Studien zeigen: In Erdbebenzonen entstehen tatsächlich große Mengen „weißer“ Wasserstoff – theoretisch bis zu 29 Millionen Tonnen pro Jahr.

Weißer, also natürlich entstehender Wasserstoff sorgt seit einiger Zeit für Aufsehen. Die Vorstellung, dass tief unter unseren Füßen große Mengen eines klimafreundlichen Energieträgers entstehen könnten, klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Neue Forschungsergebnisse zeigen tatsächlich spannende Hinweise. Doch zwischen theoretischem Potenzial und praktischer Nutzung liegt noch ein weiter Weg.

Wie entsteht weißer Wasserstoff?

Natürlicher Wasserstoff entsteht, wenn Wasser mit eisen- oder magnesiumhaltigem Gestein reagiert. In Erdbebenzonen wird dieses Gestein stark fragmentiert – und genau dort vermuten Forschende besonders hohe Produktionsraten.

Eine aktuelle Studie schätzt, dass bei Erdbeben der Stärke vier theoretisch bis zu 29 Millionen Tonnen Wasserstoff pro Jahr entstehen könnten. Das entspräche rund 966 Terawattstunden Energie. Zum Vergleich: Österreich verbrauchte 2022 insgesamt 317 TWh Energie.

Doch diese Zahl ist eine Maximalschätzung unter idealisierten Bedingungen – und weit entfernt von einer realen Fördermenge.

Warum das Potenzial schwer nutzbar ist

Selbst wenn große Mengen Wasserstoff entstehen, heißt das nicht automatisch, dass sie sich wirtschaftlich fördern lassen. Die Studie weist auf mehrere Unsicherheiten hin:

  • Die geologischen Bedingungen, die hohe Wasserstoffmengen ermöglichen, sind nicht überall gegeben.
  • Bei Erdbeben entstehen auch Flüssigkeiten, die die Abscheidung des Gases erschweren.
  • Es ist unklar, wie viel Wasserstoff sich überhaupt in stabilen Lagerstätten sammelt.
  • Die Fördertechnik steckt noch in den Kinderschuhen.
  • Die Klimawirkung von Leckagen ist nicht ausreichend erforscht.

Kurz gesagt: Das theoretische Potenzial ist groß, die praktische Nutzung aber noch weit entfernt.

Erdbebenzonen als neue Suchräume

Trotz aller Unsicherheiten liefert die Studie einen wichtigen Hinweis: Erdbebenzonen und Gebirge könnten vielversprechende Suchräume für natürlich vorkommenden Wasserstoff sein.

Das macht weißen Wasserstoff zu einem spannenden Forschungsfeld – aber nicht zu einer kurzfristigen Lösung für die Energiewende.

Was bedeutet das für die Energiewende?

Weißer Wasserstoff ist weder ein Wundermittel noch ein PR‑Mythos. Er ist ein groß angelegtes Natur-Experiment, das zeigt, wie komplex geologische Prozesse sein können und wie viel Potenzial in ihnen steckt.

Selbst wenn die Taktraten der Natur beeindruckend sind, bleibt die Frage offen, wie viel davon wir tatsächlich nutzen können. Für die Forschung ist das Thema hochrelevant. Für die Energieversorgung bleibt es vorerst eine Vision mit vielen offenen Fragen.


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