Bei Klimagipfeln reden sich Politiker die Köpfe heiß und feilschen um Anteile am möglichen Ausstoß von Klimagasen, also Emissionen, die das Weltklima negativ beeinflussen und zu der möglichen Erwärmung der…

Bei Klimagipfeln reden sich Politiker die Köpfe heiß und feilschen um Anteile am möglichen Ausstoß von Klimagasen, also Emissionen, die das Weltklima negativ beeinflussen und zu der möglichen Erwärmung der Erde beitragen. Wie bei allen derartigen Verhandlungen wird gefeilscht und getäuscht, erpresst und gedroht und besonders die Vertreter der größten „Verschmutzer“ nutzen ihre wirtschaftliche – und militärische – Macht. Ob es um eine gerechtere Wirtschaftsordnung, um Abrüstung oder eben eine nachhaltige Zukunft der Welt geht, Gerechtigkeit, Wahrheit und wirkliche Fürsorge, auch für die eigene Bevölkerung sind nicht relevant. Es geht allein um die Macht der Wirtschaft, der Konzerne.

 

63 Prozent der Klimagase gehen auf das Konto der Industrie

 

Der Anstieg der das Klima beeinflussenden Gase in der Atmosphäre begann mit der industriellen Revolution, dem exponentiellen Wachstum der Industrie in Europa und den USA. Mit der Industrialisierung veränderte sich in diesen „Industrienationen“ der materielle Lebensstandard und damit der Energieverbrauch, zuerst ausschließlich fossiler Brennstoffe. Gleichzeitig, als Folge der Industrialisierung der Landwirtschaft kamen schnell weitere Bereiche hinzu, die traditionell nicht so energieintensiv sind. Grundsätzlich spiegelt der jeweilige Ausstoß den technologischen Standard eines Landes wieder, wobei in den letzten 25 Jahren, seit dem Ende des kalten Krieges signifikante Verschiebungen zu beobachten sind. So ist eines der Probleme bei den Verhandlungen über den Einfluss der einzelnen Länder auf den Schadstoffausstoß die globale Verteilung der Produktionsstätten. Europa und die USA verschieben ihre schmutzige Industrie in Niedriglohnländer, in denen es zuvor keine signifikante Industrie gab und verlagern damit ihren Anteil am „Klimawandel“ ins Ausland. Die jeweiligen Konzerne verbleiben jedoch in den „alten Industriestaaten“, während die dortigen Politiker scheinheilig auf eine Reduzierung des Ausstoßes in ihrem Land verweisen. Eine „gerechte“ Lösung, eine Zuordnung auf die wirklichen Verursacher des Schadens wird so fast unmöglich.

 

Ein Drittel des chinesischen Anteils geht in Wahrheit an Europa und die USA

 

Mehr als 33 Prozent des chinesischen CO2-Ausstosses werden durch europäische und amerikanische Firmen veranlasst, die in China produzieren, in der Regel für den „Export“ in die „Heimatländer“, immer mehr aber natürlich auch für den chinesischen Markt. Würde dieser Anteil China gutgeschrieben, würde es in der Summenstatistik von der ersten Stelle hinter die USA rutschen. Ohnehin zeigt die Liste der „Klimasünder“, die den Gesamtausstoß eines Landes summiert ein völlig falsches Bild. Hier liegt China an erster Stelle, gefolgt von den USA. Russland liegt auf Platz 4 und Deutschland auf Rang 6. Dabei ist China ein seit langem hochindustrialisiertes Land, das extreme Anstrengungen im Bereich der Erneuerbaren Energien unternimmt. Andererseits haben die USA und Deutschland seit langem ihre „schmutzige Industrie“ ausgelagert und damit auch ihre Verantwortung für den von ihnen verursachten „Dreck“, einschließlich der Klimagase und der sozialen Verantwortung.

 

Der Ausstoß je Einwohner spiegelt den „Schadstoff-Abdruck“ einer Nation wieder

 

Legt man den CO2-Ausstoss je Einwohner zugrunde, wandert China auf Rang 59, während die USA auf Platz 12, Russland auf Platz 21, Deutschland auf Platz 36 und Österreich auf Rang 43 liegen. Auf Rang 1 liegt nun das kleine Emirat Katar, das in den letzten Jahren seinen Ausstoß verdoppelt hat. Luxemburg belegt Platz 8, hat seinen Ausstoß allerdings um gut 20% verringern können. Beide Länder haben aber auch keine nennenswerte Industrie, jedoch einen hohen Lebensstandard. Was Luxemburgs Bürger für ihre Heizung an Energie verbrauchen, wird in Katar für Klimaanlagen benötigt.

Eine global gerechte Zuordnung zu finden und Verantwortliche zu einer Veränderung zu nötigen, ist unmöglich, solange allein die mächtigen Industrienationen bestimmen. Die hochindustrialisierten Staaten diktieren der großen Mehrheit, wie viel CO2 sie in Zukunft ausstoßen dürfen und bestimmen damit deren Lebensstandard. Hochindustrialisierte Länder gönnen sich je Einwohner zwischen 10 (Deutschland) und 40 (Katar) Tonnen CO2 je Einwohner und Jahr, während sogenannte Schwellenländer, also Nationen, die an der Schwelle zu einer stärkeren Industrialisierung stehen noch unter einer Tonne je Kopf ausstoßen. Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn im Rest der Welt der Konsum und der damit verbundene Energiehunger auf das Niveau der Hauptverschmutzer steigt.

 

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/global-carbon-project-rekord-globaler-treibhausgas-ausstoss-von-co2-a-934276.html

https://www.cdp.net/CDPResults/CDP-Global-500-Climate-Change-Report-2013.pdf

http://www.natur.de/de/20/Chinas-Smog-nicht-nur-hausgemacht,1,,1410.html

http://taz.de/Debatte-Klimaschutz/!132284/

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