Die vatikanische Agrovoltaik‑Anlage auf dem Sendegelände von Radio Vatikan nördlich von Rom kann ihre Arbeit aufnehmen. Ein Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und Italien, das im Sommer 2025 unterzeichnet wurde, ist nun in Kraft getreten – damit sind die rechtlichen Voraussetzungen für eines der ambitioniertesten Energieprojekte des Vatikan geschaffen.
Die Anlage in Santa Maria di Galeria, unweit des Braccianer Sees, soll langfristig den gesamten Energiebedarf des Vatikanstaats decken. Es ist ein Projekt, das sowohl symbolisch als auch praktisch weit über die Grenzen des Kirchenstaats hinausweist.

Agrovoltaik: Energie und Landwirtschaft auf derselben Fläche
Die neue Anlage setzt auf Agrovoltaik, also die Kombination von Photovoltaik und Landwirtschaft. Unter den erhöht montierten Solarmodulen können weiterhin Gemüse, Getreide und andere Kulturen angebaut werden. Die Fläche bleibt landwirtschaftlich nutzbar, während darüber erneuerbare Energie erzeugt wird – ein klassisches Agri‑PV‑Modell.
Im ersten Ausbauschritt soll die Anlage die Sendeeinrichtungen von Radio Vatikan mit Strom versorgen. In weiterer Folge ist geplant, den gesamten Vatikanstaat zuverlässig mit erneuerbarer Energie zu beliefern.
Ein Projekt mit päpstlicher Vorgeschichte
Das Vorhaben geht auf ein Motu Proprio von Papst Franziskus aus dem Juni 2024 zurück. Darin forderte er eine konsequente Umsetzung der Ziele seiner Umwelt‑ und Sozialenzyklika Laudato si’ (2015), in der der Ausbau erneuerbarer Energien eine zentrale Rolle spielt.
Sein Nachfolger Papst Leo XIV. führt diesen Kurs fort. Im Juni 2026 besuchte er das Gelände in Santa Maria di Galeria persönlich, um sich über den Fortschritt der Bauarbeiten zu informieren. Der Besuch gilt als starkes Signal für die ökologische Ausrichtung seines Pontifikats.
Ein Gelände mit Geschichte – und Zukunft
Das Areal ist rund zehnmal so groß wie der Vatikanstaat selbst. Seit 1951 gehört es als exterritoriales Gebiet zum Heiligen Stuhl und beherbergt seit 1957 die Sendeanlagen von Radio Vatikan.
Heute wird das Gelände zu einem Symbol für die ökologische Transformation des Kirchenstaats: Ein Ort, der einst Radiowellen in die Welt sendete, soll künftig saubere Energie liefern.
Zuständig für Planung und Umsetzung sind die Güterverwaltung APSA und das Governatorat der Vatikanstadt. Beide Institutionen treiben das Projekt gemeinsam voran und sehen darin einen langfristigen Beitrag zur Klimastrategie des Vatikan.
Ein kleiner Staat mit großer Wirkung
Mit der Agrovoltaik‑Anlage in Santa Maria di Galeria setzt der Vatikan ein starkes Zeichen für Klimaschutz und nachhaltige Energiegewinnung. Das Projekt verbindet Tradition und Innovation und zeigt, wie selbst historische Institutionen aktiv zur Energiewende beitragen können.
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Bild: Vatican Media