Die Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) gelten als so überraschende wie vielversprechende Quelle für eine nachhaltige Proteinversorgung. Sie liefern äußerst hochwertiges Protein, das mit dem von Soja vergleichbar ist. Sie können es aus unterschiedlichsten Biomassequellen gewinnen, darunter Neben- und Reststoffe aus Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. Trotz der intensiven Debatte über das Potential der Larven war bislang wenig über die Klimabilanz während ihrer Aufzucht bekannt.
Eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Bioresource Technology, widmet sich erstmals systematisch dieser Fragestellung. Untersucht wurde, wie die Qualität und Nährstoffzusammensetzung der eingesetzten Biomasse das Wachstum, die Körperzusammensetzung sowie die Gasemissionen der Larven beeinflussen. Die Forschenden führten kontinuierliche Messungen von Kohlendioxid- und Ammoniakemissionen während einer besonders sensiblen Entwicklungsphase durch, nämlich zwischen dem neunten und sechzehnten Tag nach dem Schlüpfen.

Ergebnisse: Nährstoffqualität entscheidet über Klimabilanz
Die Ergebnisse belegen, dass das Emissionsprofil primär von der Qualität und Verfügbarkeit der Nährstoffe im Futtersubstrat abhängt. Eine geringere Verdaulichkeit und Abbaubarkeit der Biomasse führt zu schwächerem Wachstum und geringerem Proteinansatz der Larven, während gleichzeitig höhere CO₂-Emissionen auftreten. Nährstoffreichere Substrate fördern hingegen das Wachstum deutlich positiv, können jedoch gegen Ende des Entwicklungszyklus zu erhöhten Ammoniakemissionen führen. Ursache hierfür ist vermutlich ein unausgewogenes Verhältnis zwischen Protein und Energie im Futtersubstrat. Für die Bewertung der Klimabilanz ist es entscheidend, die Emissionen in Relation zum erzeugten Output zu evaluieren, etwa zur produzierten Proteinmenge oder Trockenmasse. Höhere absolute Emissionen bedeuten nicht automatisch eine schlechtere Klimabilanz, wenn die Emissionen pro Einheit hochwertigen Proteins geringer ausfallen. Eine abschließende Bewertung erfordert jedoch eine umfassende Betrachtung des gesamten Lebenszyklus, einschließlich der Produktion der Futtersubstrate und des Umgangs mit verbleibenden Reststoffen.
Wie klimafreundlich ist das im Vergleich zu anderen Proteinquellen?
Die Studie liefert erstmals valide quantitative Daten zu Emissionen und gibt eindeutige Hinweise darauf, wie sich der Nährstoffgehalt der Substrate gezielt optimieren lässt, um sowohl Emissionen zu reduzieren, als auch die Effizienz der Insektenproduktion zu steigern. In einer ersten vergleichenden Einschätzung liegen die CO₂-Emissionen pro erzeugter Proteineinheit unter den bereits bekannten Werten für Rinder und Hühner, wobei auch diese Ergebnisse noch als vorläufig gelten und weiterer Forschung bedürfen. Fest steht nunmehr, dass die Integration von Insekten in bestehende Produktionssysteme langfristig dazu beiträgt, die Erzeugung tierischen Proteins nachhaltiger zu gestalten.
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