… so lautete im Juni eine Überschrift auf gasworld.com und löste bei manchen wohl Verwunderung und Verwirrung aus.

Gasworld.com, die Website der globalen Gasindustrie titelte nicht nur mit CO2 Versorgungskrise trifft Europa, sondern schriebt weiter, dass es die schlimmste Versorgungskrise sei, die Europa seit Jahrzehnten erlebt habe. Und jetzt wundert sich sicher manch einer über diese Worte. Sonst hört man und liest man, auch hier auf Energieleben, doch immer, dass wir viel zu viel CO2 produzieren. Von einer Versorgungskrise ist sonst nie die Rede, im Gegenteil, gewöhnlich geht es an dieser Stelle eher darum, wie wir unsere Ausstöße verringern oder vermeiden können. Wenn man auf Gasworld weiterliest, löst sich die erste Verwirrung aber schnell auf. Hier geht es um Kohlendioxid in Lebensmittelqualität.

In der Lebensmittelindustrie spricht man, wenn es um CO2 geht, oft von Kohlensäure, ein Zusatzstoff, der in unterschiedlichen Getränken verwendet wird. Auf der Liste der von der EU zugelassen Lebensmittezusatzstoffen hat das farb- und geruchlose Gas die Nummer E290. Doch nicht nur in prickelnden Limonaden oder im Mineralwasser wird dieser Stoff eingesetzt, sondern auch um die Haltbarkeit anderer Lebensmittel zu verlängern. Es wird zum Beispiel als Packgas eingesetzt, es verdrängt Sauerstoff aus Verpackungen und verhindert so, dass es zu unerwünschter Oxidation von Lebensmitteln kommt. Oxidation von Lebensmitteln kann zu Verfärbung, Aromaverlust und auch Strukturveränderungen führen. Wird CO2 als Packgas eingesetzt, haben sauerstoffabhängige Bakterien keine Chance sich zu vermehren, wodurch Produkte länger frisch bleiben. Auf diese Weise wird CO2 beim Abpacken von Fisch, Fleisch und Geflügel verwendet. Auch in der Eiscremeherstellung kommt es zum Einsatz, nämlich um die richtige Konsistenz zu gewährleisen. Kohlendioxid wird in Form von Trockeneis auch bei der Entkoffeinierung von Kaffee und bei der Gewinnung von Gewürzen, Extrakten und Aromen eingesetzt. In Bier oder Sekt entsteht es teilweise natürlich durch den Gärungsprozess.

Warum kam es diesen Sommer zu einer solchen Knappheit an Kohlendioxid für die Lebensmittelproduktion? CO2 wird hauptsächlich in den selben Anlagen erzeugt wie Ammoniak. Ammoniak wird in Landwirtschaftsdüngern eingesetzt. Die Hauptproduktionszeit für dieses Produkt ist August bis März, währen die Produktionsanlagen für gewöhnlich von April bis Juni stillstehen, um Wartungsarbeiten durchführen zu können. Dieser übliche Wartungszeitraum überschnitt sich heuer mit der Fußball-Weltmeisterschaft. Während diesem Zeitraum war die Nachfrage nach diversen Getränken, aber auch nach Grillfleisch höher als sonst. Somit war natürlich auch die Nachfrage der Lebensmittelindustrie nach CO2 in Lebensmittelqualität höher.

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