Einer Studie zufolge kann New York City es schaffen, seinen CO2-Fußabdruck bis 2050 um 90% zu verkleinern.

Die vom Urban Green Council durchgeführte Studie „90 by 50: NYC can reduce its carbon footprint 90% by 2050“ setzt sich ein ambitioniertes Ziel, das weit über das im plaNYC definierte (30% Reduktion bis 2030) hinausgeht. Der plaNYC entspricht in seiner Funtion dem Wiener KLIP: Das Wiener Klimaschutzprogramm II möchte bis 2020 21% Emissionsreduktion erreichen.

Der Kern von „90 by 50“ ist, dass alle bisherigen Maßnahmen zwar in die richtige Richtung gehen, aber nicht weit genug denken und bestehende Möglichkeiten zur CO2-Reduktion nicht voll ausschöpfen. Und da laut Studie 75% der Treibhausgas-Emissionen NYCs aus dem Gebäude-Sektor stammen, liegt  dort auch das Hauptaugenmerk für die Umsetzung der Reduktionen.

Basis für die Berechnungen ist der aktuelle Stand der Technik, ohne aber Rücksicht zu nehmen auf politische und oder wirtschaftliche Einschränkungen. Eine 90%-Reduktion an Treibhausgasen entspricht in der Studie aber nicht einem ebenso stark reduzierten Energieverbrauch; die verbrauchte  Energie muss jedoch aus CO2-neutralen Quellen stammen.

Was muss geschehen, um das Ziel zu erreichen?

Für die Studie wurden schon vorhandene Projektionen der Einwohner- und Beschäftigungszahlen für 2050 herangezogen, um die Veränderungen der Stadt an sich mit in das Ergebnis einfließen zu lassen. Für den Gebäude-Sektor wurde eine Anzahl von Energiespar-Maßnahmen beschrieben, wie:

  • Installation kontrollierter Wohnraumlüftungen mit Wärmerückgewinnung bei gleichzeitiger Abdichtung der Gebäudehüllen
  • Isolierung aller Fassaden (Glasfassaden ausgenommen)
  • Durchgängige Installation von Dreifach-Verglasungen
  • Variable Beschattungsmöglichkeiten für Fenster, um im Winter Sonnenwärme ideal nutzen zu können, während im Sommerdie Kühllast reduziert wird.
  • Photovoltaik-Panels auf allen geeigneten Dächern
  • Einsatz von Wärmepumpen für Heizung und Kühlung auf Wohnungsebene, als auch für größeren Bauten.

Ziel ist, alle Häuser ausschließlich elektrisch zu beheizen oder zu kühlen, mit regenerativ erzeugtem, CO2-neutralem Strom.

Eine Besonderheit von NYC, das Con Edison Dampf-System (Ein Fernwärmenetz, das Ende des 19. Jhdts in Betrieb genommen wurde) fand Berücksichtigung, obwohl der Betrieb auf Grund des Alters jetzt schon Schwierigkeiten bereitet. Hier wurde eine Umstellung auf Biomasse angedacht, die innerhalb der Stadt gewonnen werden soll.

Neben dem Gebäude-Sektor wurde der Verkehr noch besonders berücksichtigt. Folgende Punkte wurden für die Studie berücksichtigt:

  • Der aktuell gültige US-Bundesstandard für den Flottenverbrauch von 54,5 Meilen pro Gallone (4,2l/100km) muss komplett umgesetzt sein.
  • Die Mehrheit aller Bus-Strecken wird mit Elektrobussen betrieben.
  • Der Anteil an Hybrid-Fahrzeugen in der Fahrzeugflotte der Einwohner NYCs steigt erheblich an.
  • Die Pläne der MTA, Gewichtsreduktion und Bremsenergie-Rückgewinnung zu nutzen, werden umgesetzt.
  • Ein besserer Zugang zum U-Bahn-Netz, die Umsetzung der Second Avenue Subway, des Hudson River Passagier-Tunnels und des Hafen-Frachttunnels soll die Abhängigkeit von Autos, Bussen und LKWs reduzieren..

Welche Kosten entstehen?

Berücksichtigt man die Lebensdauer der unterschiedlichen Geräte und Materialien, müssten verteilt über 35 Jahre (2015-2050) für die Transformation der gesamte Stadt etwa 94 Milliarden US-Dollar aufgewandt werden. Durch Energieeinsparungen können etwa 87 Milliarden US-Dollar eingespart werden.

Die Studie spricht davon, dass das Gesamtprojekt in etwa kostenneutral ist, wenn man Kosten und Nutzen wie oben genannt für die gesamte Stadt gegenüber stellt. Der Kosten-Nutzen-Faktor für den Verkehr und Abfall-Bereich wurde in der Studie nicht berechnet.

Die Menge an CO2-neutralem Strom, der für den Betrieb der Stadt notwendig wäre, ist laut Studie mit dem Gesamtverbrauch des Jahres 2010 vergleichbar (52.500 Millionen kWh 2010 vs. 57.000 2050). Der Verbrauch aller anderen Energien soll rapide sinken (598 Billiarden Joule 2010 vs. 42,3 2050). Die CO2-Emissonen sinken von 54,3 Millionen Tonnen auf 3,2 Millionen Tonnen.

Wie ist das umzusetzen?

Die Autoren sehen mehrere Problembereiche, die diskutiert werden müssen:

  • Ist es günstiger, dermaßen große Einsparungen im Energieverbrauch von Häusern umzusetzen, oder einfach die notwendige Energie auf CO2-neutraler Basis bereitzustellen?
  • Gibt es überhaupt genug ArbeiterInnen, die ein dermaßen großes Bauprogramm in der vorgesehenen Zeit umsetzen können – oder kann ich genügen ArbeiterInnen ausbilden?
  • Gibt es überhaupt genug Baumaterial für die Renovierungen am Markt?
  • Können Häuser schrittweise renoviert werden, oder ist es besser, Häuser auf einmal komplett zu sanieren?
  • Wie kann man das finanzieren?

Könnte Wien etwas aus einer solchen Studie lernen?

Ja und Nein. Wien ist, wie New York City, als Stadt ein Individuum, und bringt viele Besonderheiten mit: so könnten aufgrund des Weltkulturerbe-Status der Inneren Stadt dort viele der genannten baulichten Adaptionen flächendeckend nur unter erheblichen Mehrkosten durchgeführt werden. Wie dämmt man die Hofburg, ohne dass das Aussehen beeinträchtigt wird? Andererseits hat die Stadt Wien durch die Gemeindebauten direkten Zugriff auf einen erheblichen Teil der Wiener Bausubstanz. Ein Fakt, das jetzt schon seit Jahren genutzt wird, um thermische Sanierungen durchzuführen. Diese wiederum entsprechend aber nicht dem Standard, den die Studie festschreibt, zB Zweifach- statt Dreifachverglasungen. Geht man wiederum davon aus, dass Fenster etwa 30 Jahre halten, würden die jetzt eingebauten bis 2050 ohnehin noch einmal getauscht werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*