Was sind Energiegemeinschaften, was bringen sie uns, und worauf müssen wir dabei achten?

In einer Studie hat das Austrian Institute of Technology (AIT) für das Thema „Energiegemeinschaften als Bestandteil smarter und nachhaltiger Stadtquartiere“ europaweit knapp 80 Projekte zu diesem Thema analysiert, und spannende Erkenntnisse daraus gezogen.

Zur Veröffentlichung der neuen Studie am 3. Dezember 2020 präsentierten Michael Strebl (Geschäftsführer von Wien Energie), Wolfgang Hribernik (Leiter des Zentrums Energie bei AIT) und Hans-Martin Neumann (Studienautor bei AIT) die Ergebnisse.

Auch österreichische Projekte, wie etwa das Wien Energie-Projekt Viertel Zwei in Wien Leopoldstadt, sowie das Projekt Lokale Energie Community (LEC) in Steyr wurden bei der Studie genauer betrachtet. Beide befinden sich derzeit in Umsetzung.

Das Viertel Zwei Wohngebäude ist eines der Projekte von Wien Energie, die bereits seit einiger Zeit im Testbetrieb laufen. – Photocredit: Wie Energie/Christian Hofer

Was sind Energiegemeinschaften?

Energiegemeinschaften schaffen laut Studie „einen Rahmen, in dem Teilnehmende proaktiv gemeinschaftlich (erneuerbare) Energie produzieren, verbrauchen, speichern und verkaufen können“. Vor allem geht es vielen Beteiligten aber auch darum, den Strom innerhalb der Gemeinschaft – also sehr regional – zu teilen, und nicht einfach an irgendjemanden zu verkaufen.

Die Studie zeigte, dass die Hauptziele dabei der effiziente Einsatz der erzeugten Energie, Klimaschutz und Gemeinschaftsbildung sind. Die gesetzliche Grundlage zieht mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) Anfang 2021 nun auch nach.

Vor allem die Schweiz, Deutschland, aber auch Österreich, die Niederlande und Portugal haben bereits solche Projekte, die entweder in Umsetzung oder sogar schon vollständig umgesetzt sind.

Motive

Die Partizipation der Bevölkerung an der Energiewende ist keine Randerscheinung mehr, sondern ein europaweites Entwicklungsfeld. In unserer Studie haben wir Projekte aus ganz Europa analysiert. Es zeigt sich, dass erneuerbare Energiegemeinschaften praxistauglich sind.“, sagt Hans-Martin Neumann, AIT-Studienautor.

„Energiegemeinschaften sind ein wichtiger Hebel, damit die Energiewende gelingt. Jeder einzelne kann so zum Klimaschutz beitragen. Wien Energie hat schon vor drei Jahren mit der Urban Pioneers Community im Viertel Zwei erste Schritte in diese Richtung gesetzt und gehört damit heute zu den Vorreitern in Europa“, so Wien Energie-Geschäftsführer Michael Strebl. „Wenn das EAG nächstes Jahr in Kraft tritt, stehen wir als Partner für die Umsetzung in der Praxis bereit! Wir können dieser Motivator sein!“

Neben den bereits eben genannten Gründen ist es für viele der bisher involvierten Menschen und Organisationen vor allem auch das Interesse an der Technik und Innovation, die sie antreibt. Ein innovativer Ansatz etwa ist es, zur Organisation der Stromverteilung die Blockchain-Technologie zu nutzen, wie sie auch schon bei Kryptowährungen im Einsatz ist.

Energiegemeinschaften benötigen Infrastruktur, die auch von Stromanbietern bereitgestellt werden kann.

Leitfaden zum Gelingen von Energiegemeinschaften

Das AIT hat im Zuge dieser Studie einen Leitfaden zum Gelingen von Energiegemeinschaften erstellt. Die Studie zeigt auf Basis der Analysen vier Schritte, um Energiegemeinschaften in der Breite umzusetzen:

  • Frühzeitige Einbindung der Teilnehmenden und kontinuierliche Kommunikation

  • Einfacher organisatorischer Rahmen ohne bürokratische Hindernisse

  • Förderungen als Anschubfinanzierung zum Ausbau erneuerbarer Energieanlagen

  • Integration in langfristige Stadt- und Quartiersplanung

Wichtige Erkenntnisse

Neben den vier essentiellen Schritten ist bei der Analyse der Projekte eine Sache besonders hervorgestochen. Alle Energiegemeinschaften brauchen eine treibende Kraft. Jemand, der von Anfang an dabei ist, und sich darum kümmert, dass das Projekt vorankommt und alle Mitspieler koordiniert werden.

Fazit

Mit der gesetzlichen Basis, die mit Anfang 2021 kommt, wird die Entwicklung von Energiegemeinschaften wohl noch stärker wachsen. Michael Strebl von Wien Energie verglich die kommende Energiewende in der Präsentation mit der Entwicklung vom passiven Konsum des Fernsehens zum aktiven Mitgestalten im Internet. Und auch, wenn viele Dinge noch im Entstehen sind, ist es ein spannender Schritt zu noch mehr Selbstbestimmung, wo meine Energie herkommt und wie sie produziert wird.

Quelle

wienenergie.at: Energiegemeinschaften-Studie
Studie Energiegemeinschaften
Austrian Institude of Technology (AIT)