Sich bewusst mit Kleidung auseinanderzusetzen und nicht nur Massenware zu kaufen, liegt im Trend. Doch worauf muss man da beim Einkaufen Wert legen, worauf sollte man achten? Wir haben mit Barbara Lindner, von dem Wiener Modelabel ALILA, gesprochen und uns mehr zum Thema Slow Fashion und Nachhaltigkeit erzählen lassen.

Es wird nicht nur beim Essen auf die Geschwindigkeit geachtet, langsames Essen bringt mehr Ruhe und auch Wohlbefinden. Bei der Mode verhält es sich da ganz ähnlich und abseits von riesigen Kollektionen und Massenware findet sich etwas Langsameres.

Was bedeutet für dich Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Slow Fashion?

Bei meinem Label ALILA ergibt sich die Nachhaltigkeit ganz selbstverständlich aus der Arbeitsweise mit edlen Vintagematerialien und Unikaten. Ich sammle seit Jahren getragene japanische Kimonos und verarbeite diese gut erhaltenen Stoffe weiter zu zeitgemässer Mode. Die Wertschätzung textiler Traditionen und Handwerke sind für mich ein Aspekt von Nachhaltigkeit. Qualität ist ein weiterer Punkt, sowohl bei den Stoffen als auch bei der Produktion der Kollektion, denn nur so werden die Stücke lange und gern getragen und geschätzt. Ich stelle immer wieder fest, dass sich auch bei den Kundinnen langsam aber sicher ein neues Bewusstsein für guten Stoff und gute Verarbeitung bildet.

Slow Fashion positioniert sich ja bewusst als Gegenpol zur schnelllebigen Massenware, die billig und oft unter fragwürdigen Umständen produziert wird, die zwar jeden Trend aufgreift, aber genauso schnell wieder out ist. Slow Fashion verwendet Biostoffe oder recyclete Materialien, Kollektionen werden wenn möglich lokal produziert, auf jeden Fall unter fairen Arbeitsbedingungen. Mein Label ist klein und fein und überschaubar. Ich produziere sehr viel selbst oder arbeite mit lokalen Schneidereien zusammen. Neben den japanischen Vintagestoffen verwende ich ergänzend auch immer wieder Biostoffe. Den klassischen schnellen Produktionszyklus der Modebranche mit mehreren neuen Kollektionen pro Jahr bediene ich bewusst nicht. Die intersaisonale ALILA Kollektion wird kontinuierlich weiter entwickelt und um neue Modelle erweitert.

Wie kannst du das, Stichwort Produktionskosten, mit deinem Label umsetzen?

 

Ich habe die Erfahrung gemacht habe, dass Kundinnen durchaus bereit sind für Qualität und Individualität einen angemessenen höheren Preis zu bezahlen. Mit einem ALILA Stück hat man dann ja auch etwas Besonderes. Ich habe außerdem aufgehört meine Preise immer wieder zu rechtfertigen, wenn sie mit Preisen der Modeketten verglichen werden. Und eigentlich gibt es da ja auch nicht viel zu vergleichen, oder? Ich arbeite in einem kleinen überschaubaren Rahmen und produziere sehr viel selbst. So gut wie jedes Stück geht durch meine Hände. Gerade das Aussuchen und Zusammenstellen der Stoffe ist ja das, was Spass macht, und der Grund, warum ich mit ALILA begonnen habe. Ich habe bisher auch kein eigenes Geschäft mit monatlichen Fixkosten, sondern verkaufe meine Kollektion mehrmals im Jahr auf Verkaufsevents.

Der Labelname Alila bedeutet Überraschung. Was ist für dich die größte Überraschung, wenn du dich mit Nachhaltigkeit beschäftigst?

Nachhaltigkeit ist für mich eigentlich nicht überraschend sondern vielmehr selbstverständlich, und das in allen Lebensbereichen, nicht nur in der Mode. Dass sich auch bei den Konsumenten endlich ein Nachhaltigkeitsbewusstsein einzustellen beginnt, finde ich weniger überraschend als vielmehr höchst erfreulich. Die Überraschung im Labelname ALILA bezieht sich vorallem auf die Überraschungen, die ich immer wieder beim Stöbern und Sammeln von Vintagestücken erlebe, und auf die überraschenden Kreationen, die daraus entstehen.

Hast du einen Tipp, wie ich mich als Kunde davon überzeugen kann, dass ein Label nachhaltig produziert?

Ich stehe meinen Kundinnen persönlich Rede und Antwort und erkläre meine Arbeitsweise. Bei Biostoffen kann man auch auf Zertifikate zurückgreifen. Faire Produktionsstätten bieten auch meist Zertifikate an. Vorallem bei größeren internationalen Labels sind diese Zertifikate hilfreich zur Orientierung. Gesunde Skepsis ist dennoch angebracht, denn auf den Trend zur grünen Mode springen auch viele „Greenwasher“ auf. Es macht sicherlich Sinn sich bei lokalen Designern und Labels umzusehen, am besten bei solchen, die auch noch mit Biostoffen arbeiten oder recyceln.

Portraitfoto oben: (c) eSeL

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