Gewaltige Investitionen in neue Hochspannungsleitungen für die Anbindung riesiger Windparks seien erforderlich, um eine Energiewende zu ermöglichen, erklären so genannte Experten. Selbst der Nachhaltigkeitsrat der Kanzlerin meldet sich nicht kritisch…

Gewaltige Investitionen in neue Hochspannungsleitungen für die Anbindung riesiger Windparks seien erforderlich, um eine Energiewende zu ermöglichen, erklären so genannte Experten. Selbst der Nachhaltigkeitsrat der Kanzlerin meldet sich nicht kritisch zu Wort. Wird die Chance zu einer sinnvollen Entwicklung vertan, oder wollen die Konzerne davor abschrecken, die Energiewende wirklich zu vollziehen?

Energievernichtung und eine hohe Belastung der Bevölkerung durch Hochspannungsnetze

Selbst Greenpeace skizziert in einer Studie zu der Energiewende eine erneute Ballung großer zentraler Anlagen zur Stromerzeugung, und fordert damit einen Ausbau der Dinosauriertechnologie, nur mit anderen Vorzeichen (http://www.greenpeace.de/themen/energie/nachrichten/artikel/greenpeace_legt_plan_fuer_energiewende_vor-1/). Dabei wird bei all diesen Konzepten letztlich nur der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben. Die Atomkraft – und die CO2 – Schleuder Kohlekraft – haben ausgedient, also werden diese durch eine andere, saubere Technologie ersetzt. Die Konzentration der Produktionsmittel, also der Großkraftwerke bleibt bestehen und die unbeliebten und gefährlichen Hochspannungsleitungen müssen bestehen bleiben, ja um tausende Kilometer ausgebaut werden. Zu kurz gedacht und zu schnell entschieden, wenn es um eine wirklich sinnvolle, und besonders um eine nachhaltige Entwicklung, eine wirkliche Energiewende gehen soll. Die Ereignisse um Fukushima waren der Todesstoß für die Atomenergie, die ja eigentlich als zumindest mittelfristiger Ersatz für Klimaschädigende Kohlekraftwerke herhalten sollte. Letztlich ging es immer darum, den Großkonzernen die Möglichkeit zu erhalten, den Markt zu beherrschen und Renditen auf hohem Niveau zu halten. Den Schaden haben nach wie vor die Bürger, die über Steuerfinanzierte Finanzhilfen und erhöhte Strompreise die Kosten tragen (http://www.taz.de/1/zukunft/schwerpunkt-anti-akw/artikel/1/stromleitungen-kosten-50-milliarden/).

Erst denken, dann handeln

„Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will“, stellte Albert Einstein fest. In der Eile, nun plötzlich eine als unbeherrschbar erkannte Technologie durch eine „Saubere“ zu ersetzen, werden die Chancen zu einer wirklichen Erneuerung vertan. Viele Bürger überlassen die Entscheidungen immer noch den einmal gewählten Vertretern, die es sich einfach machen und die Umsetzung wieder den gleichen Akteuren überlassen. Dabei ist jetzt die Zeit, alte Strukturen, die sich als unsicher und nicht nachhaltig erwiesen haben, zu ersetzen. Nur da, wo diese Chance aufgegriffen wird, übernehmen Städte und Gemeinden wieder das Heft des Handelns, übernehmen die Stromnetze und die Energieerzeugung selbst. Stadtwerke investieren in nachhaltige Konzepte, kleine und mittlere Kraftwerke, die nun effizient die Energie da produzieren, wo sie gebraucht wird, nicht nur als Strom, sondern auch als Nutzwärme. Die Wertschöpfung der Kommunen allein aus der Nutzung Erneuerbarer Energien lag in Deutschland in 2009 bereits bei 6,6 Milliarden Euro. Dieser Betrag lässt sich, nach Expertenmeinung in zehn Jahren leicht verdoppeln (http://www.3sat.de/page/?source=/nano/gesellschaft/153577/index.html). Dabei wird nebenbei der gleiche Betrag an Kosten für importierte, fossile und atomare Energieträger gespart, auch, weil die Verluste durch die Hochspannungsnetze und die mehrfache Umspannung in Trafostationen entfallen und besonders die Energievernichtung in den Großkraftwerken aufhört. Allein durch den Verzicht auf diese Steinzeittechnologie sind das bis zu 60 Prozent Ersparnis.

