Windkraft kehrt zurück auf die Weltmeere. Die Tirranna, ein Autotransporter von Wallenius Wilhelmsen, fährt seit diesem Sommer mit einem 46 Meter hohen, starren Flügelsegel.

Die internationale Schifffahrt sucht nach neuen Wegen, um Emissionen zu senken – und ein Frachtschiff zeigt nun, wie altbekannte Energiequellen in moderner Form zurückkehren können. Die Tirranna, ein 230 Meter langer Autotransporter des norwegisch‑schwedischen Logistikunternehmens Wallenius Wilhelmsen, fährt seit Sommer 2026 mit einem riesigen, starren Flügelsegel. Das System soll den Treibstoffverbrauch senken und die CO₂‑Emissionen reduziere. Ein Schritt, der in der Branche als Meilenstein gilt.

Ein Segel, das eher an ein Flugzeug erinnert

Das installierte Segel trägt den Namen Wing560 und stammt vom schwedischen Technologieanbieter Oceanbird. Mit 46 Metern Höhe und 14 Metern Breite wirkt es eher wie ein Flugzeugflügel als wie ein klassisches Segel. Es ist starr, kann hydraulisch geneigt werden und wurde speziell für große Frachtschiffe entwickelt, die bei jeder Wetterlage zuverlässig manövrieren müssen.

Die Installation erfolgte zwischen 21. und 24. Juni 2026 in der Damen‑Werft Rotterdam, gefolgt von Hafen‑ und Seetests, die am 1. Juli erfolgreich abgeschlossen wurden. Damit ist das System offiziell bereit für den kommerziellen Betrieb.

Ziel: Treibstoff sparen und Emissionen senken

Windunterstützte Antriebe gelten als vielversprechende Ergänzung zu bestehenden Effizienzmaßnahmen. Das Flügelsegel soll die Tirranna bei günstigen Windverhältnissen spürbar entlasten: weniger Motorkraft, geringerer Treibstoffverbrauch, niedrigere Emissionen.

Wallenius Wilhelmsen betont, dass es sich um einen vollwertigen Praxistest handelt. Das Unternehmen will herausfinden, wie sich das Segel im realen Betrieb verhält – bei langen Atlantikpassagen, wechselnden Windrichtungen und unterschiedlichen Beladungszuständen. Die Tirranna fährt nun reguläre Routen, während ein Expertenteam Daten sammelt und die Leistung des Segels überwacht.

Teil eines größeren europäischen Projekts

Die Installation ist ein zentraler Baustein des EU‑geförderten Orcelle Horizon‑Projekts, an dem elf Partner beteiligt sind, darunter Wallenius Marine, Oceanbird, die KTH Stockholm, RISE Research Institutes of Sweden, Ghent University, StormGeo, Volvo Cars und DNV.

Das Projekt soll zeigen, wie Windantriebe in der kommerziellen Schifffahrt funktionieren, welche Einsparungen realistisch sind und welche Standards künftig notwendig werden. Die Tirranna dient dabei als Demonstrator für die gesamte Branche.

Warum das Segel ein wichtiger Schritt ist

Die Schifffahrt verursacht rund drei Prozent der globalen CO₂‑Emissionen, Tendenz steigend. Windantriebe könnten helfen, diesen Fußabdruck zu verkleinern. Moderne Flügelsegel sind robust, wartungsarm und können auch auf bestehenden Schiffen nachgerüstet werden.

Die Tirranna zeigt, dass die Technologie nicht nur theoretisch funktioniert, sondern auch im Alltag eines großen Frachtschiffs eingesetzt werden kann. Die kommenden Monate werden zeigen, wie viel Treibstoff tatsächlich eingespart wird und wie gut sich das System in die Betriebsabläufe integrieren lässt.

Ein Blick in die Zukunft der grünen Schifffahrt

Mit dem Wing560‑Segel beginnt für die Tirranna eine neue Phase und möglicherweise auch für die gesamte Branche. Wenn die Tests erfolgreich sind, könnten weitere Schiffe folgen. Oceanbird arbeitet bereits an größeren Segeln für voll windbetriebene Frachter, und Wallenius Wilhelmsen prüft zusätzliche Anwendungen für seine Flotte.

Die Vision: Frachtschiffe, die dank Windkraft deutlich weniger fossile Energie benötigen und damit einen spürbaren Beitrag zur Dekarbonisierung leisten.


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Bild: Wallenius Wilhelmsen