Jürgen Brand auf der WearFair +mehr 2018. - Fotocredit: Lisa Radda
Jürgen Brand auf der WearFair +mehr 2018. - Fotocredit: Lisa Radda
Eine Kombination aus Jeans, Jacke, Hemd und Gilet komplett in Österreich gefertigt? Ist das überhaupt möglich und kostet das nicht ein Vermögen? Beide Fragen lassen sich mit einem „ja“ beantworten – aber Qualität hat eben seinen Preis. Das weiß auch Jürgen Brand.

Das Label Jürgen Brand ist eigentlich aus der Not heraus entstanden. „Ich hatte eigentlich immer vom Sattel aufgescheuerte Hosen – vor allem Jeans – das hat mich wahnsinnig genervt. Eine Jeans mit dem reparablen Einsatz zu designen, das war die Grundidee.

Und diese Idee hat sich immer weiterentwickelt, bis Designer und Gründer Jürgen Brand beschlossen hat, eine komplette Kollektion mit Hose, Jacke, Hemd und Gilet zu kreieren. Der Twist: es sollte nicht nur fahrradtauglich, sondern auch chic und im Businessstyle sein.

FairFashion hergestellt in Österreich. -Fotocredit: Lisa Radda
FairFashion hergestellt in Österreich. -Fotocredit: Lisa Radda

Das ist Jürgen gelungen. Seine Kollektionen sind klassisch, funktionell und alltagstauglich. Bekleidung für Damen gibt es auch, der Schwerpunkt liegt aber bei den Herren. Hinzu kommt, dass es sich bei den Kleidungsstücken um FairFashion handelt.

Jürgen Brand – FairFashion zu 100% in Österreich gefertigt

Doch Bio alleine reichte dem gebürtigen Oberösterreicher nicht aus. „Das sagt nichts darüber aus, wer die Stücke wo produziert hat.“, erklärt Jürgen Brand im Interview auf der WearFair +mehr. „Die Industrie findet immer wieder Schlupflöcher.“

Übrigens: Die WearFair +mehr ist die größte Messe für faire Mode und nachhaltigen Lebensstil in Österreich.

So bedeutet „Made in Italy“ oder „Germany“ schon lange nicht mehr das, was es früher vielleicht geheißen hat. Heutzutage reicht es, wenn der letzte Knopf des Produktes in dem Wunschland gefertigt wurde. Das ist Legitimität genug, um zu behaupten, dass ein Produkt „Made in Germany“ sei. Und genau das wollte Jürgen nicht.

Seine Kollektionen designt der Meister selbst, macht die Entwürfe und Prototypen. Genäht wird die Serie in der Buckligen Welt vom Team von Lothar Daniel Pechthold. Die Leinenstoffe kommen aus dem Mühlviertel – von der Leinenweberei Viehböck –, die Knöpfe aus dem 23. Bezirk in Wien. Einzig und alle die Nähseide sowie die Einlagen kommen aus Deutschland. Auf seiner Website kann man ganz genau einsehen, woher die einzelnen Teile kommen.

Wie lange ist eine Produktion in Österreich noch möglich?

Mit seinen Kollektionen möchte Jürgen Brand ein nachhaltiges Produkt schaffen – und zwar von Anfang an. Außerdem ist ihm wichtig, vor Ort zu bleiben. „Ich wollte schauen, was es in Österreich gibt, und was machbar ist. Und tatsächlich gibt es die kleinen feinen Spezialisten. Fertigungstechnischen haben wir hier in Österreich noch das Know-how.“, verrät Jürgen und in seiner Stimme schwelgt etwas Nostalgisches und Trauriges.

Denn die Frage, die er nicht ausspricht, können wir uns alle denken. Wie lange gibt es dieses know-how noch? Wie jedes andere Handwerk muss auch Nähen geübt sein, und kaum noch ein Betrieb hat die Zeit und das Geld, Lehrlinge üben zu lassen. Billiglohnländer im Globalen Süden machen den Produktionsstädten in Österreich Konkurrenz, mit der letztere bald nicht mehr mithalten können.

Jürgen Brand erklärt wieso: „Unsere in Österreich gefertigten Produkte sind verhältnismäßig teuer, weil da sehr viele Steuern drauf sind. Aber steuern sind ja per se nichts Schlechtes, weil damit die Infrastruktur, wie zum Beispiel das Sozial-, oder Pensionssystem bezahlt wird. In asiatischen Ländern fällt das weg. Da gibt es keine Steuern und daher geht es den Arbeitern und Arbeiterinnen auch schlecht und uns gut. Die Umverteilung ist eine andere. Ich glaube das vergessen die Leute immer ein bisschen.

Übrigens: Für nur 20 Cent Lohn mehr könnten Leute in Indien problemlos leben.

Doch das Problem liegt nicht nur in der Produktion, sondern auch beim Konsumenten und der Konsumentin selber. Mittlerweile gibt es pro Jahr bis zu 24 Kollektionen in den Modehäusern und –ketten zu kaufen. Mit FastFashion steht Quantität vor Qualität, was aber auch dazu führt, dass wir letztere nicht mehr erkennen und wertschätzen können. „Ältere Generationen erkennen das handwerkliche Geschickt und was dahinter steckt. Die jungen Leute tun sich da schwerer. Das soll kein Vorwurf sein, sie wachsen einfach nicht mehr damit auf, sie lernen es nicht mehr.“, erklärt mir Jürgen.

Fazit

Wir müssen wieder ein bisschen mehr zurück zum Ursprung – wie eine Supermarktkette so schön sagt. Zurück dazu, Kleidung aber auch die Materialien und Produktion Wert zu schätzen sowie dafür bereit zu sein, etwas mehr als 4,99 Euro für ein T-Shirt zu zahlen. Ein Stück österreichische Qualität gibt es bei Jürgen Brand zu kaufen – vielleicht auch eine nette Idee, es sich zu Weihnachten schenken zu lassen. 

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