Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der ein oder andere Ägypter beim Bau der Sphinx in ein Baumwollhemd schwitzte, denn vor 5.000 Jahren trugen die Menschen bereits die vielseitige Naturfaser. Heute…

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der ein oder andere Ägypter beim Bau der Sphinx in ein Baumwollhemd schwitzte, denn vor 5.000 Jahren trugen die Menschen bereits die vielseitige Naturfaser. Heute wird Baumwolle in 80 Ländern der Welt angebaut und macht etwa die Hälfte der Textilfaserproduktion aus. Würde man die jährlich 25 Millionen Tonnen nur für T-Shirts verwenden, käme man laut Umweltinstitut München auf 60 Milliarden Stück. Die Natur produziert diese Menge nicht von sich aus. Künstliche Bewässerung und der Einsatz von Pestiziden und synthetischen Düngern treibt sie zu Höchstleistungen. Dies bleibt allerdings nicht ohne Nebenwirkungen.

Der Baumwollanbau braucht so viel Wasser wie alle Haushalte dieser Erde zusammen

Baumwollpflanzen brauchen viel Wasser. Bei der Oberflächenbewässerung der Baumwollfelder werden laut Münchner Umweltinstitut sechs Prozent des globalen Süßwasserverbrauchs aufgewendet. Jährlich sind das 300 Billionen Liter und damit das Vierfache des Grundbedarfs aller Menschen. Die Verbraucher Initiative vermutet, dass man diese Menge mit dem Wasserverbrauch aller privater Haushalte der Erde gleichsetzen könne. Effektiver wäre die Tröpfchenbewässerung, doch die entsprechenden technischen Anlagen können sich weltweit nur die wenigsten Baumwollproduzenten leisten.

Wo der Baumwollanbau ist, sind sinkender Grundwasserspiegel, Bodenversalzung, Erosion und Versteppung nicht fern. Das wohl berühmteste Beispiel liefert der Aralsee. Das ehemals viertgrößte Binnengewässer der Welt ist wegen der umliegenden  Baumwollfelder auf ein Drittel seiner Größe geschrumpft. Die Anwohner haben nicht nur mit der Trinkwasserknappheit zu kämpfen, sondern auch mit gehäuften Fällen von Atemwegs- und Krebserkrankungen, die laut Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) mit dem pestizidverseuchtem Staub der Umgebung in Verbindung gebracht werden.

Jährlich 40.000 Tote in der Baumwollproduktion

Der Rote Baumwollkapselwurm ist unter anderem ein Grund dafür, dass die in Monokulturen angebaute Baumwolle mit Pestiziden überschüttet wird, und zwar mit 11 Prozent der weltweit verwendeten Pflanzenschutzmittel. Und da der Baumwollkapselwurm eine Menge Kollegen hat, sind es unter den Insektiziden sogar 25 Prozent der weltweit eingesetzten Menge, die auf Baumwollfeldern landen. Hinzu kommen Düngemittel, Wuchsstoffe und Entlaubungsmittel wie das im Vietnam Krieg eingesetzte Agent Orange.

Die World Health Organisation (WHO) schätzt, dass es im Baumwollanbau jährlich bis zu zwei Millionen Vergiftungen bei Menschen kommt. 40.000 davon enden tödlich. Für 10.000 Tote sind allein Pestizide verantwortlich.  Selbst in Ländern mit hoher technischer Ausrüstung und Sicherheitsstandards kommt es zu Vergiftungen. Laut Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) sind es allein im Bundesstaat Kalifornien jährlich 1.000 Fälle.

Der Gifteintrag in Boden, Luft und Gewässer führt dazu, dass auch Nützlinge vernichtet werden und es zu Missbildungen und Verschiebungen der Artenzusammensetzung kommt. Nicht zuletzt gelangen die Gifte am Ende wieder in Futter- und Lebensmittel und somit auf unseren Tellern. Das Leben ist nunmal ein Kreislauf.

