Das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das allein durch stetiges Wachstum überleben kann, zerstört seine eigenen Grundlagen und wirkt wie ein Krebsgeschwür. Die kanadische Journalistin Naomi Klein beschreibt dies in ihren Büchern,…

Das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das allein durch stetiges Wachstum überleben kann, zerstört seine eigenen Grundlagen und wirkt wie ein Krebsgeschwür. Die kanadische Journalistin Naomi Klein beschreibt dies in ihren Büchern, wie auch der Berliner Kulturwissenschaftler Joseph Vogl, und bereits zu Anfang der Geschichte der „Moderne“ der Philosoph Jean-Jacques Rousseau oder der Nervenarzt Siegmund Freud. Dieser Weg der Zivilisation ist ein Weg in den Abgrund. Eine Korrektur dieses Systems ist nicht möglich, weil es die „Geschäftsidee“ zerstören würde. Bezogen auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit bedeutet dies in der Tat: Klimaschutz oder Kapitalismus.

Nachhaltiger Kapitalismus ist ein Oxymoron

Der Kosmos ist eine Einheit in der alle Teile miteinander kommunizieren und aufeinander wirken, voneinander abhängen und untereinander in eine Balance kommen müssen. Die Idee, sich aus diesem System des „Lebens“ herauszubewegen und den „Rest“ als Bestandteile eines Geschäftsmodells zu benutzen ist „Bullshit“ und letztlich ein schleichender, langsamer Selbstmord. Seit fast zehntausend Jahren haben Menschen dies immer wieder erfahren, wenn ihre artifiziellen „Hochkulturen“ sich zu weit aus dem Gesamtsystem, dem Kosmos entfernt haben. Offenbar erlebt unsere Generation aktuell so einen Kollaps einer „Hochkultur“. Schon der Begriff „Hochkultur“ bezeichnet, dass eine weitere Kultur – neben der des Kosmos – besteht und diese sich noch, in arroganter Weise, als hochstehend bezeichnet. Jede dieser Parallelwelten ist jedoch bisher daran gescheitert, dass eben der Kosmos, das miteinander verwobene System des Lebens mit seinem ehernen Gesetz der Evolution eine derartige Hybris rigoros bestraft. Ein organisches System, welches die umgebende Struktur aufzehrt, um selbst stetig zu wachsen, nennen wir ein bösartiges „Krebsgeschwür“, das letztendlich seinen „Wirt“ tötet.

Lasst die Finanzsysteme und globalen Konzerne zusammenbrechen

Selbst viele Politiker haben erkannt, dass dieser Weg keine erstrebenswerte Zukunft bieten kann, sondern auch ihnen täglich mehr Probleme bereitet, doch halten sie dies für alternativlos. Zu sehr scheint das System alle Menschen in dem Netz der Beziehungen eingeflochten zu haben. So sind die globalen Energiekonzerne, die in Deutschland monopolistisch Geld verdienen durften, aktuell dabei „zu sterben“, müssen existenzgefährdende Verluste hinnehmen. Man spricht bereits davon, dass sie aufgeben werden müssen. Der finanzielle Schaden für die Bürger wird immens sein, weil sie nun selbst für alle Folgeschäden, besonders den Rückbau der Atomkraftwerke und die sichere Lagerung allen Atommülls aufkommen müssen. Allerdings haben sie von Anbeginn des Atomzeitalters über Steuern oder den Strompreis alle Kosten getragen. So werden sie auch den Rest bewältigen müssen. Dasselbe gilt für jeden finanziellen Kollaps, ob es ein Staat ist oder „nur“ die Banken. Für etwaige Verbindlichkeiten kommen die Bürger auf, auch – wenn zum Beispiel Rentenfonds an irgendeinem der sterbenden Dinosaurier beteiligt waren – irgendein Staat, oder die ganze Staatengemeinschaft werden die Folgen tragen. Natürlich hätten sie derartiges nie zulassen dürfen, hätten alle Bürger in einem staatlichen Rentensystem eingebunden werden müssen, wirklich alle, denn am Ende ist dies dann ja doch der Fall, die sterbenden privaten Kassen werden vom Staat aufgefangen.
Die Totschlagargumente der Konzerne und der Banken sind also ebenfalls Oxymorons, eine contradictio in adiecto. „Too big to fail“ ist Bullshit, am Ende druckt „der Staat“ Unmengen an Geld und macht es letztlich zu dem, was es in Wahrheit ist, wertlose Zettel aus Papier. Geld kann man nicht essen, das werden viele Menschen – wieder – lernen müssen.

