Die Koralmbahn zeigt Wirkung und das schneller als erwartet. Seit ihrer Inbetriebnahme ist auf der A2 Südautobahn ein klarer Trend sichtbar: Weniger Autos, mehr Bahnfahrten.

Die Inbetriebnahme der Koralmbahn hat im ersten Halbjahr 2026 zu einem signifikant stärkeren Rückgang des Autoverkehrs auf der A2 Südautobahn geführt als im übrigen österreichischen Autobahn- und Schnellstraßennetz. Belegt wird das durch eine Analyse des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) auf Basis von Daten der Asfinag.

Koralmbahn führt zu deutlichem Rückgang des Autoverkehrs

Im Korridor der Koralmbahn sank der Autoverkehr im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 4,6 Prozent. Außerhalb dieses Abschnitts ging die Zahl der Pkw auf Österreichs Straßen durchschnittlich lediglich um 0,6 Prozent zurück. Im steirischen Teil des Koralmbahn-Korridors betrug der Rückgang 3,6 Prozent, im Kärntner Abschnitt sogar 6,3 Prozent. Damit war die Abnahme in der Steiermark sechsmal und in Kärnten zehnmal so stark wie im übrigen Autobahnnetz. Nach Einschätzung des VCÖ hat die Koralmbahn damit zu einer deutlichen Verlagerung von Autofahrten auf die Bahn beigetragen. Bereits nach dem Ausbau und der Beschleunigung der Westbahnstrecke im Jahr 2012 war ein ähnlicher Effekt beobachtet worden. Zusätzlich wirkten die infolge des Irankriegs gestiegenen Spritpreise allgemein dämpfend auf den Autoverkehr.

Österreichweite Zunahme des Schwerverkehrs

Österreichweit wurden im ersten Halbjahr an 61 Prozent der Pkw-Zählstellen weniger Fahrzeuge registriert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Von insgesamt 238 Zählstellen für Fahrzeuge mit einem Gewicht von weniger als 3,5 Tonnen verzeichneten 145 einen Rückgang, während an 93 Zählstellen eine Zunahme festgestellt wurde. Anders entwickelte sich der Schwerverkehr. An 241 von insgesamt 299 Zählstellen nahm der Lkw-Verkehr zu, lediglich an 58 Messstellen wurden Rückgänge verzeichnet. Damit stieg der Schwerverkehr an rund 81 Prozent der erfassten Zählstellen.

Großes Potenzial im Pendelverkehr

Der VCÖ sieht ein weiteres Potenzial, den Autoverkehr insbesondere im Pendelverkehr zu reduzieren. Unternehmen könnten durch ein umfassendes betriebliches Mobilitätsmanagement dazu beitragen, Staus zu verringern und die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel zu fördern. Zu den angedachten Maßnahmen zählen steuerbegünstigte Öffi-Jobtickets und Jobräder, Werksbusse in Zusammenarbeit mit Verkehrsunternehmen sowie digitale Plattformen und Apps zur Bildung von Fahrgemeinschaften. Auch Gutscheinmodelle, Informationskampagnen, flexible Arbeitszeiten und mehr Möglichkeiten für Homeoffice könnten dazu beitragen, die Verkehrsspitzen im Berufsverkehr zu entzerren. Aktuell wird das vorhandene Potenzial zur effizienteren Nutzung von Pkw in Österreich nur zum Teil ausgeschöpft. Nach Angaben des Umweltbundesamts liegt der durchschnittliche Besetzungsgrad eines Autos bei 1,14 Personen. Für den Transport von 100 Menschen sind damit im Durchschnitt 88 Pkw erforderlich.

Auch Tourismusregionen können beitragen

Auch bei Ausflugszielen und in Tourismusregionen sieht der VCÖ Möglichkeiten, den öffentlichen Verkehr stärker einzubinden. Eine bessere Information über die öffentliche Erreichbarkeit sowie vergünstigte Eintrittspreise, Gutscheine oder andere Vorteile könnten Anreize für eine autofreie Anreise schaffen. Voraussetzung dafür ist ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsangebot. Bestehende Lücken müssten geschlossen werden. Gemeinden und Städte könnten zudem durch die Stärkung ihrer Ortskerne und eine Begrenzung der Zersiedelung dazu beitragen, dass mehr Menschen Haltestellen und andere öffentliche Verkehrsmittel zu Fuß erreichen.

Die meistbefahrenen Abschnitte Österreichs

Der meistbefahrene Autobahnabschnitt Österreichs war im ersten Halbjahr 2026 die Wiener Südosttangente A23 bei der Zählstelle Baumgasse. Dort wurden insgesamt rund 34,6 Millionen Fahrzeuge registriert, davon 95 Prozent Pkw. Die höchste Zahl an Lkw wurde auf der A1 Westautobahn zwischen Haid und Traun gemessen. In diesem Abschnitt wurden rund 2,58 Millionen Lastkraftwagen gezählt.

Die Koralmbahn wirkt und sie könnte noch mehr bewirken

Die Zahlen zeigen klar: Die Koralmbahn hat bereits im ersten Halbjahr 2026 zu einer spürbaren Entlastung der Südautobahn geführt. Die Verlagerung auf die Bahn ist deutlich messbar und könnte durch gezielte Maßnahmen im Pendel‑ und Freizeitverkehr weiter verstärkt werden.

Die Kombination aus moderner Bahninfrastruktur, steigenden Spritpreisen und intelligentem Mobilitätsmanagement eröffnet die Chance, Verkehr zu reduzieren, Emissionen zu senken und die Lebensqualität entlang der Verkehrsachsen zu verbessern.


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Bild: ÖBB / Harald Eisenberger
Grafik: VCÖ