Fotocredit: followyourwildheart.org/Elisabeth Demeter
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Tiny Häuser können auch aus mehr als einem Teil bestehen.

Immer mehr Firmen bieten Tiny (und auch nicht so „tiny“) Häuser an, die aus fixen Blöcken bestehen, die man entsprechend zerlegen und an einen anderen Ort bringen kann, um sie dort wieder aufzubauen, zu erweitern, oder ähnliches. Diese Modulhäuser bringen eine ganz neue Art des Bauens mit sich, was sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringt. Wie sieht der Bau so eines Modulhauses aber in der Realität aus?

Was sind Modulhäuser

Modulhäuser sind meist in Relation zu typischen Häusern kleinere Gebäude, die aus mehreren fertigen Modulen zusammengebaut werden. Die einzelnen Module werden im Werk fast fertig hergestellt, und auch einzeln an den Aufstellungsort transportiert.

Meist werden hier die Container-Standardmaße verwendet, da diese leicht auf LKWs oder Tiefladern transportiert werden können. Aber auch Abweichungen sind immer wieder aufgrund von speziellen Designs zu finden. Vor Ort werden dann lediglich die einzelnen Module mit dem Kran zusammengestellt, verbunden, und Wasser- und Winddicht gemacht.

Wenn ein einzelnes Modul so offen da steht, ist das schon irgendwie witzig. - Fotocredit: followyourwildheart.org/Elisabeth Demeter
Wenn ein einzelnes Modul so offen da steht, ist das schon irgendwie witzig. – Fotocredit: followyourwildheart.org/Elisabeth Demeter

Die Idee dahinter

Die Idee von Modulhäusern ist, dass wir das Haus flexibler erweitern und wieder verkleinern können, indem ein gesamtes Modul (oder auch mehrere) entfernt oder ergänzt wird. Manchmal ist da auch der Gedanke, das Gebäude potentiell zu einem späteren Zeitpunkt abtransportieren und an einem anderen Ort wieder aufbauen zu können, was etwa bei einem Pachtgrund interessant sein könnte.

Vorteile

Zusätzlich zur Grundidee hinter Modulhäusern können sie den Vorteil bieten, dass wir keine monate- oder jahrelange Baustelle vor Ort haben. Der Großteil des Baus passiert im Werk des Herstellers. Dadurch ist auch der Bau zu jeder Jahreszeit und Witterung leichter möglich.

Modulhäuser sind häufig beim Anbieter schon in der Grundstruktur fertig geplant, und der Bau auf diese fertigen Module optimiert. Dadurch sind Modulhäuser häufig günstiger als wenn wir ein Haus individuell komplett planen und bauen lassen. Dennoch haben wir durch die Module eine gewisse Flexibilität und Anpassungsmöglichkeit.

Für Modulhäuser werden häufig Punktfundamente gewählt. Dadurch wird der Boden nicht dauerhaft versiegelt, und die Fläche kann einfacher wieder der Natur zurückgegeben werden, wenn das Haus mal weg ist. - Fotocredit: followyourwildheart.org/Elisabeth Demeter
Für Modulhäuser werden häufig Punktfundamente gewählt. Dadurch versiegeln wir den Boden nicht dauerhaft, und wir können die Fläche einfacher wieder der Natur zurückgeben, wenn das Haus mal weg ist. – Fotocredit: followyourwildheart.org/Elisabeth Demeter

Herausforderungen

Modulhäuser haben aber nicht nur Vorteile. Der Transport etwa kann je nach Größe und Gewicht der einzelnen Module ganz schön teuer werden. Ist ein Modul breiter als 2,55m, höher als 4,30m oder länger als 12m, muss ein Sondertransport beantragt werden, der meist auch zusätzliche Kosten verursacht, vor allem weil auch ein Begleitfahrzeug benötigt wird. Je nach Gewicht des Moduls und Beschaffenheit des Grundstücks, ist ein Schwerlastkran notwendig, der auch teuer werden kann.

