Auf fast 2.800 Metern Höhe zeigt die Neue Prager Hütte, wie moderner Umweltschutz mit Solarlüftung und Trockentoiletten aussehen kann.

Auf 2.796 Metern Höhe demonstriert die Neue Prager Hütte im Nationalpark Hohe Tauern, wie sich alpine Schutzhütten an die Folgen des Klimawandels anpassen können. Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat dort 2025 ein zweigeschossiges Sanitärgebäude mit wassersparenden Trockentoiletten errichtet. Solarthermische Luftkollektoren sorgen zugleich für die Lüftung und Temperierung der Räume.

Wasserknappheit als zentrale Herausforderung

Die Maßnahme reagiert auf die zunehmende Wasserknappheit in den Alpen. Schneearme Winter, steigende Temperaturen und längere Trockenperioden erschweren die Versorgung vieler Berghütten drastisch. Auf der Prager Hütte führte die angespannte Wassersituation in der Vergangenheit bereits zu Einschränkungen des Hüttenbetriebs, doch mit der Umstellung auf wasserlose Toilettensysteme soll der Verbrauch in Zukunft deutlich sinken. 

Verschiedene Systeme für Sommer und Winter

Das neue Sanitärgebäude umfasst unterschiedliche Trockentoilettensysteme. Im Sommerbetrieb kommen unter anderem Trockentrenntoiletten und wasserlose Urinale zum Einsatz. Dabei werden flüssige und feste Ausscheidungen bereits in der Toilettenschüssel getrennt. Für die Nutzung während der nicht bewirtschafteten Wintermonate steht außerdem ein Bereich mit Komposttoiletten zur Verfügung. Das Gebäude wurde 2025 fertiggestellt und die vollständige Umstellung der Toilettenanlagen ist für die Sommersaison 2026 vorgesehen.

Solarthermische Luftkollektoren: Lüftung ohne Strom

Eine zentrale Rolle übernimmt die solar betriebene Lüftung. Solarthermie-Luftkollektoren erwärmen Außenluft, die anschließend in das Sanitärgebäude geleitet wird. Dadurch entsteht ein kontinuierlicher Luftaustausch, der die Räume ganzjährig temperiert und entfeuchtet. Das sollte auch in den Wintermonaten funktionieren, wenn die Hütte nicht bewirtschaftet wird. Darüber hinaus unterstützt die Sonnenwärme die biologischen Abbauprozesse in den Trockentoiletten. Die Wärme soll weiters ein angenehmeres Raumklima schaffen, feuchte und muffige Gerüche, wie sie in schlecht belüfteten Sanitärbereichen auftreten können, werden durch den ständigen Luftstrom reduziert. Die Luftkollektoren arbeiten dabei praktisch wartungsfrei und können unabhängig von einer konventionellen Heizungsanlage eingesetzt werden. Das auf der Prager Hütte verwendete System kommt ansonsten auch in Wohn- und Ferienhäusern sowie in feuchten Kellerräumen zum Einsatz.

Ein Modell für andere hochalpine Hütten

Mit dem Projekt erprobt der DAV Lösungen, die künftig auch für andere hochalpine Hütten anwendbar sein könnten. Trockentoiletten reduzieren nicht nur den Trink- und Brauchwasserverbrauch, sondern verringern zugleich die anfallende Abwasser- und Abfallmenge. Die Prager Hütte wird damit zu einem probaten Beispiel dafür, wie technische Innovation in Zukunft den Hüttenbetrieb trotz schwieriger werdender klimatischer Bedingungen sichern können.


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Bild: Grammar Solar, DAV/Jens Klatt, Neue Prager Hütte