Eine nachhaltige Energieversorgung belässt die Wertschöpfung bei den Bürgern

Das wirtschaftliche Argument – und natürlich der Klimaschutz – sprechen schon eindeutig für eine Abkehr von dem bisherigen System der zentralen Energieversorgung und der Verteilung des Stroms über Hochspannungstrassen. Davon abgesehen wird bei diesen Konzepten keine nutzbare Wärme erzeugt. Auch dann wäre ja die Verteilung mit extrem langen Leitungen, und ebenfalls entsprechenden Verlusten verbunden. Jede Region, jedes Dorf und jede Stadt können sich potenziell selbst mit Energie (Wärme und Strom) versorgen, aus eigenen Ressourcen. Ein Paradebeispiel ist seit kurzem Prenzlau in der Uckermark in Brandenburg. Die 20.000 Einwohner Stadt kann dank der intensiven Förderung und Nutzung regenerativer Energien einen Großteil des Haushalts aus den Einnahmen dieses nachhaltigen Weges decken. Hier hat man frühzeitig erkannt, dass möglichst die gesamte Wertschöpfungskette im Ort gehalten werden muss und kann. Dass das den großen Energiekonzernen nicht gefällt ist klar und veranlasst sie, mit forcierter Lobbyarbeit zu versuchen, diese Entwicklung zu verhindern.

Überlandleitungen sind eine gefährliche Steinzeittechnik

Dass ein umfassendes Netz dezentraler Kraftwerke ein teures Hochspannungsnetz überflüssig macht ist verständlich. Die Verteilung des überall erzeugten Stroms kann auf der Mittelspannungsebene bis maximal 50 KV (Kilovolt = 50.000 Volt) erfolgen. Hier sind auch Erdkabel gängig und günstiger. Stromausfall in ganzen Regionen, aufgrund des Schadens an einer einzigen Überlandleitung sind in solchen dichten Netzen ausgeschlossen. Die schon lange diskutierten möglichen Gesundheitsschäden durch den extremen Elektrosmog im Bereich der Hochspannungsleitungen sind dabei ein weiteres Thema (http://www.eurosolar.de/de/index.php?option=com_content&task=view&id=425&Itemid=61).

Auch die Speicherung überschüssigen Stroms, zum Beispiel aus der Windkraft kann auf viele Arten erfolgen, in kleinen Anlagen, an vielen Orten. Bio- oder Synthesegas, Pyrolyseöl, Biodiesel, BTL (Sunfuel), Ethanol und Methylester sind speicherbare Produkte aus Biomasse. Windstrom kann in Wasserstoff umgewandelt werden, oder Wasser in erhöht liegende Becken transportieren, wenn er gerade nicht gebraucht wird. All diese Verfahren, können in der Region durchgeführt, wiederum die mittelständische Wirtschaft beschäftigen und für weitere Steuereinnahmen in den Gemeinden sorgen. Die Stadt Prenzlau hat in drei Jahren Engagement für regenerative Projekte im Ort die Zahl der Arbeitslosen halbiert, ist zum Beispiel eine der ganz wenigen Städte in der Republik, die jedem Kind einen Kindergartenplatz bereitstellt. Das Stromnetz gehört nun auch der Stadt, die Umspannstationen und Großmasten der Freileitungen sind demontiert. Bürgermeister, Stadtrat und die Bürger sind mit Recht stolz auf diesen Erfolg, was auch wiederum ein ganz neues Heimatgefühl, eine neue Akzeptanz des Ortes und ein anderes Gemeinschaftsgefühl mit sich bringt.

Selbstbewusste, aktive Bürger schrecken die Politiker

Seit der so genannte Wutbürger in Stuttgart auf die Strasse ging und die Politiker nötigte, ein für sicher gehaltenes Großprojekt neu zu überdenken ist das Selbstbewusstsein im Volk gestiegen. Die Landtagswahlen in 2011 haben dann auch den bürgerlichen Parteien gezeigt, dass ein Umdenken sofort erfolgen muss und die machiavellistische Art des Regierens endgültig „Schnee von gestern“ ist. Aufgeschreckt durch den Liebesentzug der Wähler und den sagenhaften Aufstieg der Grünen überbieten sich die Koalitionsparteien in Aktionismus, werfen bisher vehement vertretene Auffassungen über Bord. Dass diese Wandlung vom Saulus zum Paulus nicht unbedingt glaubhaft ist, beweisen dann auch die hektisch präsentierten Entscheidungen zu einem angeblich grundlegenden Wechsel in der Energiepolitik. Der Weg von der Atomkraft zu neuen Großprojekten in der Nordsee und Afrikas Wüsten ist keinesfalls ein Weg in eine verantwortungsvolle und nachhaltige Versorgung mit Energie, sondern folgt wieder nur den Bedürfnissen der marktbeherrschenden Energiekonzerne. Der Bürger soll mit Entscheidungen zu einer Wende beruhigt werden. Es bleibt zu wünschen, dass immer mehr Initiativen, wie zuerst 1999 in Jühnde (Niedersachsen) entstehen, die Menschen ihre und ihrer Nachkommen Zukunft in die Hand nehmen, weit über die nächste Legislaturperiode hinaus.

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