wurden im Januar und Februar rund 2,2 Millionen Elektroautos verkauft – weniger als im Vorjahr. Doch der Rückgang ist nicht global, sondern das Ergebnis sehr unterschiedlicher Entwicklungen.

Der weltweite Markt für Elektroautos startet 2026 mit einer ungewöhnlichen Mischung aus Wachstumsschüben, Einbrüchen und politischen Verschiebungen. Während Europa neue Rekorde meldet, kämpft Nordamerika mit einem massiven Nachfrageknick. Und China, sonst der unangefochtene Taktgeber der Branche, erlebt eine Phase der Neuorientierung.

Laut Benchmark Mineral Intelligence wurden im Januar weltweit rund 1,2 Millionen Elektroautos verkauft, im Februar waren es 1,1 Millionen. Zusammen ergibt das 2,2 Millionen Fahrzeuge in den ersten beiden Monaten des Jahres – ein Rückgang von rund acht Prozent gegenüber 2025.

Doch dieser Rückgang erzählt nur einen Teil der Geschichte. Denn die Entwicklung verläuft regional so unterschiedlich wie selten zuvor.

Europa: Der Kontinent, der das Tempo vorgibt

In Europa zeigt sich ein völlig anderes Bild: Der Markt wächst kräftig. Viele Länder melden zweistellige Zuwächse, einige sogar Rekordwerte. Deutschland legt zu Jahresbeginn deutlich zu, Frankreich ebenfalls, und Italien erlebt mit fast einer Verdopplung der Verkäufe den stärksten Februar seiner Geschichte.

Der Grund dafür liegt nicht nur in der Modellvielfalt, sondern vor allem in der Politik. Neue oder ausgeweitete Förderprogramme – von Kaufprämien bis zu steuerlichen Anreizen – haben die Nachfrage spürbar angekurbelt. Gleichzeitig drängen die strengen EU‑Flottengrenzwerte die Hersteller dazu, mehr Elektroautos in den Markt zu bringen. Europa wird damit zum Wachstumsmotor der globalen E‑Mobilität.

USA: Ein Markt im Rückwärtsgang

Ganz anders die Lage in Nordamerika. Hier brechen die Verkäufe zu Jahresbeginn regelrecht ein. Laut Electrek liegt der Rückgang bei 36 Prozent. Das ist ein Wert, der selbst Branchenkenner überrascht hat.

Der wichtigste Grund: Der Wegfall der US‑Bundesförderung Ende September 2025. Viele Kundinnen und Kunden hatten ihre Käufe vorgezogen, danach brach die Nachfrage ein. Hinzu kommen hohe Preise, eine geringere Modellverfügbarkeit und Produktionskürzungen bei mehreren Herstellern. Ford meldet einen Rückgang seiner BEV‑Verkäufe um 70 Prozent, Honda sogar um über 80 Prozent.

Der Einbruch wirkt sich bereits auf die Industrie aus: Der Batteriezellenhersteller SK On hat im Werk in Georgia mehr als ein Drittel der Belegschaft abgebaut. Der US‑Markt zeigt damit, wie stark politische Rahmenbedingungen die E‑Mobilität beeinflussen.

China: Zwischen Dämpfer im Inland und Boom im Export

China bleibt zwar der größte E‑Auto‑Markt der Welt, doch auch hier ist der Jahresstart ungewöhnlich. Die Inlandsverkäufe sinken um rund ein Viertel. Gründe sind neue Steuern, Änderungen beim „Trade‑In“-Programm und eine gewisse Marktsättigung in den großen Städten.

Gleichzeitig erlebt China einen Exportboom. Über eine halbe Million E‑Autos wurden allein im Januar und Februar ins Ausland geliefert – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Während der heimische Markt also schwächelt, wächst Chinas globale Präsenz weiter.

Neue Märkte holen auf

Abseits der großen Player gibt es Länder, die überraschend stark wachsen. Südkorea etwa verzeichnet einen Rekordmonat, nachdem neue Förderprogramme in Kraft getreten sind. Auch in Teilen Südamerikas und Südostasiens steigt die Nachfrage deutlich. Diese Märkte sind zwar kleiner, gewinnen aber zunehmend an Bedeutung.

Ein globaler Markt im Wandel

Der Jahresauftakt 2026 zeigt, wie stark politische Entscheidungen, Förderprogramme und wirtschaftliche Rahmenbedingungen die E‑Mobilität beeinflussen. Europa treibt das Wachstum, die USA kämpfen mit den Folgen eines abrupten Förderstopps, und China verschiebt seinen Schwerpunkt vom Inland auf den Export.

Für die Energiewende bedeutet das: Die Dynamik bleibt hoch – aber sie verteilt sich neu. Und die kommenden Monate werden zeigen, ob sich diese Trends verfestigen oder ob der globale Markt wieder in Gleichklang findet.


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