Upcycling mit viel Herz. Fotocredit:Meike Schüßlers
Upcycling mit viel Herz. Fotocredit:Meike Schüßlers
Eine große Bewegung beginnt mit vielen, kleinen Ideen!

Im schönen Nürnberg , der zweitgrößten Stadt Bayerns, mit zahlreichen Gewerbegebieten und Gewerbeparks, befindet sich mit Ich war einmal ein Kleinod der in liebevoller Handarbeit selbstgemachten Dinge. Es begann mit Meike Schüßlers Überzeug, dass die meisten gebrauchten Sachen zu schade zum Wegwerfen seien. Und da ihr Motto: Nicht reden, machen! ist, eröffnete sie aus dieser Idee heraus das kleine Upcycling- und DIY-Geschäft. Es ist eines von vielen Beispielen für eine neue alte Art des Konsumierens – ressourcenschonend, in geschlossenen Kreisläufen denkend, nachhaltig. Ein kleines Beispiel von vielen, die zusammengenommen den großen Unterschied ausmachen.

„Ich habe schon immer gerne aus Altem etwas Neues gemacht, etwa aus alter Bettwäsche eine Tasche oder ein Kleid“, sagt Meike. „Ich wollte keine neuen Sachen. Aus gekauftem Stoff etwas schneidern, das kann ja jeder. Ich dachte immer, es wird zu viel weggeschmissen. Die Sachen kann man irgendwann noch brauchen. Und wenn ich irgendwann mal ein Geschäft eröffne, dann will ich nur solche Sachen im Laden haben, die vorher mal was anderes waren. Daher auch der Name Ich war einmal, im Sinne von „Ich war einmal eine Hose, ich war einmal ein Hemd“ usw.“.

Ich war einmal – kreative Upcycling- und Handmade-Ideen

Auf 16 Quadratmetern Verkaufsfläche bietet die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau in Ich war einmal handgemachte Accessoires, Dekoration und Geschenke aller Art an. Zum einen legt sie ihre eigenen Handarbeiten aus, zum anderen gibt sie anderen begeisterten Upcyclern mit dem Konzept der Fachvermietung die Gelegenheit, auch deren Selbstgemachtes anzubieten. Denn es ist ein Trend zu beobachten: Gerieten Fertigkeiten wie Nähen, Stricken, Filzen lange Zeit fast in Vergessenheit, erleben Handarbeiten langsam ein Revival, sehr gut zu sehen an zahlreichen DIY- und Upcycling-Blogs, die man zunehmend im Internet finden kann.

Bei Ich war einmal findet man ein buntes Sammelsurium kreativer Ideen: Etageren aus altem Porzellan, Ketten aus Tetrapack mit Perlen verschönert, Taschen aus alten Jeans, Kosmetikbeutel aus Schwimmflügeln, Patchworkdecken aus alter Bettwäsche, Schürzen aus alten Hemden oder Schalen aus Schallplatten. Eine Anbieterin in Meikes Laden unterstützt ein Projekt aus Kambodscha, wo Menschen mit Behinderung oder alleinerziehende Mütter moderne Taschen aus alten Zement- und Fischfuttersäcken herstellen.

Ich war einmal unterstützt soziales Projekt

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Die Idee, mit dem Laden soziale Projekte zu unterstützen, war von Anfang an Meikes Motivation. Sie sammelt alte Hemden, näht Kissenbezüge draus, füllt sie mit Kissen und verkauft sie dann im Laden. Die Hälfte geht an den Straßenkreuzer e.V., einem Verein, der Menschen in sozialer Not hilft, sich selbst zu helfen. Das gleichnamige journalistisch erstellte Sozialmagazin wird von Armen und Obdachlosen verkauft, die auch redaktionell Mitspracherecht haben. Die Straßenkreuzer Uni gibt bildungsfernen Menschen die Chance, wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich zu vermitteln und einem universitären Bildungsangebot zugänglich zu machen. Ein besonderes Angebot ist auch die Stadtführung „Schicht-Wechsel“, bei der man Nürnberg aus der Sicht von Armen und Obdachlosen kennenlernen kann.

Meike hat für ihre Kissenaktion sogar schon prominente Unterstützung gewonnen. Beispielsweise hat Schauspieler Andreas Leopold, Kommissar des Franken-Tatorts, Hemden spendiert. Die Kissen aus Promi-Hemden werden versteigert und der Erlös geht an den Straßenkreuzer-Verein. „Neue Hemden, die ich geschenkt bekomme, gehen übrigens so an den Verein, damit die Leute das anziehen können“, sagt Meike. „Die zerschneid ich nicht. Das geht wieder am Gedanken vorbei“.

Ich war einmal als Ideenschmiede

Über ihren Upcycling- und Handmade-Laden hinaus liegt Meike ein ökologischer, nachhaltiger Lebensstil sehr am Herzen. Sie hat z. B. eine WhatsApp-Gruppe gegründet, in der man gebrauchte Sachen verschenken oder tauschen kann. Die überzeugte Vegetarierin achtet bei der Ernährung auf regionale und saisonale Produkte. „Wenn es bei uns keine Erdbeeren mehr gibt, dann kauf ich auch keine“, sagt sie. Gemüse bezieht sie u.a. von einer Freundin, die einen Acker besitzt. Milch und Eier sind wegen der schlechten Haltungsbedingungen der Tiere vom Speiseplan gestrichen. „Ich habe zu viele Bücher gelesen, und kann manche Dinge nicht mehr kaufen. Ich kaufe keinen Erdbeerjoghurt oder Früchtejoghurt mehr, weil ich weiß, was da drin ist. Ist es schwierig, wenn Du Dich damit beschäftigst, stellt sich die Frage: Wo kaufe ich überhaupt noch ein?“. Ein Traum von ihr: „Wenn meine Kinder groß sind, möchte ich so autark leben wie möglich, im Einklang mit der Natur“.

Eines ist ihr wichtig anzumerken: „Wer zu mir in den Laden kommt, soll sich nicht verpflichtet fühlen, etwas zu kaufen. Es ist natürlich schön, wenn jemand bei mir etwas findet, das er mitnehmen möchte. Aber ich bin auch gerne die Ideenschmiede, um sich Inspiration zu holen, was man alles Tolles aus gebrauchten Dingen machen kann!“

Website: ichwareinmal.de

Bildrechte: Meike Schüßler

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