Auf dem Wald- und Wiesenboden gibt es äußerst schmackhafte Kräuter.

Nach der Einführung, was beim Sammeln von Wildkräutern zu beachten ist, stelle ich diesmal in der Reihe „Essbares aus Wald und Wiese“ die ersten – möglicherweise nicht so gut bekannten – essbaren Pflanzen vor, die wir an vielen Orten in Mitteleuropa finden können.

Giersch und Gundelrebe, mancherorts auch Gundermann genannt, sind zwei meiner Lieblingskräuter. Einerseits, weil sie relativ einfach zu erkennen sind (sobald man weiß, worauf man achten muss), und andererseits weil sie jeweils einen ganz besonderen und einzigartigen Geschmack haben, der mir sonst noch nirgends untergekommen ist.

Giersch

Im Garten wird er oft als Unkraut angesehen, weil er fast nicht auszurotten ist. Er hat jedoch vielseitige Nutzungsmöglichkeiten. Aber Achtung: Der Giersch kann mit anderen Doldenblütlern verwechselt werden, die teilweise hochgiftig sind, wie etwa bestimmte Bärenklau-Arten.

Die Blätter des Giersch sind wenn man genau hinschaut sehr eindeutig erkennbar. - Photocredit: pixabay.com/alsterkoralle
Die Blätter des Giersch sind wenn man genau hinschaut sehr eindeutig erkennbar. – Photocredit: pixabay.com/alsterkoralle

Wir finden ihn außer im Garten auch in lichten Laubwäldern, an Hecken- und Wegrändern an. Generell mag der Giersch es schattig oder halbschattig und bevorzugt feuchte, humose Böden.

Erkennen

Die Pflanze wird 30 cm bis 1 m hoch, speziell mit der Blüte. Sie hat einen kantig gefurchten Stengel, der ansonsten kahl ist. Die Blätter sind in dreier-Bereiche gegliedert (Blattstiel und Blattspreite), wobei der Stiel wieder dreifach gefiedert ist (also aus drei Blättern besteht). Die Seitenteile (Blattspreite) sind jedoch meist zweifach gefiedert. Die asymmetrische Wuchsform am Stielende der Blattspreite ist für den Giersch sehr typisch.

Nutzung

Der Giersch kann frisch oder getrocknet als Gewürz für Rohkostmischungen und als Petersilersatz, oder in Tees verwendet werden. Außerdem ist er eine interessante Alternative zu Spinat, und kann auch als Cremesuppe zubereitet werden. Bei der Verarbeitung sollten jedoch die Stiele entfernen werden, da sie eine hohe Konzentration an Bitterstoffen enthalten.

Giersch kann auch zur Cremesuppe verarbeitet werden. Zu beachten ist jedoch, dass die großen, älteren Blätter sehr viel intensiver schmecken. - Photocredit: pixabay.com/Security
Giersch kann auch zur Cremesuppe verarbeitet werden. Zu beachten ist jedoch, dass die großen, älteren Blätter sehr viel intensiver schmecken. – Photocredit: pixabay.com/Security

Wirkung

Früher wurde diese Heilpflanze gegen Rheuma und Gicht verwendet. Sie wirkt unter anderem antibakteriell, entsäuernd, entzündungshemmend und kräftigend. Daher kann sie gegen Erkältung, Frühjahrsmüdigkeit, Krampfadern, Verstopfung, Vorbeugend gegen Blasenentzündung und vieles mehr verwendet werden.

Gundelrebe

Diese bodendeckende Pflanze hat im blühenden Zustand eine sehr liebliche Wirkung, ist jedoch dennoch sehr robust.

Wir können sie auf gut gedüngten Wiesen, in Obstgärten, oder generell an schattigen, feuchten und nährstoffreichen Plätzen finden.

Gundelrebe
Die zarten Blüten der Gundelrebe machen ein schönes Bild. Und sie sind ebenfalls essbar! – Photocredit: pixabay.com/Hans

Erkennen

Die Gundelrebe hat einen vierkantigen, behaarten Stengel, und wird etwa 10 bis 20 cm hoch. Die Blätter sind an der Kante gerundet, und ähneln von der Form her einem abgerundeten Herz oder einer fetten Bohne. Die Oberseite ist dunkelgrün bis rotbraun verlaufend. Ihre Blüten sind klein und rosarötlich bis hellviolett, und stechen aus dem dunkelgrün ganz besonders hervor.

Nutzung

Durch den sehr speziellen Geschmack der Gundelrebe ist sie sehr gut zum Würzen von Suppen und Schaffleisch geeignet – sowohl frisch als auch getrocknet. Außerdem kann sie in Salaten, Kräutersaucen, Kräuterbutter, Topfen, Frischkäse, aber auch für Ei-Gerichte und im Wildkräutersalz verwendet werden.

In Butter oder Topfen schmecken sowohl Giersch als auch Gundelrebe sehr gut. – Photocredit: pixabay.com/Hans

Wirkung

Der Gundelrebe wird appetitanregende, verdauungsfördernde, blutbildende, -reinigende und -entsäuernde Wirkung nachgesagt. Außerdem kann man sie im Frühjahr als Smoothie für Entschlackungskuren, gegen Müdigkeit, oder als Stärkungsmittel nutzen.

Fazit

So viele nahrhafte Pflanzen, die wir an sehr vielen Stellen finden können, werden von vielen von uns übersehen weil wir sie nicht kennen. Als ich langsam gelernt habe, mehr dieser Kräuter zu erkennen und zu nutzen, hat sich für mich eine ganz neue Welt an Geschmäckern aufgetan. Auch wenn es teilweise zu Beginn ungewohnt war, und ich immer darauf achte, nicht zu viel davon zu verwenden, sind speziell die Gundelrebe und der Giersch eine sehr willkommene Ergänzung in meinem Speiseplan geworden.

Quellen

Essbare Wildpflanzen aus dem Hausgarten (Marlies Ortner)
Nahrhafte Landschaft 2 (Michael Machatschek)
https://www.kostbarenatur.net/anwendung-und-inhaltsstoffe/giersch/
https://www.kraeuter-buch.de/kraeuter/Giersch.html#Giersch_als_Heilkraut

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