Die Politiker verbeißen sich in Detailfragen, während hemdsärmelige Piraten das Regierungsschiff entern. Die Energiewende kommt ins Stocken und die Klimaschutzziele werden nicht erreicht. Ist der Mensch so zum Teil des…

Die Politiker verbeißen sich in Detailfragen, während hemdsärmelige Piraten das Regierungsschiff entern. Die Energiewende kommt ins Stocken und die Klimaschutzziele werden nicht erreicht. Ist der Mensch so zum Teil des Getriebes geworden, dass er die Übersicht verloren hat?

 

Ordnungszwang und die heimliche Liebe zum Chaos

Seit 60 Jahren schaffen es immer wieder scheinbar chaotische Gruppen, die Herzen der Menschen zu gewinnen. Der Ausbruch aus der so säuberlich geordneten Bürgergesellschaft der Beatnicks, der Hippies, der Grünen und schließlich der Piratenpartei kann immer mit den heimlichen Sehnsüchten der Menschen rechnen, die sich aus den Gefängnissen des kleinbürgerlichen Denkens befreien wollen. Umfragen sehen aktuell für die Piraten in Europa ein Potenzial von 30 Prozent der Stimmen. Gleichzeitig streiten die etablierten Parteien verbissen um Detailfragen und haben dabei übersehen, dass sie sich schon gar nicht mehr voneinander unterscheiden und letztlich den Bürger völlig aus den Augen verloren haben.

Dahinter steckt die Angst, sich in einer scheinbar chaotischen Welt zu verlieren, wenn man sich aus dem übersichtlich geordneten Paradies entfernt. Diese Unsicherheit, sich außerhalb der säuberlich geordneten, und dabei so künstlichen Welt zu bewegen, ist dabei völlig unbegründet. „Zu viele Noten, Herr Mozart“, hatte der Kaiser einmal den jungen Komponisten gerügt, weil er sich eben nicht einfach dem Zusammenklang hingeben konnte, das Gefühl, dass eben diese vielen Noten erzeugen genießen. „Yes, we can“ war ein Wahlslogan des amerikanischen Präsidenten Obama bevor er sich gründlich in den Details der Realpolitik gründlich festgefahren hat. Muss die unbedingt erforderliche Wende an Details, wie dem Juchtenkäfer scheitern?

 

Die Leichtigkeit des Seins scheint den Bürgern unerträglich

Technisch scheint alles möglich zu sein. Die Menschen waren auf dem Mond, denken an eine Marsmission und können, wenn es denn sein muss, Züge mit mehr als 6-facher Schallgeschwindigkeit – in einer Vakuumröhre und mit Magnet-Schwebetechnik – von New York nach Peking schießen. Bei der Frage nach der richtigen Lösung für die Energiewende wird ein schier unübersehbarer Wust an Lösungen aufgetischt. Trotzdem, oder gerade deshalb können die Menschen nicht die dringend notwendigen Schritte machen, kommen bei der Rettung ihrer Zukunft nicht voran. Die Fülle an Möglichkeiten versperrt den Blick auf das Wesentliche.

Seit über 40 Jahren gibt es im niedersächsischen Wendland eine Parallelgesellschaft – mit eigenem Pass – zu der in jedem Jahr – zwischen Himmelfahrt und Pfingsten – Zehntausende zu der „kulturellen Landpartie“ pilgern. Hier begeistern sich die Besucher an der lockeren Lebensart und den alternativen Lebensentwürfen. Hier wird schon lange die Wende gelebt, wird Nachhaltigkeit gedacht und umgesetzt. Eine deutsche Variante der vielen Hippiekommunen in den USA der 70er Jahre. Die Besucher kaufen die Kunstwerke und handwerklichen Produkte, genießen die biologisch angebauten Lebensmittel, aber anschließend verkriechen sie sich wieder in ihren kleinen Paradiesen. Sie haben es sich in ihren Gefängniszellen eingerichtet und merken nicht mehr, wie gefangen sie sind, leider unfähig, den entscheidenden Schritt der Befreiung zu wagen.

 

Der Blick auf die Zusammenhänge fehlt

Einsteins Weltformel wird zerstückelt in unendlich viele „Weltkonstanten“ und verkompliziert. Dabei soll das Universum aus einem Wasserstoffatom geschaffen worden sein. Die Arbeitsbedingungen einer chinesischen Näherin haben Auswirkungen auf den Preis eines Hemdes in Neukölln und die Jobs in der Textilindustrie Europas. Die Solarindustrie in Deutschland ist dabei sich zu verabschieden, weil die Paneele in China nun mal billiger sind.