Gentechnik auf dem Baumwollfeld

Pestizide kosten Geld. Um dieses zu sparen, vertrauen manche Bauern auf die Gentechnik. 40 Prozent der weltweiten Baumwolle werden so produziert. Pflanzen, die sich selbst mit einem Gift gegen Schädlinge wehren können, werden im Labor herangemixt. Nur dumm, dass sie dreimal so viel Wasser brauchen wie ihre natürlichen Kollegen. Zudem wirkt ihr Gift nur gegen bestimmte Schädlinge. Gegen Pilzbefall sind die Frankentstein-Pflänzchen anfälliger. So müssen doch wieder Pestizide zum Einsatz kommen. Auch gegen Schädlinge, die gegen das Gift der Gen-Baumwolle resistent werden, müssen weiterhin Pflanzenschutzmittel gespritzt werden.

Laut einer Studie der Universität Georgia haben die Bauern durch Gentechnik-Baumwolle somit keinerlei ökonomische Vorteile. Auch die New Yorker Cornell Universität hat nachgeforscht und zahlreiche neue Schädlinge entdeckt, die sich im Gen-Feld wohlfühlen. Die Probleme rund um die Baumwolle sind also nicht wirklich gelöst. Vielmehr geht man das Risiko ein, dass durch Genpflanzen zusätzlich noch nicht absehbare Folgen entstehen könnten.

Verzweiflung in der Baumwollproduktion

Gen-Pflanzen kann man in freier Natur nicht nachzüchten. Die Bauern müssen ihr Saatgut jedes Jahr aufs Neue kaufen und geraten in Abhängigkeit von den Konzernen und nicht selten in die Verschuldung – genauso durch Pestizide, die auf Kredit gekauft werden müssen. PAN berichtet von indischen Landwirten, die aus lauter Verzweiflung die Pestizide tranken, weil sie Schuldenfalle und Verarmung nicht mehr entkamen.

Die Bedingungen in der Baumwollproduktion für die Arbeiter sind laut Verbraucher Initiative e.V. mehr als hart: Feldarbeiter leiden oft an Erkrankungen der Atemwege, der Augen und des Nervensystems. Das Krebsrisiko ist erhöht, ebenso die Wahrscheinlichkeit unfruchtbar zu werden oder missgebildete Babys auf die Welt zu bringen. Frauen und Mädchen arbeiten oft unbezahlt. Arbeiter auf Baumwollplantagen haben eine Lebenserwartung von gerade mal 40 Jahren.

Bio-Baumwolle ist die bessere Wahl

Im ökologischen Baumwollanbau versucht man die Probleme des konventionellen Anbaus zu umgehen:  Man verzichtet auf chemisch-synthetische Pestizide, auf Entlaubungsmittel, chemischen Dünger und Gentechnik. Die Gefahr der Vergiftung ist nicht mehr gegeben. Man plant Fruchtfolgen vorausschauend und rückt Schädlingen mechanisch auf den Pelz. Der Baumwollkapselwurm muss zwar sein Köfferchen packen, kann aber aufatmen.

Siegel wie das internationale GOTS-Label achten zudem noch auf soziale Mindeststandards. Kinder- und Zwangsarbeit werden ausgeschlossen, ein Mindestlohn ist garantiert. Mit dem Kauf von Bio-Baumwolle erwirbt man mehr als ein qualitativ hochwertiges Textil. Man kauft ein Stück Gesundheit und Natur. Das freut nicht nur den Baumwollkapselwurm.

Bild: CC0 1.0/pixabay.com

2 Kommentare

  1. Hab mich vor Jahren schon mit dem Thema befasst; alle waren der Meinung, dass man aus Zentralafrika keine handgepflückte Baumwolle vertreiben könne, weil die US Regierung die US heimische Produktion mit Milliarden Dollars stütze. Wenn das am Markt durch Bewußtseinsbildung nun aufgebrochen werden könne, dann ist das „super“. Noch mehr „super“ wäre es, wenn die Kleidungstsücke auch entsprechende Webqualität haben würden: Wenn Webstühle laufend überwacht würden (Kette /Schuss immer gkeiches Zugverhältnis), dann würde es beim späteren Waschen nicht zu diese fürchterlichen „Verziehungen“ kommen, die kam mehr reparierbar sind. eigenartigerweise lassen sich US Bürger derartig gefertigte Textilien nicht mehr gefallen; es gibt sich schlicht am Markt nicht. Hier sind selbst Markenwaren betroffen….
    mfG
    F Richter

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