Zukunft selbst gestalten ist die Lösung

Fast eine Milliarde Menschen auf diesem Planeten haben bereits begonnen, ihr Leben und damit die Zukunft wieder selbst in die Hand zu nehmen. Sie haben Gemeinschaften gebildet, als Genossenschaften, Commons oder cooperativa, in der Mehrheit in Südamerika. Sie haben sich von dem jeweiligen System gelöst und nicht Wachstum, sondern Erhalt gewählt, sie brauchen keine Rendite, denn wenn sie etwas „finanzieren“, dann ihre eigenen Projekte mit ihrem eigenen „Geld“, welches oft sogar eine lokale oder regionale Währung ist, abgekoppelt von der globalen Finanzmafia.
In Wahrheit zahlen alle Menschen in allen Ländern ja ohnehin alles, nur fließt ihr Geld seit Jahrhunderten in eine falsche Richtung. Das ist widersinnig und kann letztlich an jedem Ort sofort abgestellt werden. Nachhaltigkeit braucht Mut, den Mut einzugestehen, dass die Menschen als Staatsbürger vielleicht ein Leben lang ein sich selbst – und natürlich auch sie selbst – zerstörendes System am Leben erhalten haben. Die Konsumenten entscheiden, was sie kaufen und wieviel sie bezahlen. Sich aus dem globalen Netz zu befreien, kann allein nicht gelingen, aber in einer Gemeinschaft, die so groß ist, dass sie sich autark machen kann und so klein ist, dass die Menschen sich nicht verlieren, also noch „gekannt werden“, kann es gelingen und kann so eine völlig ideologiefreie Heimat entstehen.
Alle Leistungen, die für ein nachhaltiges Leben an jedem Ort erforderlich sind, können die Menschen nachweislich überall erbringen. Eine Gemeinschaft dieser freien Gemeinschaften kann dann weitere Zusammenschlüsse erbringen oder einfach friedlich und dann ja ohne Forderungen aneinander nebeneinander existieren. Wie die Millionen schon existierenden Gemeinschaften zeigen, ist ein Austausch von Waren und Leistungen auf dieser Basis ohne Probleme, ohne Übervorteilung möglich. Welche Technologien jeweils genutzt, welche „zivilisatorischen Standards“ gewählt oder angestrebt werden, ist absolut verschieden und hängt natürlich auch von den Anforderungen der spezifischen Mitwelt ab. Der Erhalt der Mitwelt ist jedenfalls eines der obersten Ziele dieser Menschen, denn es ist ja eine Überlebensbedingung in ihrer eigenen, speziellen Heimat.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-03/naomi-klein-kapitalismus-klimawandel
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2015/01/nachhaltigkeit-mut-kreativitaet-preis-nominiert
http://www.brandeins.de/archiv/2014/scheitern/kohlendioxid-emission-die-co2-farce/
http://www.natur.de/de/20/Klimaskeptikern-gehen-die-Argumente-aus,1,,1562.html
http://www.natur.de/de/20/Der-Mensch-hat-das-Problem-geschaffen,1,,1566.html
http://www.natur.de/de/20/Thunfisch-mit-Quecksilber-Fracht,1,,1565.html
http://www.natur.de/de/20/Alarm-OEl-Gier-bedroht-die-Malediven,1,,1568.html

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