Der bürgerliche Umweltminister, der doch den Staat verschlanken möchte, hat sein Ministerium nach der Übernahme von dem roten Minister um mehr als 30 Prozent aufgebläht. Seitdem klagen die Beschäftigten, dass nun nichts mehr funktioniert, die Wege so verlängert und verschlungen sind, dass Vorlagen in dem Dickicht verschwinden. Die eingesparten Investitionen in die Verbesserung von Verfahren für regenerative Energiegewinnung werden von den neuen Beamten „verfrühstückt“. Der Schwarz-Gelbe Staat verbraucht weit mehr Steuergeld, als jemals Rot-Grün.  „Zu viele Noten, Herr Röttgen“, müsste da der Bürger sagen, tut es aber nicht. Der Bürger kann den Schwarz-Gelben Dschungel nicht mehr durchschauen.

Dabei genügt ein Schritt zurück, um zu sehen dass die Dinge ganz einfach sind. So einfach, dass der Mensch die Dinge selbst in die Hand nehmen kann, der Mafia nicht hilflos ausgeliefert ist. Die Partei, die diese Transparenz verlangt, auch ohne selbst ein Konzept zu haben, wird gewählt, um die anderen endlich zu entmachten.

 

Das Chaos ist gewollt

Der Mensch im einundzwanzigsten Jahrhundert fühlt sich außerstande, das Chaos zu verstehen. Er soll es auch nicht verstehen, weil er sonst all die Korruption durchschauen würde. Wie zu Zeiten der Herrschaft der Raubritter im Mittelalter sollen die Bürger glauben, die Welt sei zu kompliziert, um von schlichten Gemütern verstanden zu werden. Das Heft des Handelns sollte bitte in der Hand der Herrscher bleiben, das Verstehen der Zusammenhänge in der Welt war – und ist? – dem Klerus vorbehalten.

In all den vielen spezifischen Fachgebieten, oft wiederum in Einzelbereiche zersplittert, kann sich der Ingenieur, Arzt, Lehrer, Handwerker oder Wissenschaftler sicher fühlen, spaltet ein so kleines Einzelgebiet ab, dass es für ihn passt, er meint, es verstehen zu können. Dabei verliert er das eigentliche Thema aus den Augen, nimmt sich jede Chance es zu verstehen, verliert die Humboldtsche nonchalante Art des „Universalgelehrten“, der – genau im Gegenteil – das Ganze stets im Auge hatte. Vom Wissen der Zusammenhänge aus sich, um Details bemühen, schafft eine ganz andere Sicht. Der Schuh eines Menschen kann viel über den Träger erzählen. Man sollte aber wenigstens einen solchen Träger kennen.

Nichts, was auf dieser Welt, diesem Universum geschieht, ist undurchschaubar. Sobald das herrschende Chaos entwirrt, die Probleme auf den Kern, das Wesentliche reduziert sind, findet sich auch eine Lösung.

Nachhaltiges Wirtschaften war und ist sehr einfach, der Versuch, die freigelassenen Kräfte des Marktes zu bändigen, nicht.

2 Kommentare

  1. Die bereits zu großspurigen Europäer übersehen bereits vor strotzendem Übermut, dass es für eine bereits notwendige Energiewende auch der dazu nötigen Ausbildung, der dafür nötigen Werkstätten, an Energiespeichern und eines öffentlichen Einverständnisses dazu fehlt.
    Im Berufsausbildungsinstiturt BFI wurde bereits vor 20 Jahren eine Einrichtung für die Ausbildung von “Solarteuren” geschaffen und nach damaligen Verhältnissen eingerichtet, jedoch bis heute noch nicht verwendet!
    In ganz EUropa gibt es keine Fertigung von so dringend benötigten Lithiumzellen für derartige Akkumulatoren und im Weiteren fehlt der Bevölkerung für eine Energiewende das nötige Wissen an Zusammenhängen, Erfordernissen und somit die Bereitschaft zielstrebig sich dem Umbau zu widmen.
    mfg, kutscherkarl@yahoo.de

  2. sagt:Wo sich Kunst und Wisadsenadschaft trefadfen, kann eine veradwiradrende Paraaddoadxie auch zu einer fcberadraadschenadden Erfahadrung weradden.Pae1l Ge1bor gelingt es jedenadfalls, wie ich finde, durch die einadfaadche Form eines Gedichts ein Paraaddoadxon mit einem Schmunadzeln tieadfer zu ergrfcnadden als es ein Tracadtaadtus kf6nnte:„Am Ende fragt sidcher Baradbier, der alle Kreadter belfcgtdie sich nicht selbst belfcadgenob er sich etwas voradmachtoder nicht„(Pae1l, Ge1bor (2008): Lyrik ist Logik. Gedichte aus der Wisadsenadschaft. Vechta-Langff6rden: Geest-Verl, S.a097)

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