Was passiert mit dem Plastikmüll der USA nach Chinas Importstopp?

Im Frühjahr haben wir berichtet, dass China den Import von Plastikabfall komplett gestoppt hat. Bis zur Verhängung dieses Importstopps haben viele europäische Länder und auch die USA einen Großteil ihres alten Kunststoffs nach Asien verfrachtet, anstatt ihn im eigenen Land zu recyclen. Als China bekannt gab, dem Westen den Plastikmüll nicht mehr abzunehmen, standen viele Länder vor einem Problem. Im eigenen Land hatte man nicht die Kapazitäten, um das, was früher exportiert wurde selbst zu verwerten. Aus Deutschland konnten wir hier vor kurzem Positives berichten. Dort boomt die Recyclingbranche mittlerweile. Viele Materialien werden im eigenen Land wiederaufbereitet und weiterverwendet.

Doch wie sieht es mit dem Plastikmüll der Amerikaner aus? Was ist dort seit dem chinesischen Importstopps passiert? Die USA haben rund 90 Prozent ihres Altplastiks nach Asien verschifft, davon etwa 70 Prozent nach China und Hongkong. Seit dem Stopp hat sich der Markt für Plastikimport verschoben. Nun gehen rund 81 Prozent des US-Plastiks nach Südostasien, hier vor allem nach Malaysia, Thailand und Vietnam, wie man in einem Bericht von Unearthed erfährt.

Thailand importierte während des ersten Halbjahres 2017 etwas mehr als 4.000 Tonnen Plastik, im selben Zeitraum 2018 waren es 91.505 Tonnen. Das entspricht einem Anstieg von unglaublichen 1.985%. Der Anstieg der Importe in Malaysia betrug 273%, insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten 157.299 Tonnen Plastik aus den USA importiert. Vietnam nahm 71.220 Tonnen entgegen, was einem Anstieg von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Problem mit der Verschiebung der Importmärkte ist, dass diese Länder, die jetzt am meisten importieren teilweise sehr schlecht ausgerüstet sind. Sie besitzen nicht die nötige Infrastruktur, die es braucht, um den Müll sicher verwerten zu können. Mancherorts haben auch illegale Recyclinganlagen den Betrieb aufgenommen, doch auch in den offiziell genehmigt und betriebenen Anlagen werden Umweltrichtlinien oft nicht befolgt.

Außerdem haben der Import und die Verwertung des Kunststoffs bereits negative Auswirkungen, die nun für die Bevölkerung spürbar werden. In einem malaysischen Ort nahe der Hauptstadt Kuala Lumpur, wo viel Plastik recycelt wird, wurde verschlechterte Luftqualität und Wasserverschmutzung festgestellt. Die Regierung ergreift nun die ersten Gegenmaßnahmen, strengere Richtlinien für Import und strengere Kontrollen der Recyclinganlagen wurden eingeführt. Und auch den illegalen Anlagen solle es nun an den Kragen gehen, sie sollen alle stillgelegt werden. In Vietnam gab es bereits einen zeitweiligen Importstopp, von Juni bis Oktober, für Plastik und Papier. In Thailand setzt man auf strengere Kontrollen der Materialien, die eingeführt werden. Was nicht ordentlich deklariert ist, wird gleich zurückgeschickt.

Nun türmt sich in vielen US Städten der Plastikmüll auf, denn die örtlichen Recyclingbetriebe verfügen nicht über die benötigten Kapazitäten. Deshalb haben manche Kommunen begonnen auf Informationskampagnen zu setzen, um Müll zu vermeiden, aber auch den Einwohnern die erhöhten Kosten für ihren Müll weiter zu verrechnen. Doch das reicht über kurz oder lang nicht, wir müssen realisieren, dass der Verzicht aufs Plastiksackerl im Supermarkt allein die Welt nicht retten wird und das gesamte System überdenken.


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