Das „Wiener Modell“ der Kraft-Wärme-Kopplung – das zum Beispiel im Biomasse-Kraftwerk Simmering oder umgekehrt zur Stromerzeugung bei der Fernwärme/-kälte Wien eingesetzt wird – gilt weltweit als Vorbild. Doch noch längst nicht überall wird Abwärme so effizient genutzt wie in Wien. Die Stadtwerke im deutschen Ulm versuchen jetzt mit einem neuen Konzept, mehr Energieeffizienz zu erreichen.

Energiesparen ist sicher eine gute Sache, zumal dann, wenn Energie ungenutzt oder überflüssig vergeudet wird. Der Löwenanteil des Einsparpotenzials liegt aber bei der Erzeugung. Selbst modernste Kraftwerke verschleudern über 40% der Energie als ungenutzte Wärme und kaum eine Heizung nutzt ihre Abwärme zur Stromerzeugung.

 

Technologisch herrscht vielfach „Steinzeit“

Die Abwärme aller Kraftwerke in Deutschland würde fast ausreichen, sämtliche Gebäude zu beheizen. Stattdessen wird sie ungenutzt in die Luft geblasen oder in Flüsse geleitet. Dann wäre aber kein Geschäft mehr mit Öl oder Gas zu machen und diese Wärme könnte fast verschenkt werden – oder der Strompreis entsprechend sinken. Was gut für die Verbraucher ist, ist aber schlecht für Energiekonzerne.

Auch die neue grüne Energie hat bisher noch nicht die Potenziale ausgeschöpft, die eine wirklich nachhaltige Nutzung regenerativer Ressourcen bietet. Man ist mal wieder einfach losgestürmt, hat einige Ideen aufgegriffen und sofort zum „standard of excellence“ erklärt. Aufwändig herzustellende und zu entsorgende Photovoltaik und riesige Windräder erzeugen nur Strom und keine Wärme und das nur nach Belieben, nicht nach Bedarf. Viele Heizkraftwerke – zum Beispiel mit Holzfeuerung – blasen ihre Abwärme mit bis zu 900°C in die Luft, ohne damit erst einmal eine Dampfturbine anzutreiben, die Strom erzeugt.

15 Millionen kleine Heizöfen verfeuern alles, was brennt in deutschen Wohnungen und verpesten die Luft mit Feinstaub und ungefilterten Abgasen. Energiewirte stopfen Millionen Tonnen Mais in ihre Fermenter, erzeugen Strom mit teuren Gasmotoren ohne die Abwärme zur Beheizung ihrer Dörfer einzusetzen. Dabei vergiften sie noch die Böden und das Grundwasser mit der offenbar unverzichtbaren Agrochemie auf ihren unsinnigen Monokulturplantagen. Wasserkraftwerke schreddern die Fische, die in den aufgestauten Flüssen lebten, verändern ganze Landstriche und erzeugen an der Staumauer aus den angeschwemmten Sedimenten so viel klimaschädigendes Methan, dass der „grüne Wasserstrom“ gar nicht mehr grün ist. Deutsche Umweltverbände und Bürger sind aufgeschreckt und blockieren nach Kräften grüne Projekte, die eben oft gar nicht grün sind. Ganz zu schweigen vom Verkehr, bei dem die Energie extrem verschleudert wird. Dass Menschen bis zu 2 Euro für einen Liter Benzin zahlen würden (das sind 4 DM!) hätte vor 30 Jahren niemand geglaubt. Es wurde leider über 100 Jahre aus dem Vollen gelebt und mit vollen Händen die Umwelt verdreckt. Das Denken wurde sträflich den Ingenieuren der Konzerne überlassen, die ausschließlich die Rendite im Blick hatten, nicht den wirklichen Nutzen und schon gar nicht die Mitwelt.

 

Wir haben das Know How und die Technologie

Ein Dreilitermotor ist heute effizienter, als vor 100 Jahren – auch wenn er unendlich mehr nutzlosen Ballast schleppen muss, als noch das Ford T-Modell. Eine ORC-Turbine (Organic-Rankine-Cycle) mit dem Kalina-Prozess holt mehr elektrische Energie aus Thermalwasser, als eine Dampfturbine jemals könnte. Schwedische Ingenieure wandeln Holz zu Wärme, Strom und Treibstoff und die alte Technik der Vergasung (Pyrolyse) kann eigentlich aus allem und jedem  jede gewünschte Form von Energie generieren (http://www.thema-energie.de/energie-erzeugen/erneuerbare-energien/biomasse/verarbeitung/vergasung-von-biomasse.htmlhttp://www.chemie.uni-hamburg.de/tmc/kaminsky/html/pyrolyse-gruppe.html). Das Interesse der Energiekonzerne an derartiger Technologie ist bisher absolut Null.

