Die größte Elektrofähre der Welt, die künftig bis zu 2.100 Passagiere und mehr als 220 Fahrzeuge am Rio de la Plata zwischen Argentinien und Uruguay transportieren soll, hat einen historischen Schritt geschafft: Am 14. Dezember 2025 wurde das Schiff erstmals vollständig elektrisch hochgefahren und absolvierte erfolgreich seinen ersten E‑Motor‑Test in Hobart, Tasmanien.
Damit bestätigt sich die Ankündigung aus 2024, dass das Schiff 2025 in Betrieb gehen sollte – und nun beginnt tatsächlich die finale Testphase vor der Übergabe an den Betreiber Buquebus.
Ein historischer Moment für die Schifffahrt
Incat Tasmania, der australische Hersteller des 130‑Meter‑Schiffs, spricht von einem „weltweit einzigartigen Moment“: Noch nie zuvor wurde ein Schiff dieser Größe, Kapazität und Masse vollständig batteriebetrieben getestet. Das Schiff – intern als Hull 096 bezeichnet – ist zugleich das größte batterieelektrische Fahrzeug der Welt.

Die Eckdaten des Energiesystems beeindrucken:
- Über 40 MWh installierte Batteriekapazität, viermal mehr als jede bisherige maritime Installation
- Mehr als 250 Tonnen Batterien
- Zwei Elektromotoren mit bis zu 9,6 MW Leistung
- Reichweite: rund 100 Seemeilen (185 km)
- Geschwindigkeit: bis zu 25 Knoten
Vor geladenen Gästen, darunter der Premier von Tasmanien und der australische Handelsminister, demonstrierte Incat‑Gründer Robert Clifford die elektrische Antriebsleistung erstmals live.
Von der Vision zur Realität
Ursprünglich sollte das Schiff mit LNG betrieben werden. Nach umfangreichen Berechnungen entschieden sich Incat und Buquebus jedoch für einen vollständigen Umstieg auf emissionsfreien Elektroantrieb. Ein Schritt, der ein komplettes Redesign erforderte. Rund 500 Tonnen Ausrüstung und Tanks wurden durch 400 Tonnen Batterien ersetzt, und der Einsatz von Aluminium reduziert das Gesamtgewicht erheblich.
Mit dem erfolgreichen Power‑Up beginnt nun eine Reihe weiterer Tests, bevor das Schiff in den kommenden Monaten nach Südamerika überstellt wird.

Bedeutung für die maritime Energiewende
Die Elektrofähre wird das erste vollelektrische Großschiff in Südamerika sein und zeigt, dass die Dekarbonisierung des Schiffsverkehrs längst global stattfindet. Fähren eignen sich besonders gut für die Elektrifizierung, da sie feste Routen fahren und Ladeinfrastruktur planbar ist.
Beispiele aus Europa zeigen bereits, wie stark Elektrofähren Emissionen und Betriebskosten reduzieren können. Die norwegische „Ampere“ senkte ihre Kosten um 80 %, und die dänische „Ellen“ spart jährlich rund 2.000 Tonnen CO₂ ein.
Mit dem erfolgreichen Testbetrieb setzt Incat nun einen neuen globalen Maßstab – und zeigt, dass vollelektrische Großschiffe nicht nur möglich, sondern marktreif sind.
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Bild: Incat