Durch die moderne industrielle Landwirtschaft wurde seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts bereits die Hälfte des nutzbaren Ackerbodens zerstört. Der fruchtbare Rest wird nun seit der Finanzkrise 2008 zum…

Durch die moderne industrielle Landwirtschaft wurde seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts bereits die Hälfte des nutzbaren Ackerbodens zerstört. Der fruchtbare Rest wird nun seit der Finanzkrise 2008 zum Spekulationsobjekt. Investoren rauben Kleinbauern weltweit das Land und damit ihr Brot. http://www.3sat.de/page/?source=/ard/dokumentationen/168764/index.html

 

Jean Ziegler sagt: Hunger ist Mord

 

Obwohl noch immer Nahrungsmittel für 11 Milliarden Menschen produziert werden und nur 7 Milliarden ernährt werden müssen, sterben jährlich Millionen, besonders Kinder an Hunger. Gleichzeitig jagen Milliardenschwere Fonds nach Land und kaufen Millionen Hektar zu Preisen, die kein Landwirt bezahlen könnte.  Auf Farmen von bis zu 30.000 Hektar Größe wird dann exzessiv Monokultur betrieben, bis der Boden auch hier vernichtet ist. Bis dahin sind aber genügend hohe Renditen geflossen und das Land wird – möglichst kurz zuvor – noch gewinnbringend verkauft. Nahrung, die zum Spekulationsobjekt wird, so dass die meisten Menschen sie nicht mehr bezahlen können. Das ist Mundraub, letztendlich Mord.

Die Kleinbauern, wie aktuell in Rumänien oder auch in Südamerika und Afrika, die aus ihren Flächen gerade noch das erwirtschaften konnten, was sie zum Überleben brauchen, sind nun ohne Land und ohne Arbeit. Der zynische Kommentar des Fondmanagers: „das ist nun Aufgabe der Politik, sich um diese „Verlierer“ zu kümmern“. Die Produkte, die auf den riesigen Flächen geerntet werden, bleiben auch nicht im Lande, sondern werden nun an den Rohstoffbörsen global gehandelt und verschoben, treten eine Odyssee an und „gewinnen an Wert“. Dort, wo sie angebaut wurden, herrscht Hunger und die Umgebung, die Umwelt verkommt zu versteppten Landschaften.

 

Wem gehört das Land eigentlich?

 

Schon allein der Gedanke, Land kaufen, ja besitzen zu können ist absurd. Es gibt keinen Kontrakt, nachdem ein Stück Land von irgendjemanden rechtmäßig erworben wurde. Als die ersten Siedler sich niederließen und begannen, den Boden zu bebauen, hat es niemanden gegeben, der ihnen dieses Land „verkauft“, rechtmäßig überlassen hat. Sie haben es sich genommen. So geschah es, bis alles Land „besetzt“ war. Kommende Generationen hatten das Nachsehen. Zwischendurch hat einmal ein römischer  Kaiser sein Reich einem Papst „geschenkt“, so dass dieser über dieses und alle weiteren – zu erobernden – Flächen verfügen konnte. Die zugehörige Urkunde hat die katholische Kirche später selbst als Fälschung erkannt. Es war nun aber mal passiert und der Papst hatte inzwischen Kaiser gekrönt, Raubritter und Mafiosi zu adeligen Landbesitzern gemacht, das Land „verteilt“. Auf dieser Basis wird seither mit Land gehandelt (http://de.wikipedia.org/wiki/Konstantinische_Schenkung).

Alles Land gehört – juristisch gesehen – in Wahrheit niemandem. Die darauf siedelnden Menschen können es allenfalls nutzen, jedoch dabei darauf achten, es zu erhalten, für ihre Nachkommen und natürlich „die Umgebung“ oder „alle unsere Verwandten“ bis zum Regenwurm.

 

Alle Menschen können überall ausreichend ernährt werden

 

Immer wieder belegen Studien, die zum Beispiel Jean Ziegler jährlich der UN vorlegt, die aber immer öfter auch der Öffentlichkeit von engagierten Medien (arte, 3sat) präsentiert werden, dass es an keinem Ort dieser Erde Hunger zu geben bräuchte. Auch gibt es an keinem Ort in Wahrheit die Notwendigkeit, künstliche Dünger, Insektizide oder sonstige chemische Produkte einzusetzen. Immer wieder überraschen lokale Bauern die internationale Fachwelt, indem sie auf den unmöglichsten Böden mit Jahrtausendealten Methoden unglaubliche Erträge erwirtschaften. Und das an dem gleichen Ort, seit 5.000 Jahren (z.B. mit der Milpa in Südamerika). Die „Natur“, also unsere Umgebung kann es seit Milliarden Jahren! Aber so lässt sich natürlich – von Menschen, die mit Landwirtschaft an sich nichts zu tun haben – kein Geld verdienen.

 

Menschen beginnen sich, gegen die modernen Raubritter zu wehren

 

„Es ist schlimmer, als im Kommunismus“, kommentiert ein rumänischer Landwirt die neue Situation in seinem Land. „Es ist, wie zur Zeit der Landjunker, ja wie im Feudalismus“. Mit ihrem Geld kaufen die globalen Fonds Regierungen und Land. Aber was ist, wenn die „Habenichtse“ sich weigern, ihr Land zu verkaufen? Ganze Dörfer schließen sich zusammen, weltweit. Obwohl sie nicht konkurrenzfähig produzieren können,  bleiben sie auf ihrem Boden und wirtschaften inmitten der gigantischen Monokulturen mit Pferd und Wagen, ernten von Hand, ohne Maschinen und leben von dem, was sie selbst ernten. Auf den Märkten haben sie oft keine Chance mehr, gegen die hoch subventionierten Produkte der Weltkonzerne.

Noch führen diese aufrechten Familien ein Schattendasein, inmitten einer wild wütenden und wuchernden Agro-Industrie. Da sie aber – gezwungenermaßen – ohne Chemie arbeiten und zusammengeschlossen sogar in der Lage sind, Lebensmittel auf den Markt zu bringen, Lebensmittel, die wir heute „Bio“ nennen, ist das eine Chance für eine nachhaltige Zukunft, die Hoffnung macht.

Die – nachhaltige – Zukunft gehört den Kleinbauern, einer neuen „Agrarrevolution“, die allen Menschen wieder Zugang zu Lebensmitteln aus ihrer Region schafft. Dazu muss natürlich weltweit erklärt werden, dass Land, der Boden, Mutter Erde nicht verkäuflich ist. Man kann sie nutzen, aber achtsam und mit Respekt. Man muss sie so behandeln, dass sie keinen Schaden nimmt. Dann gibt sie Nahrung für alle, eigentlich kostenlos, wie vor 10.000 Jahren, wie den Nomaden, den Aborigines in Ausrealien, den San in Namibia noch heute.

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