Peak Oil, das globale Ölfördermaximum, bezeichnet den Zeitpunkt, ab dem die weltweite Ölförderung zurückgeht und nicht mehr ausgeweitet werden kann. Es ist der gesellschaftliche Wendepunkt hin zum postfossilen Zeitalter. Der…

Peak Oil, das globale Ölfördermaximum, bezeichnet den Zeitpunkt, ab dem die weltweite Ölförderung zurückgeht und nicht mehr ausgeweitet werden kann. Es ist der gesellschaftliche Wendepunkt hin zum postfossilen Zeitalter.

Der Zeitpunkt des globalen Ölfördermaximums

Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben wir Peak Oil schon überschritten. Die meisten Schätzungen liegen zwischen 2005 und 2020. Viele kritische Hochrechnungen legen den Zeitpunkt noch vor 2013 fest. (1) Die Angaben über die noch förderbaren Reserven sind sehr unterschiedlich. Sie liegen zwischen einer und drei Billion Barrel. Geht man von der optimistischeren Schätzung aus und rechnet das Bevölkerungswachstum und die steigende Nachfrage mit ein, läge der Peak etwa um 2030. (1) Hinsichtlich der gesellschaftlichen und strukturellen Umbrüche, die geschehen müssen, wäre dies ein nicht wirklich langer Aufschub.

Aus vielerlei Gründen, seien es geologische, technische oder etwa politische, lässt sich Peak Oil nicht exakt berechnen. Es beginnt schon damit, dass es keine offizielle Definition von verschiedenen Ölen gibt und auch kein verbindliches Vorgehen bei der Zuordnung von Reserven und Ressourcen. Hinzu kommt, dass hinter  den Angaben über Reserven und Ressourcen oftmals politische und wirtschaftliche Interessen stecken und diese so nicht zuverlässig sind. Erste spürbare Indizien für den Peak werden in der starken Preissteigerung des Rohöls und in hohen Volatilitäten (Schwankungen in der zeitabhängigen Folge von Messergebnissen) gesehen.

Selbst die Internationale Energieagentur spricht plötzlich von Engpässen

Doch ein viel wichtigeres Zeichen für das Erreichen des Fördermaximums ist wohl die 180-Grad-Wendung der Internationalen Energieagentur (IEA) – Teilorganisation der OECD – und der Ölkonzerne in ihren Aussagen. Mittlerweile spricht auch der Chefökonom der IEA von baldigen dramatischen Engpässen und Verknappung. (1) 2010 gab die Agentur in ihrem Bericht an, dass der Peak beim konventionellen Erdöl (crude oil) von 70 Millionen Barrels am Tag von 2006 nicht mehr überschritten werden würde. (3) Und schon 2008 sprach sie von der Notwendigkeit einer Energierevolution (3), obwohl sie wenige Jahre zuvor immer betonte, dass man sich keine Sorgen machen müsse.

Der Gesinnungswandel trat wohl nach einer von der IEA organisierten Untersuchung an, bei der die 780 wichtigsten Ölfelder weltweit unter die Lupe genommen wurden. Die schockierenden Ergebnisse wurden 2008 vorgelegt: 580 der 780 Ölfelder befinden sich im Rückgang. 2007 kamen 80 Prozent des Rohöls aus ebendiesen sogenannten Decline-Feldern. Und das bei ständig steigender Tendenz der Rückgangs-Rate. (3)

Globaler und nationaler Peak

Während der globale Peak Oil nicht exakt festgelegt werden kann, sind manche nationalen Peaks bekannt. 64 der 98 erdölproduzierenden Länder haben ihr Fördermaximum bereits überschritten, darunter befinden sich 60 bereits in der Endphase des Rückgangs. (1) Besonders schnell kam es in Mexiko und beim Nordseeöl zur Überschreitung. Das Fördermaximum der gesamten Nordsee wurde bereits 2000 erreicht mit einem Abfall der Förderrate von 7-8 Prozent pro Jahr. (3) In der britischen Nordsee kam es 2011 zu einem Produktionseinbruch von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. (3). In Norwegen kam es 2001 zum Peak. (1)

Die USA waren einst der größte Erdölproduzent. 1970 kam der nationale Peak. Zwar halten sie sich dank neuster Technologien wie dem hydraulischen Fracking in Ölschiefern auf Platz 3 hinter Russland und Saudi Arabien, jedoch können die Fördermengen in den unkonventionellen Lagerstätten nicht lange konstant gehalten werden, so dass es sehr schnell zum Produktionseinbruch kommen kann. (3)

Neufunde, Reserven und unkonventionelle Quellen

Die Association fort he Study of Peak Oil and Gas (ASPO) ist davon überzeugt, dass Peak Oil bereits 2005 erreicht war. (3) Zunächst konnte zwar die Produktion aus unkonventionellen Quellen (Tiefsee, Teersand, Ölschiefer) gesteigert werden, jedoch kann der Wegfall des konventionellen Öls dadurch langfristig nicht ausgeglichen werden. Auch wenn es vereinzelt Neufunde von Öllagerstätten gibt, so kann der wachsende Bedarf damit nicht gedeckt werden. In den nächsten 20 Jahren müsste etwa siebenmal die Menge, die in Saudi Arabien zur Verfügung steht, gefunden werden.  Dies ist geologisch unmöglich. Es wird vermutet, dass 2030 nur noch die Hälfte von der heutigen Produktionsmenge zur Verfügung steht. (3)

Etwa zwei Drittel der weltweiten Ölreserven befinden sind im Nahem Osten. (3) Es gibt allerdings Zweifel an den OPEC-Reserveangaben. Man nimmt an, dass Saudi Arabien die Zahlen nach oben „korrigiert“. Das weltweit größte Ölfeld Ghawar in Saudi Arabien befindet sich bereits im Rückgang. Experten gehen davon aus, dass mit Saudi Arabiens nationalem Peak der globale Peak eingeläutet wird. (3)

Folgen und verstärkende Faktoren

Die Nachfrage nach Erdöl wird steigen, allein schon durch das steigende Bevölkerungswachstum. Von 2000 bis 2050 wird die Weltbevölkerung mit 9,3 Milliarden Menschen um 50 Prozent zugenommen haben. Stellt man dies in Relation zum Erdölverbrauch, so war das Maximum des Ölverbrauchs pro Kopf schon 1980 erreicht. (1) Auch die zunehmende Motorisierung, besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern , steigert die Nachfrage.

In Österreich ist eine 55-Liter-Tankfüllung Eurosuper um 23,15 Euro teurer als noch 2009. (2) Und die Preise werden weiter steigen. Die westlichen Industriestaaten sind zunehmend von den OPEC-Ländern und den Nachfolgestaaten der UdSSR abhängig. Die Programme zur Biotreibstoffproduktion treiben die Lebensmittelpreise nach oben. Mit den steigenden Ölpreisen drohen Inflation, sinkende Kaufkraft der Bürger, Rezession, Kreditkrisen, Firmenaufgaben und Arbeitslosigkeit. (1) Und nicht nur der Erdgaspreis ist an den Ölpreis gekoppelt, sondern auch der Kohlepreis und letztendlich der Strompreises. (4)

Quellen:

(1) http://www.vorarlberg.at/pdf/peakoilstudie.pdf

(2) http://www.peak-oil.com/tag/osterreich/

(3) http://aspo-deutschland.blogspot.de/p/aspo-deutschland-ev.html

(4) http://www.oegut.at/de/themen/energie/peak-forschung.php

Bildnachweis: ©  Erich Westendarp / Pixelio.de

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