Künstliche Intelligenz verschlingt immer mehr Energie. Große Sprachmodelle, Bildgeneratoren und Cloud‑Dienste treiben den Strombedarf von Rechenzentren weltweit in die Höhe und damit auch ihren ökologischen Fußabdruck. Google Research denkt dieses Problem nun radikal neu: Wenn Rechenzentren auf der Erde an ihre Grenzen stoßen, warum sie nicht dorthin verlagern, wo Energie im Überfluss vorhanden ist – ins All?
Mit Project Suncatcher hat Google ein Forschungsprogramm vorgestellt, das genau das untersucht. Die Idee: Ein Netzwerk aus solarbetriebenen Satelliten, ausgestattet mit speziell entwickelten TPU‑Chips, soll maschinelles Lernen direkt im Orbit ermöglichen. Die Sonne liefert dort ununterbrochen Energie, ohne Wolken, ohne Nacht, ohne Atmosphäre. Das macht Solarkraftwerke im All potenziell deutlich effizienter als auf der Erde.
Ein neues Kapitel orbitaler Infrastruktur
Project Suncatcher ist kein fertiges Produkt, sondern ein Moonshot, ein langfristiges Forschungsprojekt, das Grundlagenarbeit leistet. Google testet dafür unter anderem, wie sich TPUs im Weltraum verhalten, wie Satelliten gesteuert werden müssen und wie Daten sicher zwischen Erde und Orbit übertragen werden können. Gemeinsam mit dem Erdbeobachtungsunternehmen Planet sollen 2027 zwei Prototyp‑Satelliten starten, die erstmals KI‑Hardware im All erproben.
Die Vision dahinter ist groß: eine skalierbare, orbital betriebene KI‑Infrastruktur, die nicht nur energieeffizienter ist, sondern auch unabhängiger von irdischen Ressourcen und Standortkonflikten.
Warum das All für Rechenzentren attraktiv wird
- Unbegrenzte Solarenergie: Im Orbit trifft Sonnenlicht rund achtmal stärker auf Solarpaneele als am Boden.
- Keine Kühlprobleme: Das Vakuum des Weltraums ermöglicht passive Kühlung. Ein enormer Vorteil, da Kühlung heute bis zu 40 % des Energieverbrauchs eines Rechenzentrums ausmacht.
- Keine Flächenkonkurrenz: Rechenzentren benötigen große Grundstücke und belasten lokale Stromnetze. Im All entfällt beides.
- Skalierbarkeit: Satelliten lassen sich modular erweitern, ohne neue Standorte erschließen zu müssen.
Natürlich gibt es Herausforderungen: Raketenstarts verursachen Emissionen, Weltraumschrott ist ein wachsendes Risiko, und die internationale Regulierung hinkt technologischen Entwicklungen hinterher. Doch die Richtung ist klar: Die Energiewende und die Digitalisierung werden zunehmend zusammen gedacht und das schließt den Orbit mit ein.
Relativity Space: Die Raketenbauer der nächsten Generation
Eine zentrale Rolle bei solchen Zukunftsprojekten spielen Raumfahrtunternehmen wie Relativity Space, unterstützt von Google‑Chairman Eric Schmidt. Relativity setzt auf 3D‑gedruckte Raketen, die schneller, günstiger und flexibler produziert werden können als herkömmliche Träger. Genau solche Startsysteme könnten entscheidend sein, wenn orbital betriebene Rechenzentren Realität werden sollen.

Denn um ein Netzwerk aus hunderten oder tausenden Satelliten aufzubauen, braucht es kostengünstige, häufige und nachhaltigere Starts. Relativity Space arbeitet daran, diese Infrastruktur bereitzustellen und wird damit zu einem potenziellen Enabler für Projekte wie Suncatcher.
Ein Blick in die Zukunft der Energie und KI
Project Suncatcher zeigt, wie weit Energie‑ und Digitaltechnologien inzwischen zusammengewachsen sind. KI braucht viel Energie. Und die Suche nach nachhaltigen Lösungen führt uns dorthin, wo Energie im Überfluss vorhanden ist: ins All.
Ob orbital betriebene Rechenzentren in zehn oder in dreißig Jahren Realität werden, ist offen. Aber die Forschung daran setzt ein wichtiges Signal: Die Energiewende endet nicht an der Erdoberfläche. Sie beginnt dort erst richtig.
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Bild: Relativity Space