Ist Kokosöl wirklich so gesund?

Kokosöl – Hautpflegemittel, Diäthilfe, Zeckenmittel und sogar Waffe gegen Demenz und Alzheimer? Googelt man nach Kokosöl, gewinnt man schnell den Eindruck, die Antwort auf alle Fragen gefunden zu haben. Meine erste Begegnung mit Kokosöl hatte ich, als mir andere Hundebesitzer rieten, es meiner Hündin ins Fell zu reiben, damit Zecken fernbleiben. Nach einem Waldspaziergang, auf dem meine Hündin wie eine Pina Colada stank, dann der ernüchternde Einsatz der Zeckenzange.

Kokosöl kann bestimmt was. Es enthält gesunde Inhaltsstoffe, wie so vieles, was aus der Natur kommt. Aus der eigenen langjährigen Erfahrung mit einer chronischen Krankheit kann ich sagen, dass man jedoch immer kritisch bleiben und zweimal lesen sollte, wenn einem ein einfaches und angeblich omnipotentes Mittel angepriesen wird. Wo man beim Kokosöl genauer hinschauen sollte und wozu man es meiner Meinung nach wunderbar verwenden kann, erfährst Du hier.

Wundermittel Kokosöl

Kokosöl – gut für Herz und Cholesterinspiegel?

Es ist die Laurinsäure des Kokosöls, die es der Wissenschaft angetan hat. Es gibt wohl Studien, die die positiven Eigenschaften der Laurinsäure hinsichtlich ihrer antibakteriellen Wirkung und positiven Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem sowie auf den Cholesterinspiegel ansprechen. Doch laut der Verbraucherzentrale Bayern fehlen bislang aussagekräftige Langzeitstudien, um endgültige Aussagen dazu treffen zu können.

Kokosöl hat wie tierische Fette einen hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren. Diese gelten in der Regel als nicht so gesund. Es gibt zwar erste wissenschaftliche Hinweise, dass Kokosöl trotz der gesättigten Fettsäuren anders wirke als Fette mit ähnlich hohem Anteil ungesunder Fettsäuren. Doch auch hier muss für eine endgültige Bewertung weiter Forschung betrieben werden. Es sind noch zu viele Fragen ungeklärt, um mit hundertprozentiger Sicherheit sagen zu können, ob Kokosöl ein uneingeschränkt gesundes Nahrungsmittel ist. Ein Vitaminwunder sei es anders als oft behauptet laut eines Artikels auf stern.de jedenfalls nicht.

Ernährungsgesellschaften und Verbraucherzentralen raten wegen des hohen Gehaltes der gesättigten Fettsäuren noch zu einem gemäßigten Einsatz von Kokosöl in der Küche. Hochwertige Speiseöle mit essentiellen Fettsäuren, wie etwa Rapsöl, sollten weiterhin ihren Platz im Speiseplan behalten. Nichtsdestotrotz eignet sich Kokosöl durch seine Hitzebeständigkeit zum Braten. Dabei sollte man am besten ein qualitativ hochwertiges, kaltgepresstes, natives Bio-Kokosöl verwenden.

Hilft Kokosöl beim Abnehmen?

Kokosöl enthält Fettsäuren mittlerer Kettenlänge, sogenannte MCTs. Sie unterscheiden sich von langkettigen Fettsäuren dadurch, dass sie schnell im Körper aufgespalten und in der Leber abgebaut werden. Gleichzeitig sollen sie den Energieverbrauch des Körpers erhöhen. In Studien zeigte sich, dass Probanden abnahmen, wenn übliches Fett durch MCTs ersetzt wurde. Beim genaueren Hinsehen taten sich jedoch Schwächen dieser Studien auf: Man hatte nur die kurzfristigen Auswirkungen untersucht und oft wurde das MCT im Rahmen einer Diät verabreicht, sodass man die Erfolge nicht eindeutig den Fettsäuren alleine zuordnen kann. Um Kokosöl wirklich zum Abnehmen empfehlen zu können, fehlen bislang schlichtweg die wissenschaftlichen Beweise.

Kokosöl gegen Karies?

Man liest, dass Kokosöl gegen kariesauslösende Bakterien wirke. Hierzu muss man ganz klar sagen: Jein! Die Wirkung gegen die Bakterien entfalte Kokosöl laut Verbraucherzentrale Hamburg erst im Magen, wenn es dort auf ein fettspaltendes Enzym trifft. Eine Forschungsarbeit des Athlone Institute of Technology in Irland bezieht sich auf „modifiziertes“, also mit den Enzymen vorbehandeltes Kokosöl, wenn es um die Wirksamkeit gegen Karies geht. Dies würde in Zukunft sicherlich in Zahnpflegeprodukten Verwendung finden. Normales Kokosöl über die Nahrung aufgenommen entfaltet diese Wirkung leider nicht.

Kokosöl gegen Alzheimer und Demenz?

