Heizen
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Ein altes Haus, eine alte Heizung? Was man tun kann, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.

Ich bin Anfang des Jahres in ein altes, aber gut saniertes Einfamilienhaus gezogen. Nach jahrelanger Planung meines “idealen” Hauses musste ich meine Ideen zum Heizungssystem rasch umstellen von: alles neu am Letztstand der Technik, hin zu: Wie kann ich das Vorhandene weiter optimieren?

Zur Gesamtsituation des Hauses sei angemerkt: Die oberste Geschoßdecke ist voll gedämmt, die Fenster sind eine bunte Mischung aus zweifach verglasten Lärmstoppfenstern, neu eingebauten dreifach verglasten Flächenfenstern und alten Kastenfenstern, die sich in einem guten Zustand befinden. Die Wandstärke des Hauses beträgt mindestens 50cm massiv aus einer Mischbauweise aus Ziegel und lokalem Stein. Beim Stromlieferanten habe ich auf 100% Ökostrom Wert gelegt.

Erhebung der Ist-Situation

Heizen und Sanieren

In meinem Fall war bezüglich der Heizung das Wesentliche schon geschehen: die alte Ölheizung wurde vor etwa 10 Jahren durch einen Pelletskessel ersetzt, der Öltank durch das Pelletslager. Die Anlage läuft rund und ist gut gewartet. Das alte Haus lässt sich damit gut heizen. Die Heizkosten sind für die Größe und den Zustand akzeptabel: im Frühjahr habe ich das Pelletslager zum ersten Mal komplett anfüllen müssen (ca. 7,5t). Die letzte Lieferung war etwas mehr als ein Jahr her. Wie viel meine vierköpfige Familie tatsächlich verbraucht, werde ich nach dem kommenden Winter wissen – dann sind wir das erste gesamte Jahr im Haus. Zusätzlich zur Pellets-Zentralheizung gibt es im Haus einen alten Gusseisen-Kanonenofen und einen Schwedenofen: ideal für die Übergangszeit und gut mit Holz zu befeuern.

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Meine erste Maßnahme war, das Thermostat auf zirka 20°C zu stellen und das Haus über die Zentralheizung nicht zu überheizen. Die damit erzeugte Wärme war für meine Familie und mich ausreichend. Falls es einmal sehr kalt war und damit der Wärmebedarf größer, habe ich nicht die Zentralheizung hochgedreht, sondern die Öfen mit Holz eingeheizt.

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Damit schafft man rasch die gewünschte Wärme, kann nicht vergessen, das Thermostat wieder zurück zu drehen und die Kinder haben das flackernde Feuer genossen. Pro Grad spart man sich etwa 6% Energiebedarf. Und für mich ist es im Winter akzeptabel, mit einem kuscheligen Pulli zu Hause zu sitzen – und nicht im Unterleiberl.

Möglichkeiten der Optimierung

 

In der Übergangszeit

Beide Zusatzöfen befinden sich im Obergeschoß: es wäre gut, im Erdgeschoß im Wohnzimmer einen zusätzlichen Holzofen für die Übergangszeit zu installieren. Damit könnte sich von dort die aufsteigende Wärme besser im gesamten Haus verteilen: die Wärme wäre da, wo wir uns am häufigsten aufhalten. Ein Kamin ist vorhanden, die Kosten für die Umsetzung sind abhängig von der gewählten Lösung: Schweden- oder doch Kachelofen?

Die Zentralheizung

Wir haben rasch bemerkt, dass die Zentralheizung noch Potential bietet: sie fährt mit recht hohem Druck, der manchmal Pfeifgeräusche verursacht. Regelmäßig sammelt sich Luft in einem bestimmten Heizkörper.

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Alle Heizkörper sind über ein zentrales Thermostat geregelt: das ist gut, denn damit lässt sich der Energieverbrauch um bis zu 15% senken. Was aber fehlt, ist die Ausführung eines hydraulischen Abgleichs im Heizsystem. Wenn man davon noch nie gehört hat, darf man sich nicht wundern: in Deutschland wurde das im Schnitt bei nur 14% der Haushalte ausgeführt, obwohl sich mit dieser Maßnahme der Verbrauch um etwa 10% weiter senken lässt. Man sorgt dafür, dass die Wärmeverteilung innerhalb des Systems optimiert ist und damit auch für gleichmäßigere Wärme im ganzen Haus.

