Ist es wirklich möglich oder sinnvoll, ganz ohne Zucker zu leben?

Es gibt viele Meinungen darüber, welche Ernährung gut oder schlecht ist. Relativ einig sind sich jedoch die meisten darüber, dass zu viel Zuckergenuss dem Körper nicht gut tut. Aber welche Auswirkungen hat er tatsächlich? Wie sehr macht er süchtig? Wäre es sinnvoll, sich gleich ganz ohne Zucker zu ernähren? Und ist das mit der heutigen Auswahl an Nahrungsmitteln überhaupt realistisch möglich? Diese Fragen haben mich dazu bewogen, dieses Thema genauer zu betrachten.

Auch wenn es oft so dargestellt wird ist Zucker nicht per se schlecht. Sonst gäbe es ihn nicht. Evolutionär betrachtet war Zucker notwendig, um uns Kraft zu geben, wenn wir es aufgrund von besonderen Herausforderungen benötigt haben. Und solche körperlichen Herausforderungen gab es früher durchaus einige. Der Körper ist daher tendenziell darauf fokussiert, sich Zucker zu holen, wo er ihn nur kriegen kann. Deshalb schmeckt süßes meist besonders gut.

Die Herausforderung in der heutigen Zeit ist es daher, dieser natürlichen Tendenz entgegenzuwirken, da wir um ein Vielfaches mehr Möglichkeiten haben an Zucker zu kommen wie früher, der Bedarf aufgrund unserer Lebensweise aber stark nachgelassen hat.

Von welchem Zucker reden wir?

Zucker bedeutet normalerweise nicht nur raffinierter Rohr- und Rübenzucker. Er steckt in natürlicher Form in vielen Lebensmitteln, zum Beispiel in Form von Fruchtzucker in Obst und teilweise Gemüse, oder Milchzucker in Milchprodukten. Jegliche Kohlenhydrate sind für den Körper Zucker – auch wenn es Mehrfachzucker sind, die länger benötigen um verdaut zu werden.

An der Beschreibung erkennt man schon, dass nicht alles wo Zucker drin ist süß schmeckt. Umgekehrt ist aber auch nicht alles was süß ist Zucker. Und nicht jeder Zucker schadet der Gesundheit. Zumindest nicht jeder gleich stark.

In diesem Artikel meine ich mit Zucker aber vor allem Haushaltszucker, Glucosesirup und ähnliche schädliche Zuckerformen.

Gründe für übermäßigen Zuckerkonsum

Zucker ist in unserer Gesellschaft über die Jahre so gegenwärtig geworden, dass es mehrere Gründe für übermäßigen Zuckerkonsum gibt. Die vier wohl häufigsten sind versteckter Zucker in vielen – auch nicht süßen – Konsumprodukten, emotionale Ersatzbefriedigung, Gewohnheit und Genuss. Speziell die konsumierte Menge an verstecktem Zucker unterschätzen viele, da wir ihn nicht bewusst wahrnehmen.

Schokolade sieht oft sehr verführerisch aus. - Photocredit: pixabay.com/johnkamatsos4
Schokolade sieht oft sehr verführerisch aus. – Photocredit: pixabay.com/johnkamatsos4

Was kann ich dagegen tun?

Für jeden, der ernsthaft daran arbeiten möchte, den eigenen Zuckerkonsum zu reduzieren oder sogar sich ganz ohne Zucker zu ernähren, gibt es mehrere Möglichkeiten. Um zum Beispiel versteckte Zucker zu reduzieren kann man aufhören, Fertigprodukte, gesüßte Säfte, etc. zu kaufen. Das alleine ist schon eine riesige Veränderung und benötigt in der Umstellungsphase sehr viel Aufmerksamkeit und Energie.

Ein wesentlicher Aspekt bei jeder Umstellung und Veränderung ist es, die eigenen Verhaltensmuster zu erkennen und in weiterer Folge zu durchbrechen. Egal ob es beim Einkaufen, beim Essen bestellen im Restaurant, bei Veranstaltungen oder beim Kochen selbst ist. Wichtig ist dabei, sich nicht zu schnell zu viel vorzunehmen. Veränderungen von Verhaltensmustern brauchen meist viel Zeit und viel Wiederholung der neuen Muster. Und es braucht auch ein geduldiges Umgehen mit einem selbst.

Der wahrscheinlich einfachste erste Schritt ist es, den schädlichen Zucker durch nicht so schädliche Süßungsmittel zu ersetzen. Aber woran erkennt man weniger schädliche Alternativen?

Worauf muss ich achten?

Generell kann man sagen, dass natürlich vorkommender, unbehandelter Zucker aufgrund der enthaltenen Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe gesünder ist, als der Zucker, der entweder im Labor erzeugt oder stark verarbeitet wurde. Das heißt aber nicht automatisch, dass er wirklich gesund ist. Ein weiterer wesentlicher Indikator ist der Glykämische Index (GI), der angibt, wie schnell und wie hoch der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr ansteigt. Hier gilt meist: je geringer der GI, desto besser für die Gesundheit.

Auch Gemüse kann sehr gut schmecken - Photocredit: pixabay.com/JerzyGorecki
Auch Gemüse kann sehr gut schmecken – Photocredit: pixabay.com/JerzyGorecki

Eine Woche Zuckerfasten

Ein anderer möglicher erster Schritt ist es, bewusst eine Woche auf schädlichen Zucker oder sogar generell auf Zucker zu verzichten. Eine Woche wirkt nicht lange, aber es ist eine gute Möglichkeit, sich bewusst mit dem Thema auseinander zu setzen und zu erkennen, wann und wo und in welcher Form man überall Zucker zu sich nimmt. Außerdem kann man erste Alternativen testen, ohne dem Druck, das jetzt für immer so machen zu müssen. In dieser Woche kann man dann für sich entscheiden, in welchen Aspekten die Alternativen zu Zucker gut umsetzbar sind.

Beim Zuckerfasten kann es auch sehr hilfreich sein, genau zu beobachten, in welcher Umgebung man sich befindet, und wie man diese verändern oder wechseln kann, um es sich zu Beginn einfacher zu gestalten. Das können so niederschwellige Dinge sein wie nicht in den Supermarkt, sondern auf den Wochenmarkt einkaufen zu gehen, aufgrund der geringeren Süßigkeitenauswahl. Oder man trifft sich mit der Freundin gar nicht erst im Kaffeehaus, sondern geht stattdessen spazieren.

Als nächsten Schritt kann man auch einmal im Monat so eine Zuckerfasten-Woche einplanen. Dadurch nimmt man sich regelmäßig Zeit, die eigenen Verhaltensmuster zu erkennen und schrittweise zu durchbrechen. Gleichzeitig ist es aber nicht zu herausfordernd, dass man nicht schon nach einem Mal wieder aufgibt.

Fazit

Ich erkenne bei mir sehr oft, wo ich aus Gewohnheit, emotionaler Herausforderung, Langeweile oder auch weil es mir zu anstrengend ist es anders zu tun, Zucker esse. Das bewusste Wahrnehmen dieser Muster, und auch der jeweiligen Auslöser ist für mich der wichtigste Schritt, um meiner Sucht entgegenzuwirken. Es ist jedoch eine tägliche Herausforderung. Nachdem ich Anfang Februar nach langer Zeit wieder meine erste Woche Zuckerfasten erfolgreich abgeschlossen habe, werde ich auch in den März gleich mit einer Woche zuckerfrei starten.

 

Weiterführende Quellen:

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/zuckerlexikon.html
Bericht von außerhalb der Komfortzone

 

Bildquellen:

pixabay.com / sipa
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