Formuliert man Überschriften wie: „Erstaunliche Erfolge gegen Alzheimer und Demenz mit Kokosöl“ spielt man mit den Hoffnungen tausender Menschen gegen eine schreckliche, bis heute unheilbare Erkrankung. Ich persönlich finde es moralisch höchst bedenklich. Daher gleich vorweg: Auf der Seite Medizin Transparent, einem Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Österreich , dem Schaffler-Verlag und der Donau-Universität Krems ist zu lesen: „Wir konnten nur eine einzige klinische Studie zum Einsatz von Kokosöl bei Alzheimer finden. Diese war von so schlechter Qualität, dass keine gesicherte Aussage möglich ist.“ (Mehr zur zweifelhaften Wirkung von Kokosöl bei Alzheimer unter: http://www.medizin-transparent.at/kokosoel-alzheimer).

Kokosöl für Haut und Haar?

Kokosöl zum Abschminken

Wie sieht es mit der Wirkung von Kokosöl bei trockenem Haar, trockener Haut und Hautunreinheiten aus? In einem Interview mit dem Stern informiert die Leiterin der Klinik für Dermatologie und Allergologie der „Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken“ in Wiesbaden und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft ästhetische Dermatologie und Kosmetologie (ADK) Frau Christiane Bayerl zu dem Thema.

Kokosöl könne wie jedes andere für die Kosmetikherstellung zugelassen Öl auch zur Rückfettung der Haut verwendet werden. Die natürlich vorkommenden Keime auf der Haut bauten das Öl ab, die so entstandenen Glycerine und Fettsäuren würden von der Haut aufgenommen und pflegten sie. Einige Menschen könnten allergisch auf das Kokosnussöl reagieren. So solle man es bei Kribbeln und Jucken nicht weiter verwenden, bei Ausschlägen auch zum Hautarzt gehen.

Zum Einsatz von Kokosöl auf unreine Haut sagt die Expertin, dass Öle im Allgemeinen zu einer verstärkten Bildung von Mitessern führen würden. „Öle oder ölige Cremes sollten daher nicht auf Haut verwendet werden, die zu Akne oder Unreinheiten neigt.“ Es gebe daher auch keine Studien zur Wirkung von Kokosöl bei Aknepatienten. Manche Make-up-Produkte wie Lidschatten oder Mascara ließen sich nur mit öligen Präparaten lösen. So spreche bei Menschen mit trockener Haut nichts gegen den Einsatz von Kokosöl zum Abschminken. Bei der Haarpflege könne Kokosöl einen schönen Glanz verleihen.

Wie ich Kokosöl verwende

Kokosöl als Haarmaske

Ich persönlich werde meine Hündin in Zukunft mit Kokosöl verschonen. Es spricht nichts dagegen, Gemüse oder Fleisch, besonders für asiatische Gerichte, mit Kokosöl anzubraten. Doch Raps- und Olivenöl werden weiterhin den Großteil der von mir verwendeten Fette ausmachen.

Ich habe Kokosöl als wunderbaren Augen-Make-up-Entferner für mich entdeckt. Besonders trockene Hautstellen, wie an Ellenbogen und Knien, reibe ich regelmäßig mit dem Öl ein. Und mit Eigelb, Honig, Quark oder Avocado vermischt gibt es eine tolle Haarkur. Ein Wundermittel ist Kokosöl allerdings nicht.

Quellen:

Verbraucherzentrale Hamburg: Kokosöl: Studien und unsere Einschätzung. 7. September 2016. http://www.vzhh.de/ernaehrung/482565/kokosoel-studien-und-unsere-einschaetzung.aspx (zuletzt aufgerufen: 27.03.2017).

Die Vorteile von MCT-Öl im Vergleich zu Kokosöl. www.gesundheute.de. http://www.gesundheute.com/mct-oel-im-vergleich-zu-kokosnussoel/ (zuletzt aufgerufen: 27.03.2017).

Zahnpflege: Kokosöl schützt vor Karies. www.spiegel.de. 03.09.2012. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/zahnpflege-kokosoel-schuetzt-vor-karies-a-853612.html#ref=rss (zuletzt aufgerufen: 27.03.2017).

Hilft Kokosöl bei Alzheimer? www.medizin-transparent.at, 7. April 2016. http://www.medizin-transparent.at/kokosoel-alzheimer (27.03.2017).

Superfood: Wie gesund ist Kokosöl tatsächlich? www.stern.de, 16.04.2016. http://www.stern.de/gesundheit/ernaehrung/superfood-kokosoel–gesund-oder-ungesund–6786418.html?utm_campaign=gesundheit&utm_medium=rssfeed&utm_source=standard (zuletzt aufgerufen: 27.04.2017).

Pflege für Haut und Haar: Taugt Kokosöl als Kosmetikprodukt? www.stern.de, 16. Juli 2016. http://www.stern.de/gesundheit/kokosoel-haut-haare-pflege-6938054.html?utm_campaign=gesundheit&utm_medium=rssfeed&utm_source=standard (zuletzt aufgerufen: 27.04.2017).

Trend Check: Wie gesund ist Kokosöl? www.eatsmarter.de. http://eatsmarter.de/ernaehrung/news/kokosoel-gesund (zuletzt aufgerufen: 27.04.2017).

Bilder: © Martina Liel

 


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