Der autonome E‑Lkw pendelt zwischen dem Lidl‑Warenverteilzentrum und der nahegelegenen Filiale in Edermünde. Die Strecke ist rund 400–500 Meter lang, der Lkw fährt sie bis zu dreimal täglich und übernimmt die komplette Belieferung mit Trockensortiment . Das Solofahrzeug bietet Platz für 15 Europaletten und soll im viermonatigen Projektzeitraum über 3.000 Paletten transportieren .
Autonom – aber streng überwacht
Der Lkw fährt ohne Fahrer an Bord, wird jedoch von einem Sicherheitsfahrzeug begleitet, wie es das KBA für den Pilotbetrieb vorschreibt. Ein „Local Operator“ übernimmt Be‑ und Entladung, eine technische Aufsicht kann das Fahrzeug aus der Ferne stoppen. Damit unterscheidet sich das Projekt klar von bisherigen autonomen Tests: Erstmals fährt ein kabinenloser Lkw im regulären Handelsbetrieb auf einer öffentlichen Straße in Deutschland.
Warum Lidl autonom fährt
Lidl sieht im Projekt einen wichtigen Schritt, um Logistikprozesse resilienter zu machen. „Intelligenz schafft Effizienz und das ist das Rückgrat für eine dauerhaft verlässliche Warenverfügbarkeit“, sagt Thomas Dangelmayer, Leiter der operativen Logistik bei Lidl Deutschland.
Autonome Fahrzeuge können:
- den Fachkräftemangel im Straßengüterverkehr abfedern (in Deutschland fehlen 80.000–120.000 Fahrer)
- hochgetaktete Lieferketten stabilisieren
- standardisierte Routen zuverlässig übernehmen
- Emissionen reduzieren, da der Lkw vollelektrisch fährt
Ein globaler Meilenstein für autonome Logistik
Einride bezeichnet die Genehmigung als „globalen Benchmark“, weil Deutschland besonders strenge Sicherheitsanforderungen hat. Die Zulassung zeigt, dass autonome Logistik nicht mehr nur Pilotcharakter hat, sondern im Realbetrieb funktioniert.
Nach erfolgreicher Validierung soll die Route zu einem Milkrun‑Modell mit mehreren Stopps erweitert werden – und weitere Standorte der Schwarz Gruppe könnten folgen.
Was das Projekt für die Zukunft bedeutet
Expert*innen sehen in Edermünde einen Vorgeschmack auf die kommenden Jahre: Autonome Lkw könnten auf Hub‑to‑Hub‑Routen schon bald zum Standard werden – also zwischen Logistikzentren und Verteilpunkten, wo die Bedingungen kontrollierbar sind und die Effizienzgewinne besonders groß ausfallen.
Für den Handel bedeutet das:
- zuverlässigere Lieferketten
- geringere Betriebskosten
- weniger Abhängigkeit vom Fahrermangel
- mehr Nachhaltigkeit durch elektrische Antriebe
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Bild: Einride