PV-Anlagen liefern im Sommer oft Überschuss, während in Österreich rund 360.000 Menschen von Energiearmut betroffen sind. Die Lösung: Strom spenden!

Strom spenden über Photovoltaik-Anlagen und ökosoziale Energiegemeinschaften ist in Österreich bereits Realität. Doch bisher verpufft ein Teil der Hilfe ungenutzt im Netz. Das neue Forschungsprojekt „Energiespenden 2.0“ arbeitet an cleveren Lösungen, damit gespendeter Strom zu fast 100 Prozent dort ankommt, wo er am dringendsten gebraucht wird.

Energiearmut betrifft in Österreich schätzungsweise rund 360.000 Menschen. Während viele Haushalte mit PV-Anlagen im Sommer mehr Strom produzieren, als sie verbrauchen, haben andere Mühe, ihre Stromrechnung zu bezahlen.

Die Idee hinter dem Prinzip „Energiespenden“ ist einfach: Wer überschüssigen Solarstrom produziert, kann diesen über Initiativen wie Robin Powerhood oder den Marktplatz OurPower an von Energiearmut bedrohte Menschen weitergeben. Seit dem Start der ersten Initiativen im Jahr 2023 wurden in Österreich bereits rund 750 Megawattstunden Strom im Wert von über 100.000 Euro gespendet.

Das 15-Minuten-Problem: Warum Gespendetes nicht immer ankommt

So gut die Idee klingt, so komplex ist die Abrechnung in der Praxis. Derzeit scheitert eine vollkommen effiziente Nutzung an der zeitlichen Abstimmung:

  • Stromspende und Verbrauch werden im 15-Minuten-Takt abgeglichen.
  • Scheint am Mittag die Sonne und es wird viel Strom gespendet, die begünstigten Haushalte verbrauchen in diesen 15 Minuten aber kaum Energie, verfällt die Spende für den Haushalt.
  • Wird wiederum abends Strom zum Kochen oder Waschen benötigt, steht oft nicht genügend Spendenstrom bereit – der Rest muss teuer vom regulären Energieversorger zugekauft werden.

Aktuell liegt der Verwertungsgrad von Energiespenden deshalb bei nur etwa 55 Prozent.

Die Lösung: Forschungsinitiative „Energiespenden 2.0“

Um dieses Problem zu lösen, haben sich die Forschungseinrichtung Salzburg Research, das Clean-Tech-Unternehmen enixi, der Marktplatz OurPower und die ökosoziale Energiegemeinschaft Robin Powerhood zusammengetan. Im Projekt „Energiespenden 2.0“ entwickeln sie bis 2028 technische, soziale und wirtschaftliche Stellschrauben:

  1. Aus 55 % mach 100 %: Durch intelligente Datenanalysen und gebündelte Verwertung soll die Nutzungseffizienz gespendeter Energie auf nahezu 100 Prozent gesteigert werden.
  2. Vollversorgung statt Teillösung: OurPower arbeitet an einem System, das Stromspenden direkt mit einer regulären Vollversorgung verknüpft. Fällt einmal kein Spendenstrom an, wird der Haushalt nahtlos und günstig mit Reststrom versorgt.
  3. Einfacher Zugang: Automatisierte Abläufe, einheitliche Schnittstellen und unbürokratische Anmeldeverfahren sollen Barrieren für Betroffene wie auch für Spender:innen abbauen.
  4. Skalierung für Zehntausende: Das Modell wird so konzipiert, dass auch Städte, Gemeinden und soziale Einrichtungen künftig unkompliziert teilnehmen können, um das Angebot auf zehntausende Haushalte auszuweiten.

Starker Rückenwind für eine gerechte Energiewende

Das Vorhaben zeigt, dass die Energiewende nicht nur eine technische, sondern auch eine soziale Aufgabe ist. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) sowie dem Klima- und Energiefonds, abgewickelt über die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).


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