Dorf in Äthiopien
Dorf in Äthiopien
Gerade noch wurde Quinoa als das Superkorn schlechthin angepriesen, aber das könnte nun bald schon wieder Geschichte sein, denn die Lifestyle-Industrie hat Teff für sich entdeckt.

Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Welt und für seine prekäre Ernährungslage bekannt. Aber es ist auch das Herkunftsland von Teff – die Bezeichnung für Zwerghirse – ein sehr nahrhaftes altes Korn, das zunehmend in Reformhäusern und Supermärkten in Europa und Amerika erhältlich ist.

Die winzigen Teff-Samen sind gerade mal so groß wie Mohnsamen und reich an Kalzium, Eisen und Proteinen und bieten eine beeindruckende Menge von Aminosäuren. Natürlich glutenfrei, kann das Getreide gemahlen anstelle von Weizenmehl für Brot, Nudeln oder Pizzaböden verwendet werden. Wie Quinoa, das Andenkorn, bietet Teff hervorragende Nährwerte und ist für äthiopische Bauern ein Versprechen an neue und lukrative Märkte im Westen.

Äthiopier sind besessen von Teff. Es wird schätzungsweise von 6,3 Millionen Bauern angebaut, die Ernte ihrer Felder deckt mehr als 20% der gesamten Anbauflächen. Zu Mehl gemahlen wird es zu Injera verarbeitet, eine Art schwammig fermentiertes Fladenbrot, die Basis der äthiopischen Küche. Das Getreide ist auch Teil vieler religiöser und kultureller Zeremonien. Im ganzen Land und auch im benachbarten Eritrea, versammeln sich Gäste um ein großes Stücke Injera, das in Stücke gerissen als eine Art Besteck dient und mit dem dann Eintöpfe gerafft werden. Ein gegenseitiges Füttern gilt als Zeichen der Treue und Freundschaft – eine Tradition die als gursha bekannt ist.

Jahrzehntelang blieb Teff im Westen nahezu unbekannt, aber der stetig wachsende Appetit auf traditionelle Kulturen und der immer weiter boomende Gesundheits-, Food- und glutenfreie Markt hat Teff, das neben Kaffee, zunehmend auch als Äthiopiens „zweites Geschenk an die Welt“ angepriesen wird, für sich entdeckt.

Ob Äthiopien und seine Landwirte von der großen Nachfrage nach Teff und die neuen globalen Märkte profitieren können, ist allerdings eine sehr kritische Frage. Denn wachsende Nachfrage nach so genannten alten Körnern war nicht immer ein Sieg für die armen Bauern jener Anbauländer. In Bolivien und Peru, hört man zwar Berichte über steigende Einkommen aufgrund des globalen Handels von Quinoa aber gleichzeitig liest man auch über Unterernährung und Konflikte um Anbauflächen.

Die äthiopische Regierung will die Teff Produktion bis 2015 verdoppeln. Die Strategie, die im Jahr 2013 veröffentlicht wurde, behauptet, dass das Korn eine wichtige Rolle bei Schulmahlzeiten und Nothilfeprogrammen spielen könnte und dabei helfen könnte Mangelernährung zu reduzieren – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Man kann nur hoffen, dass Äthiopien den richtigen Weg gehen wird und dass die Menschen eines der aller ärmsten Länder dieser Welt langsam wieder auf eigene Beine stehen können, Nicht nur um sich und ihre Familien adäquat ernähren zu können, sondern auch wieder mehr Unabhängigkeit zu erlangen.

Vielen Dank an Dr. Christian Köllerer, der so freundlich war, mir seine Fotos zur Verfügung zu stellen.

Parvin Razavi

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