In den Salzkavernen in Ahaus entsteht ein 500MW Druckluftspeicher System. Das erste Projekt in Deutschland seit 1978.

Der Druckluftspeicher (CAES) ist ein System, das überschüssige Energie durch Komprimierung von Luft in unterirdischen Kavernen speichert. Wenn Energie benötigt wird, wird die komprimierte Luft wieder freigegeben und zur Stromerzeugung genutzt. Diese Technologie ist besonders interessant, weil sie eine kostengünstige Möglichkeit darstellt, Energie über längere Zeiträume zu speichern und so Schwankungen in der Energieerzeugung auszugleichen. Ein Projekt in Deutschland zeigt, wie mit Druckluftspeichern die Energiewende nachhaltig gestaltet werden kann.

Corre Energy, ein niederländischer Spezialist für Langzeit-Energiespeicher, hat sich mit dem Energieversorger Eneco zusammengeschlossen, um sein erstes Druckluftspeicherprojekt in Deutschland zu realisieren. Das Projekt basiert auf vier Salzkavernen in Ahaus, im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen, und hat das Potenzial, ein 500-MW-Speichersystem zu beherbergen. Eneco wird das Projekt über seine deutsche Tochtergesellschaft LichtBlick, einen der größten deutschen Ökostromanbieter, betreiben, mit entwickeln und finanzieren. Der Bau der Kavernen ist bereits im Gange, die Übergabe der ersten beiden wird für Anfang 2027 erwartet.

Druckluftspeicher-Kraftwerke funktionieren wie Pumpspeicher-Kraftwerke

Druckluftspeicherkraftwerke wurden bisher als Hybrid in Kombination mit einem Gasturbinenkraftwerk zur Bereitstellung von Strom zu Zeiten der Spitzenlast ausgeführt. Im Prinzip funktionieren CAES genau wie Pumpspeicherkraftwerke. Bei Letzteren fließt Wasser aus einem hochgelegenem Speicher nach unten und treibt so Generatoren an. Ein Druckluftspeicherkraftwerk nutzt einfach die Energie, die in komprimierter Luft steckt. Bei der Einspeicherung der Luft in eine Kaverne wird der Druck in einem Verdichter erhöht. Der Temperaturanstieg muss durch die Ableitung von Wärme ausgeglichen werden. Bei der Ausspeicherung wird die Luft über eine Turbine geleitet und der Druck vermindert, wodurch die Temperatur sinkt. Die an der Turbine abgegebene Leistung wird an einen angekuppelten Generator gegeben. Ein wesentliches Merkmal eines Druckluftspeicherkraftwerkes – wie auch von anderen Spitzenlast- und Speicherkraftwerken – ist es, dass sie sehr schnell gestartet werden können. Innerhalb von wenigen Minuten stehen 100 % der Leistung zur Verfügung.

In der ersten Phase des Projekts in Ahaus werden zwei der bestehenden Salzkavernen des Standorts genutzt, um die mehrtägige CAES-Lösung von Corre Energy mit einer Verdichtungskapazität von 220 MW und einer Erzeugungskapazität von 320 MW zu installieren. Nach Angaben der Projektpartner liegt der CAES-Standort in Ahaus günstig zwischen der zunehmenden Offshore-Windenergieproduktion im Norden und den großen Stromverbrauchsregionen im Süden. Er befindet sich in der Nähe des zukünftigen nationalen Wasserstoff-Startnetzes und wird die regionale Etablierung einer industriellen Wertschöpfungskette für grünen Wasserstoff auf Basis erneuerbarer Energien ergänzen.

Druckluftspeicher sind selten

Das Projekt ist die erste CAES-Anlage, die in Deutschland entwickelt, gebaut und betrieben wird, seit 1978 die 321-MW-Anlage in Huntorf als erste CAES-Anlage der Welt in Betrieb genommen wurde. Allein in den letzten Jahren wurden mehrere Großprojekte in den Vereinigten Staaten, Israel, Kanada, Australien und China angekündigt. Die Verbreitung von CAES wird jedoch durch die Abhängigkeit von unterirdischen Formationen für die Speicherung erheblich eingeschränkt.


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Bild: Eneco