Die Wiener Schokoladen‑Manufaktur Xocolat nutzt an ihrem Standort im Gewerbehof Seestadt künftig Fernkälte von Wien Energie. Der Energiedienstleister hat die Kälteleistung vor Ort heuer auf 360 Kilowatt verdoppelt und damit zusätzliche Kapazitäten für die Betriebe geschaffen. Außerdem wird die Abwärme der Kälteproduktion ebenfalls im Gewerbehof genutzt, denn die Bedürfnisse der Betriebe sind unterschiedlich. Die Erweiterung entspricht der Leistung von mehr als 100 konventionellen Split‑Klimaanlagen.
Pralinenproduktion braucht präzise Temperaturführung
Xocolat stellt in der Seestadt mehr als 65 Sorten Pralinen und 150 Sorten Schokoladen her. Für die Verarbeitung sind unterschiedliche Temperaturniveaus entscheidend: Temperier‑, Schmelz‑ und Überziehmaschinen erwärmen die Masse, Kühlbänder und Kühltunnel sorgen für die kontrollierte Abkühlung, die Konsistenz und Glanz der Schokolade beeinflusst. 15 Mitarbeiter*innen erzeugen jährlich rund 50 Tonnen Schokoladenprodukte, vollständig in Handarbeit.
Neben der Produktion befindet sich ein gekühlter Lagerraum mit über 400 Zutaten wie Nüsse, Gewürze und Früchte. Die Verfügbarkeit von Fernkälte war ein wesentliches Kriterium für die Standortwahl.
Fernkälte statt Einzelanlagen: Effizienter und klimafreundlicher
Die Kältezentrale im Keller des Gewerbehofs wurde 2023 in Betrieb genommen und versorgt die Betriebe zentral. 2026 wurde die Leistung von 180 auf 360 Kilowatt erhöht. Der Vorteil: Statt vieler einzelner Klimageräte übernimmt eine gemeinsame Anlage die Kühlung – effizienter, leiser und ohne lokale Wärmeabgabe an die Umgebung.
Konventionelle Klimaanlagen geben die entzogene Wärme direkt an die Außenluft ab und heizen die Umgebung zusätzlich auf. Bei Fernkälte wird die Wärme über Leitungen zur Kältezentrale transportiert und dort weiterverarbeitet.
Abwärme wird weitergenutzt – im Haus oder im Fernwärmenetz
Die Abwärme der Kälteproduktion wird im Gewerbehof direkt genutzt, da manche Betriebe gleichzeitig Wärme benötigen. Im Sommer, wenn kaum Heizbedarf besteht, speist Wien Energie die Abwärme ins Fernwärmenetz ein. Dafür ist die Kältezentrale über eine Leitung mit einer Gebietsumformerstation verbunden.
Der Standort ist nicht an das Fernkälte‑Verbundnetz der Innenbezirke angeschlossen, sondern wird dezentral betrieben.
Fernkälte-Ausbau in Wien
Wien Energie betreibt derzeit acht große Fernkältezentralen mit Netzanschluss sowie mehrere dezentrale Anlagen. Da der Kühlbedarf in Wien jährlich steigt, investiert das Unternehmen über fünf Jahre rund 100 Millionen Euro in den Ausbau. Die Gesamtleistung soll bis 2030 von aktuell 250 auf 370 Megawatt wachsen.
Fernkälte bietet neben Effizienz weitere Vorteile:
- keine Rückkühler an Fassaden oder Dächern
- keine lokale Wärmeabgabe
- Betrieb ausschließlich mit Ökostrom und Abwärme
- geringerer Wartungsaufwand für Kund*innen
- keine Konflikte mit Denkmalschutz
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Bild: xocolat.at