Während wir über das Auge immens viele Informationen verarbeiten, ist die Haut im Vergleich unausgelastet. Können zukünftige Geräte nicht nur unsere Augen und Ohren mit Informationen versorgen, sondern auch unsere Haut?

Geht es nach Lynette Jones, leitende Forscherin für Maschinenbau am MIT, hat unsere Haut ebenso viele Sinnesrezeptoren wie der Augapfel. Während wir über das Auge immens viele Informationen verarbeiten, ist die Haut im Vergleich unausgelastet. Im Gegensatz zu den Augen sind die Rezeptoren der Haut auf einer Fläche von durchschnittlich 1,8 Quadratmetern verteilt.

Grundlagenforschung
Dazu kommt fehlendes Wissen über die Sensibilität der Oberhaut: Wir spüren die Vibrationen eines Telefons durch unsere Hosentaschen. Aber: Spüren wir, ob die Vibrationen nach einem bestimmten Muster verlaufen? Können wir erkennen, ob die linke oder rechte Seite des Telefons vibriert? Diesen Fragen geht Jones nach – mit einem besonderen Interesse für Geräte der Zukunft, die nicht nur unsere Augen und Ohren mit Informationen versorgen, sondern auch unsere Haut.

Die jüngste Arbeit von Jones konzentriert sich auf haptische Displays und deren Auswirkung auf unsere räumliche Wahrnehmung. Ihre Tests ergaben bislang, dass Motoren, die nur 8 Millimeter auseinander auf der Haut liegen, den Menschen oft verwirren. Eine Distanz von zwölf oder 16 Millimetern erlaubt eine deutliche Unterscheidbarkeit der Signale. Ein Set von sechs oder mehr Motoren führt ebenfalls zu Verwirrung. Zudem stellte sich die Handfläche als empfindlichste Körperstelle heraus.

Diese Erkenntnisse sind zentral für die zukünftige Entwicklung von Vibrationseinheiten. Durch ein besseres Verständnis der Haut als Schnittstelle könnten künftig Geräte vielseitiger vibrieren – und verschiedene Funktionen einnehmen. So hat Apple ein Patent für ein Pkw-Navigationssystem angemeldet, das Informationen über Vibrationen ins Lenkrad sendet. Jones selbst denkt über spezielle Jacken für Feuerwehrleute nach, die durch das Feuer leiten sollen.

Haptische Displays

Die Forschungen über die Haut finden auch in der Verbesserung haptischer Displays Niederschlag. Apple hat auch in diesem Bereich vor kurzem ein Patent angemeldet. Modulierungen der Vibrationsfrequenz können die Funktionen des Displays stark erweitern. Schnell abfolgende starke Stöße könnten so vor Gefahren warnen.

Viel wichtiger als bei Telefonen wird das Verständnis der Haut bei Geräten sein, die wir direkt am Körper tragen, wie Smartwatches oder Aktivitätstrackern. Ein einfaches Vibrieren könnte auf eine neue E-Mail hinweisen, mehrere Stöße auf eine neue SMS und ein langer Impuls auf eine Twitter-Benachrichtigung. Ein Aktivitätstracker könnte eine kontinuierliche Abfolge von Vibrationen im Uhrzeigersinn aussenden um auf Erfüllen eines Trainingsziels hinzuweisen oder in Verbindung mit einem Babyphone auf bestimmte Bewegungen des Kindes hinweisen.

Die Forschung ergab aber auch, dass ein sensibler Umgang mit der Haut gewährleistet sein muss. Taktil wollen wir anscheinend nicht ständig gereizt werden. Informationen müssen demnach unmittelbar und hoch potenziert übermittelt werden. Vielleicht ist das aber nur eine Frage der Gewöhnung.

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