Die Kosten sind abhängig von der tatsächlichen Situation und den Möglichkeiten, die diese bietet.

Warmwasser

In unserem Haus ist die Warmwasserversorgung von der Heizung entkoppelt und läuft über einen Elektroboiler für zwei Bäder sowie einen Durchlauferhitzer in der Küche.

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Die Durchlauferhitzer lassen sich nur mit massivem Aufwand entfernen, indem man neue Warmwasserrohre legt. Auf den ersten Blick schon kostet das mehr, als es an Ersparnis jemals bringen wird. Hier muss man auf das bestmögliche Gerät setzen. Den alten Boiler muss ich aber bald ersetzen: hier gibt es inzwischen Geräte, die über eine eingebaute Luft-Wärmepumpe verfügen, um mit hohem Wirkungsgrad das Wasser zu erwärmen. Damit kann man erheblich Strom sparen – ohne Unterschied in der Leistung. In meinem Fall geht es sogar noch besser: Die angesprochenen Geräte gibt es auch mit bivalentem Betrieb. Kurz gesagt: so lange in der Heizperiode der Pelletsofen brennt, heizt er das Warmwasser einfach mit, ist er abgedreht, übernimmt die eingebaute Luft-Wärmepumpe die Bereitstellung des Warmwassers.

Ist Solarthermie eine Alternative?

In meinem Fall ist der Platzbedarf für die Warmwasserspeicher einer Solarthermieanlage mit Heizungsunterstützung zu groß für meinen Heizraum. Sieht man sich die Fotos an, könnte man meinen, das ginge sich aus: Das Hauptproblem ist die Zugangsmöglichkeit zum Pelletslager. Diese wäre mit der Installation eines 1000l-Speichers nicht mehr gegeben. Ein kleinerer Speicher für die Warmwasserversorgung geht sich dagegen noch aus. Darüber hinaus wäre die Installation einer Solarthermie-Anlage mit erheblichen baulichen Maßnahmen verbunden, da während der letzten Sanierung keine vorbereitenden Maßnahmen diesbezüglich getroffen wurden – sehr wohl aber für eine Photovoltaik-Anlage.

Komplettsanierung oder: Alles neu macht der Mai

Hat man Lust, sein Haus komplett zu sanieren, und nicht nur zu optimieren, ist man perfekt beraten, einen unabhängigen Energieberater aufzusuchen. Ziel ist es, ein optimales Energie-Gesamtkonzept für den eigenen Fall zu erstellen, das Rücksicht nimmt auf die im und beim Haus vorhandenen Ressourcen und Möglichkeiten. Mein Beispiel: Eine Fußbodenheizung ginge nur, wenn ich den wunderschönen alten Parkett rausreißen würde, aber das will ich nicht. Eine Wandheizung wäre eine Alternative, würde aber an der fehlenden Wärmedämmung scheitern, und die bekomme ich wegen der besonderen Ortsbildbestimmungen (Wachauzone) nicht genehmigt. Hier würde sich eine Innendämmung anbieten, die sich hinter einer Vorsatzschalung gut anbringen ließe. Wählt man das richtige System, kann man die Flächenheizung direkt in den Wandaufbau integrieren und könnte auf die normalen Radiatoren verzichten. Das Wesentliche am Energie-Gesamtkonzept ist: alles greift ineinander und jedes einzelne Element hat unmittelbare Auswirkungen auf das Ganze. Wieder mein Beispiel: Ich habe eine große südseitige Dachfläche, die Leerverrohrung für eine Photovoltaikanlage ist ebenfalls gegeben. Damit würde eine Wärmepumpe durchaus Sinn ergeben. Aber: Nur eine Erdwärmepumpe mit Tiefenbohrung würde die nötige Energie liefern, aufgrund des hohen Heizwärmebedarfs. Die Zufahrt zu meinem Grundstück per LKW ist nicht möglich – und damit kann man auch die Tiefenbohrung vergessen. Damit ist und bleibt die Pelletsheizung die beste CO2-neutrale Alternative für mich, obwohl mir die Wärmepumpe viel sympathischer wäre.

Nutze die Energieberatung

Falls du immer noch offene Fragen hast, kannst du jederzeit die Energieleben Energieberatung in Anspruch nehmen.

Titelbild Fotocredit: © Shutterstock/Calek

Alle weiteren Fotos © Martin Skopal

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