So wursteln Wissenschaftler und Ingenieure mit kargen Forschungsetats an Verbesserungen der Verfahren und hoffen, dass irgendwann ein Investor daraus ein Geschäft zum Wohle der Mitwelt macht. Mangels ausreichender Langzeiterfahrungen ist bisher allerdings kaum jemand bereit, diese Technologie auf den Markt zu bringen. So sind aber auch keine Langzeiterfahrungen zu gewinnen.

Es braucht also wieder einmal – nein grundsätzlich und überhaupt – Initiative der Bürger, der Verbraucher selbst. Die Stadtwerke Ulm zum Beispiel haben es gewagt und bringen in diesem Jahr die erste kommerzielle Holzvergasungsanlage ans Netz. Wärme und Strom für über 20.000 Haushalte aus 40.000 Tonnen Abfallholz (etwa 10 Prozent der in der Region anfallenden Restholzmenge) und Grünschnitt. Die Technologie stammt aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts und wurde weiter entwickelt und verfeinert. Der altbekannte Imbertvergaser, der im Krieg noch Fahrzeuge antrieb wurde sozusagen getunt. Besonders wichtig ist dabei die Reinigung des bei 900 Grad entstehenden Holzgases von Teerrückständen. Diese würden, wie damals, den Motor verkleben. Früher hat man diesen täglich gereinigt, was heute einfach als zu aufwändig gilt.

Zusätzlich zu den beiden Gasmotoren, die aus dem Holzgas Strom und Wärme erzeugen, wird die Wärme, die bei der Abkühlung des Gases frei wird mittels einer ORC-Turbine (auch eine Erfindung, die schon bald 150 Jahre alt ist) zur zusätzlichen Stromerzeugung genutzt. Wird einmal alle Wärme von Haushalten oder Betrieben genutzt, liegt die Energieausbeute dieses Verfahrens nahe an 100 Prozent.

 

Gas statt Wind- oder Solarparks

Im Vergleich zu Wind- oder Solarstrom ist Strom aus der Gas konkurrenzlos billig, besonders dann, wenn die Wärme auch komplett genutzt wird. Das hängt allerdings von den Kosten der Einsatzstoffe ab.  Diese können allerdings gegen Null gehen, wenn Abfallstoffe eingesetzt werden. Restholz (aus den Wäldern, der Holzindustrie oder Schwemmholz, hier aus der Donau) ist zwar ausschließlich zur Verbrennung geeignet, steigt bei zunehmender Nachfrage aber im Preis.

Gleiches gilt für den kommunalen Grünschnitt, der auch gern in Biogasanlagen eingesetzt wird. An der Universität Hamburg-Harburg arbeitet man daher schon lange mit Altreifen und anderen Reststoffen, für die sonst Entsorgungs- oder Recyclingkosten anfielen. Es wurde auch schon mit anderen Abfallstoffen experimentiert. So wurden erfolgreich Putenfedern und sonstige Schlachtabfälle vergast.

Seit etwa 30 Jahren wird in Europa daran gearbeitet, diese bisher effizienteste Art der Energieerzeugung zu perfektionieren. Verschiedene Anlagen erzeugen bereits Wasserstoff – für Brennstoffzellen – oder Pyrolyseöl, als Treibstoff. Die Reststoffe sind in der Regel jeweils als hochwertiger Humusdünger einsetzbar.

In jedem Fall kann bei diesen Verfahren, wie auch bei der Erzeugung von Biogas oder Biotreibstoff, die Wertschöpfung vollständig in der Region verbleiben. Da derartige Anlagen auch nicht die Größe von sonst üblichen Kraftwerken erreichen und ohnehin der Strom in der Region genutzt werden kann, müssen keine Überlandleitungen errichtet werden. Die Anlagen sind zudem leicht regelbar und in jedem Fall absolut Grundlastfähig. Wind und Sonne sind zwar kostenlos, doch nicht immer verfügbar und die einzelne Kilowattstunde Strom unterm Strich ohnehin teurer, als die mit Biomasse erzeugte. Großkonzerne, wie nunmehr RWE setzen, sofern sie sich entschließen in den Markt der erneuerbaren Energie einzusteigen noch auf Solar- und Windstrom. Sie handeln eben – noch – nicht mit Wärme und wären, wenn sie auch in Bioenergie machen würden, von lokalen Zulieferern abhängig. SHELL hat schnell gelernt und ist bereits einer der größten Waldbesitzer Europas. Die Bürger in den Regionen sollten nun schnell handeln, um nicht am Ende wieder ihre Energie von den alten Großen kaufen zu müssen, mit den bekannten Folgen.

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