Keine Autos, keine Busse oder Straßenbahnen und auch keine Fußgänger. Eine Vision, die passionierte Radfahrer teilen. Der Designer Norman Foster will in London die Utopie zur Realität werden lassen.

Der beeindruckende Entwurf sieht Fahrrad-Autobahnen mit einer Gesamtlänge von 220 Kilometern in und um die britische Hauptstadt vor. Die Strecken würden auf Decks über den bestehenden Gleisanlagen, den Routen der Schnellbahnlinien, errichtet werden. Bis zu 12.000 Radfahrerinnen und Radfahrer sollen pro Stunde auf dem 15 Meter breiten SkyCycle genug Platz haben um schnell und vom restlichen Verkehr isoliert voranzukommen.

200 Rampen zur Auf- und Abfahrt würden den Radlertraum für sechs Millionen Menschen erschließen, die in einer Distanz von maximal zehn Minuten arbeiten und wohnen. Ohne Autos oder andere Verkehrsteilnehmer sind auch keine Ampeln mehr notwendig. Die Fahrzeiten zum Arbeitsplatz würden sich dadurch um bis zu 29 Minuten verringern.

Das Konzept hat Foster gemeinsam mit Landschaftsarchitekten von Exterior Architecture und Stadtplanern von Spacesyntax entworfen. Die Idee geht sogar weit über den ohnehin schon großen Ballungsraum London hinaus. Der Radtraum beginnt mit einem Frühstück in Paris und einem kurzen Radweg zum Gare du Nord, gefolgt von einer Fahrt mit dem Eurostar und einer abschließenden Fahrt am Skycycle um in wenigen Minuten Londons City zu erreichen. Die gesamte Reise würde nicht viel länger als 2 Stunden und 30 Minuten dauern, ohne sich jemals um Autos oder Lkw kümmern zu müssen.

So schön die Idee klingt, die Frage nach den Kosten stellt sich zwangsläufig. Nach ersten Meetings mit der staatlichen Eisenbahngesellschaft will das Team eine Versuchsstrecke errichten. Dabei soll ein 6,5 km langes Deck samt Rampen über den Gleisen zwischen Stratford und Liverpool Street Station errichtet werden. Die Kosten dafür würden sich nach ersten Schätzungen auf rund 265 Millionen Euro belaufen. Ein ähnliches Projekt ist vor rund 100 Jahren schon einmal an den Finanzen gescheitert. Der California Cycleway sollte um die Jahrhundertwende eine Fahrradverbindung auf Terrassendecks zwischen Pasadena und Los Angeles schaffen. Lediglich zwei von den angestrebten 14 km wurden bis zur Einstellung wegen finanziellen Misserfolgs gebaut. Wenige Jahre später rollten die ersten Autos von Ford von den Laufbändern Detroits.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*