Durch die bereits erwähnten Einschränkungen für den Transport, haben wir auch im Design des Hauses einige Einschränkungen. Wer etwa ein Giebeldach oder eine andere Dachform möchte, müsste diese separat nachträglich ergänzen. Ausgefallenere organische Formen, Erker oder ähnliches sind ebenfalls schwerer möglich, und schränken auch die gewünschte Modularität wieder ein.

Wenn das Modul gehoben wird, ist die Stabilität in sich wichtig, damit es nicht auseinanderbricht. - Fotocredit: followyourwildheart.org/Elisabeth Demeter
Wenn das Modul gehoben wird, ist die Stabilität in sich wichtig, damit es nicht auseinanderbricht. – Fotocredit: followyourwildheart.org/Elisabeth Demeter

Zusätzlich ist auch beim Aufbau der Module die große Herausforderung, die einzelnen Teile millimetergenau so zusammen zu stellen und ausreichend abzudichten, damit keine Spalte oder Unebenheiten an Boden oder Wänden oder bei den Leitungen entstehen, die später zu Problemen führen könnten.

Zu beachten

Je nachdem, wer einem so ein Modulhaus verkauft, kann es sehr unterschiedlich sein, wie umfassend sich diese Firmen dann auch um weitere Dinge rund um den Hausbau kümmern. Normalerweise kümmert sich etwa der Baumeister um Dinge wie das Verlegen der Wasser- und Stromleitungen von der Grundstücksgrenze zum Haus, oder die Fundamente als Teil des Hauses. Bei Modulhäusern kann es hier schon mal zu Problemen oder zumindest zu einem planerischen Mehraufwand kommen, wenn der Anbieter des Modulhauses diese Dienste nicht auch übernimmt.

Alles, wo ein Hausbau von der Normalität abweicht, kann bei so einigen beim Bau beteiligten Organisationen für Verwirrung oder Irritation sorgen. Und auch als Bauherr/Baufrau kann es passieren, dass wir vor Probleme gestellt werden, an die wir gar nicht gedacht hatten.

Wenn das Modul selbst zu hoch ist, um auf einem normalen LKW transportiert zu werden, wird ein Tieflader benötigt. - Fotocredit: followyourwildheart.org/Elisabeth Demeter
Wenn das Modul selbst zu hoch ist, um auf einem normalen LKW transportiert zu werden, benötigen wir einen Tieflader. – Fotocredit: followyourwildheart.org/Elisabeth Demeter

Anbieter

Über die letzten zehn Jahre sind so einige Modulhaus-Anbieter wie Schwammerl aus dem Boden geschossen. Die meisten bieten entweder den Bau mit einem Container-Stahlrahmen, oder aber mit Vollholzplatten an. Diese Wahl ergibt sich vor allem daraus, dass der Rahmen der Module sich beim Transport nicht verzieht, und dadurch Schäden am Gebäude entstehen. Eine Liste einiger Anbieter aus Österreich ist in den weiterführenden Quellen angeführt.

Fazit

Da ich selbst vor kurzem ein Modulhaus gekauft und geliefert bekommen habe, durfte ich am eigenen Leib die beschriebenen Vor- und Nachteile erleben. Vor allem der Transport kann da oft so einiges an Aufregung und Stress verursachen. Aber wenn dann plötzlich innerhalb von einem Tag oder sogar nur ein paar Stunden von nichts ein ganzes Haus da steht, ist es auch ein ganz besonderes Erlebnis.

Ich bereue in jedem Fall meine Entscheidung nicht, habe aber auch viel für eine potentielle Erweiterung oder einen weiteren Bau gelernt.

Weiterführende Quellen

modulheim.de: Modulhaus: Preise, Anbieter Vergleich, Vor- & Nachteile
sondertransporte: Übersicht der Beschränkungen
wohnglueck.de: Modulhaus: Vorteile, Nachteile & Kosten eines Hauses in Modulbauweise
wohnwagon.at: Wohnwagon Modulhaus
vivihouse.cc
q-box.at
mc-cube.at
commod-house.com
modularis-novum.at