Ein finnisches Unternehmen produziert Protein nicht auf Feldern oder in Ställen, sondern in Bioreaktoren. Die Grundlage: Kohlendioxid aus der Luft, Wasser und erneuerbare Energie. Das daraus entstehende Pulver namens Solein gilt als vielversprechender Baustein für eine ressourcenschonendere Ernährung. Ob es sich tatsächlich durchsetzt, entscheidet sich jedoch nicht allein an seiner Umweltbilanz.
Labor statt Landwirtschaft
Für die Herstellung von Solein benötigt das finnische Unternehmen Solar Foods weder Ackerflächen noch Nutztiere. Stattdessen kultiviert es eine natürliche Mikroorganismenart in einem Bioreaktor. Die Mikroben werden mit Kohlendioxid aus der Luft sowie Wasserstoff versorgt, der mittels Elektrolyse aus Wasser gewonnen wird. Nach der Fermentation wird das Wasser abgetrennt und wiederverwendet, die verbleibende Biomasse getrocknet. Übrig bleibt ein gelbes Proteinpulver.
Entwickelt wurde das Verfahren von einem Forschungsteam rund um den finnischen Wissenschaftler Juha-Pekka Pitkänen. In der Produktionsanlage in Vantaa nördlich von Helsinki ersetzt kontrollierte Fermentation die klassische Landwirtschaft. Das Pulver kann unter anderem in Pasta, Speiseeis, Backwaren oder Saucen eingesetzt werden und liefert Protein, Ballaststoffe, Eisen sowie Vitamine.
Hohe Ressourceneffizienz
Die Idee dahinter: Lebensmittelproduktion soll unabhängiger von Klima, Jahreszeiten und verfügbaren Anbauflächen werden. Laut Solar Foods lässt sich Solein ganzjährig nahezu überall produzieren, sofern erneuerbarer Strom verfügbar ist. Da weder Boden noch große Wassermengen erforderlich sind, könnte die Technologie den Ressourcenverbrauch deutlich senken.
Der Markt entscheidet
Technologisch mag das Konzept überzeugen, wirtschaftlich steht Solein jedoch vor Herausforderungen. Der ETH-Proteinforscher Patrick Rühs sieht die größten Hürden beim Preis und beim Geschmack. Nachhaltigkeit allein reiche für viele Konsument:innen nicht aus, um ihre Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Entscheidend seien letztlich Kosten, Geschmack und einfache Verfügbarkeit.
Nach Angaben von Solar Foods kostet Solein derzeit ungefähr so viel wie Molkenprotein und damit mehr als Sojaprotein. Mit größeren Produktionsanlagen sollen die Herstellungskosten allerdings deutlich sinken und das Produkt langfristig wettbewerbsfähiger werden.
Essen für die Erde – und vielleicht für das All
Das Potenzial der Technologie reicht über den Lebensmittelmarkt hinaus. Gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA plant Solar Foods Versuche unter Schwerelosigkeit. Langfristig könnte das Protein direkt auf Raumstationen oder bei zukünftigen Mondmissionen produziert werden. Das benötigte Kohlendioxid würde dabei aus der Kabinenluft stammen.
Bis dahin muss sich das Protein aus Luft allerdings zunächst auf der Erde beweisen. Denn ob Solein tatsächlich Teil unserer Ernährung wird, entscheidet sich nicht im Labor, sondern im Supermarktregal.
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Bild: solein.com