Wo früher Braunkohle die Turbinen antrieb, wird bald die Energiezukunft zwischengespeichert. In Jänschwalde entsteht mit der „GigaBattery“ ein Rekordprojekt, das zeigt, wie aus einem ehemaligen Bergbaurevier eine Modellregion für grüne Energie wird.
Die Energiewende hat ein bekanntes Problem: Die Sonne scheint nicht immer, wenn wir den Herd einschalten, und der Wind weht nicht zwangsläufig dann, wenn wir unsere E-Autos laden. Um diese Schwankungen auszugleichen, braucht es riesige Zwischenspeicher. Ein Projekt der Superlative setzt genau hier an: Am Standort des Kraftwerks Jänschwalde (Brandenburg) entsteht derzeit der erste Gigawatt-Batteriespeicher Deutschlands und einer der größten in ganz Europa.
Ein Kraftwerk ohne Schornstein
Die Zahlen hinter der „GigaBattery Jänschwalde 1000“ klingen fast unwirklich: Mit einer Leistung von 1.000 Megawatt (1 GW) und einer Kapazität von 4.000 Megawattstunden (4 GWh) kann der Speicher rein rechnerisch rund 1,6 Millionen Haushalte für vier Stunden durchgehend mit Strom versorgen.
Zum Vergleich: Das ist etwa die Hälfte der Leistung des benachbarten Braunkohlekraftwerks, nur ohne CO2-Ausstoß. Das Projekt wird von der LEAG Clean Power in Kooperation mit dem Batteriespezialisten Fluence umgesetzt. Zum Einsatz kommt dabei eine moderne Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP), die als besonders langlebig und sicher gilt.
Warum gerade Jänschwalde?
Dass der Riesen-Akku direkt neben dem alten Kohlekraftwerk entsteht, ist kein Zufall, sondern kluge Planung.
- Netzinfrastruktur: Die mächtigen Stromleitungen und Schaltanlagen, die früher den Kohlestrom abtransportiert haben, sind bereits vorhanden. Das spart enorme Kosten und Zeit beim Netzanschluss.
- Platz: Auf dem rund zehn Hektar großen Areal ist ausreichend Fläche für die unzähligen Container-Module vorhanden.
- Symbolkraft: Jänschwalde ist das Herzstück der „GigawattFactory“ der LEAG. Bis 2030 will das Unternehmen hier und an anderen Standorten in der Lausitz bis zu sieben Gigawatt an erneuerbarer Energie (Wind und Sonne) installieren.
Der Zeitplan: Wann geht’s los?
Die Verträge sind unterzeichnet, die Planungen laufen auf Hochtouren. Nach aktuellem Stand soll der offizielle Bau (die Grundsteinlegung) voraussichtlich im Sommer 2026 erfolgen. Wenn alles nach Plan läuft, wird der Riesen-Speicher Ende 2027 oder Anfang 2028 ans Netz gehen.
Ein Meilenstein für die Netzstabilität
Für uns Konsumenten bedeutet das Projekt vor allem eines: Versorgungssicherheit. Wenn im Netz zu viel Strom aus Wind- und Solarparks vorhanden ist, wird dieser in der GigaBattery „geparkt“, statt die Anlagen abzuschalten. In Flauten-Zeiten wird dieser grüne Strom dann wieder abgegeben. Das stabilisiert nicht nur das Netz, sondern hilft auch, die Strompreise langfristig unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu machen.
Die Lausitz verwandelt sich damit endgültig vom Sorgenkind des Strukturwandels zum Vorreiter der europäischen Energiewende. Ein Giga-Projekt, das zeigt: Der Abschied von der Kohle ist nicht das Ende einer Ära, sondern der Startschuss für eine saubere, smarte Energiezukunft.
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Bild: Andreas Franke/LEAG