Dachbegrünung und Solar müssen kein Entweder oder sein. Ein Kindergarten in Karlsruhe zeigt, wie beides zusammen noch besser funktioniert.

Karlsruhe zeigt, wie sich städtische Gebäude noch effizienter für die Energiewende nutzen lassen: Auf dem Dach der Kindertagesstätte „les petits amis“ wurde erstmals eine Photovoltaikanlage mit senkrecht aufgestellten Modulen auf einem bereits bestehenden Gründach installiert. Die Stadt verbindet damit zwei Klimaschutzmaßnahmen, die bisher meist getrennt umgesetzt wurden.

Warum senkrechte Module? Weniger Gewicht, mehr Dächer geeignet

Die neue Anlage unterscheidet sich deutlich von klassischen, leicht geneigten PV‑Systemen. Laut Projektleiter Oleg Mininkov wiegt die vertikale Konstruktion nur etwa die Hälfte herkömmlicher Anlagen. Dadurch eignet sie sich auch für Dächer, die bisher aus statischen Gründen nicht für PV infrage kamen.

Die Module bestehen aus kleineren, leichter montierbaren Profilen, was die Installation vereinfacht und die Zahl potenzieller Standorte erhöht.

Energieerzeugung: Strom am Vormittag und Nachmittag statt Mittagspeak

Die senkrechten, bifazialen Module fangen Sonnenlicht von beiden Seiten ein – morgens aus Osten, nachmittags aus Westen. Dadurch entsteht ein breiteres Erzeugungsprofil, das besser zum Verbrauchsverhalten der Kita passt.

Die Stadt betont, dass so weniger ungenutzte Mittagsspitzen entstehen und mehr Strom direkt im Gebäude verbraucht werden kann. Das reduziert den Netzbezug und spart Kosten.

Die Anlage umfasst 150 Module mit einer Gesamtleistung von 24 kW und liefert jährlich rund 21.000 kWh – etwas mehr, als die Kita selbst benötigt.

Vorteil für die Pflege: Gründach bleibt zugänglich

Ein oft unterschätzter Aspekt: Die Pflege von Gründächern wird durch klassische PV‑Aufständerungen erschwert. Pflanzen wachsen unter Modulen weiter, sind aber schwer erreichbar.

Die vertikale Bauweise löst dieses Problem. Laut Katrin Helmchen vom Gartenbauamt ermöglicht die senkrechte Anordnung eine deutlich bessere Zugänglichkeit für die regelmäßige Pflege. Niemand muss mehr „unter die Module kriechen“, um Bewuchs zu entfernen.

Karlsruhe baut aus: Drei weitere Projekte geplant

Die Stadt sieht das Pilotprojekt als Startpunkt. Drei weitere Gründächer sollen ebenfalls mit vertikalen Modulen ausgestattet werden.

Karlsruhe hat seine PV‑Ausbauziele bereits übertroffen: 2025 installierte das Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft 845 kW neue Leistung – mehr als eine Vervierfachung der jährlichen Ausbauquote.

Ein Modell für Städte mit vielen Flachdächern

Karlsruhe zeigt, wie sich Dachbegrünung und Photovoltaik sinnvoll kombinieren lassen – ohne Zielkonflikte. Die Vorteile:

  • Mehr Dächer nutzbar, weil das System leichter ist
  • Bessere Stromnutzung, weil Ost‑West‑Erzeugung Lastprofile besser trifft
  • Pflegefreundlich, weil die Begrünung zugänglich bleibt
  • Klimawirksam, weil PV und Gründach Synergien schaffen

Gerade Städte mit vielen öffentlichen Gebäuden und Flachdächern könnten von dieser Lösung profitieren.


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Bild: Stadt Karlsruhe, HGW, Thomas Gillich