Das größte Wald-Biomassekraftwerk Europas.

In Wien können rund 300.000 Haushalte und 5.800 Großkunden mit Energie versorgt werden. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet der größte Kraftwerksstandort Österreichs, das Kraftwerk Simmering, wo seit 20. Oktober 2006 das größte Wald-Biomassekraftwerk Europas als eigener, unabhängiger Kraftwerksblock „grüne Energie“ liefert.

Montag bis Freitag finden in dieser Ökostromanlage täglich rund 40 Lkw-Ladungen Hackschnitzel aus maximal 100 Kilometern Umkreis ihren Weg in den Brennstoffsilo. Die Transportwege sind dabei so kurz wie möglich. Drehscheibe für den Holztransport ist der nahe gelegene Alberner Hafen. Der Inhalt des vollen Brennstoffsilos reicht aus, um den Kessel drei ganze Tage hindurch zu befeuern – so werden gleichzeitig Strom fürs Wiener Versorgungsnetz und Wärme für die Fernwärmeversorgung gewonnen.

DI Dr. Thomas Strauss von der Wien Energie Bundesforste Biomasse Kraftwerk GmbH: „Der Verbrauch beträgt ungefähr 150.000 Tonnen Biomasse pro Jahr . Wir erzeugen in dieser Anlage Strom für 48.000 Wiener Haushalte und Fernwärme für 12.000 Haushalte.“

Was wird hier verbrannt? Die Hackschnitzel sind ein Nebenprodukt der Holzverarbeitung. Zweige, Baumwipfel und anderes Holz, das von den Sägewerken und Papierindustrie nicht verarbeitet werden kann, würde entweder verrotten, als Feuerholz in Einzelhaushalten dienen – oder es wandert als Waldhackgut ins Biomassekraftwerk Simmering.

Brennstoffsilo und Kesselhaus

Im Vergleich zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk spart Wien durch das Biomassekraftwerk jährlich 144.000 Tonnen Kohlendioxid ein. Ins Netz gehen 16,5 Megawatt Strom und 36 Megawatt Fernwärme. Das Kraftwerk erreicht durch ein ausgeklügeltes System, das jedes Quentchen Energie aus dem Heizkessel nützt, einen außergewöhnlich hohen Wirkungsgrad von über 80%. Zum Vergleich: Autos haben normalerweise nur einen Wirkungsgrad von unter 20%, in Ausnahmefällen bis maximal 40%.

Das Feuer im Kesselhaus erhitzt Wasser, der Wasserdampf betreibt eine von zwei abwechselnd genutzten Dampfturbinen für die Stromerzeugung. Die Abwärme aus dem Kesselhaus und aus dem abkühlenden Wasser – die bei allen chemischen Prozessen entsteht und meist ungenutzt abgeleitet werden muss – geht hier direkt ins Fernwärmenetz – und das abgekühlte Wasser kehrt zurück in den Kreislauf aus Erhitzen, Verdampfen und Abkühlen. Damit die Anlage nicht verschmutzt wird und im Kessel keine Korrosion stattfindet, wird das verwendete Wasser vor der Einleitung aufbereitet und laufend überwacht.

Das Herz der Anlage: Hier entsteht aus Wasserdampf Strom

Emissionen sind bei kalorischen Kraftwerken nicht zu vermeiden. Um sie so weit als irgend möglich zu reduzieren, kommen Schlauchfilter zum Einsatz. Das sind Gewebefilter aus vielen Schläuchen, die parallel angeordnet sind. Was immer durch den Schornstein ins Freie will, muss zuerst durch diesen wirksamen Filter, in dem der Staub abgeschieden wird. Bei den Emissionsgrenzwerten hat sich Wien Energie an die (strengen) Vorgaben für die Müllverbrennungsanlagen angelehnt.

Die ständig besetzten Schaltzentrale, die „zentrale Warte“ ist sozusagen das Gehirn des Kraftwerks Simmering. Hier wird genau überwacht, was in jeder Sekunde in allen Kraftwerksteilen des Standorts geschieht. Temperaturen, Brennstoff und Emissionswerte sind nur einige der Daten, die hier beobachtet und gesteuert werden können.

Das Wald-Biomassekraftwerk ist für Wien Energie eine wichtige Umweltinvestition. Es zählt zu den modernsten und auch umweltverträglichsten Anlagen in Österreich.

Thomas Strauss: „Holz ist ein nachwachsender, wenn auch kein unendlicher Rohstoff. Dafür ist er eine verlässliche Energiequelle. Anders als Wind und Sonne liefert das Biomassekraftwerk permanent eine berechenbare und planbare Leistung. Ziel ist es, möglichst durchgehend in Betrieb zu bleiben“ – und den Anteil an „grüner Energie“ im Portfolio von Wien Energie zu maximieren.

„Die Österreichischen Bundesforste sind zu einem Drittel am Biomassekraftwerk in Simmering beteiligt – und sie stellen 100% des Brennstoffes zur Verfügung“, erklärt Strauss. Dadurch ist mit sichergestellt, dass nachhaltig gewirtschaftet wird – es wächst mehr nach als genutzt wird.

Das hier eingesetzte System der Kraft-Wärme-Kopplung, in dem ein- und dieselbe Energiequelle möglichst effizient sowohl für die Energiegewinnung als auch die Abwärme direkt für die Fernwärme genutzt wird – bei hohem Wirkungsgrad und niedrigen Emissionen – genießt einen sehr guten Ruf und gilt als Vorbild. Man nennt es in europäischen Fachkreisen übrigens auch „das Wiener Modell“.

Noch eine Lieferung: Hackschnitzel für das Biomasse-Kraftwerk

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