Gerade erst das Licht der Welt erblickt, werden männliche Küken sofort geschreddert oder vergast. Wer keine Eier legen kann ist nutzlos. Doch das soll sich bald ändern…

Kaum jemandem ist bewusst, was sich tagtäglich bei der Eierproduktion abspielt. Massenmord vom Feinsten!

Für die Hahnbabies ist das ein kleiner Holocaust, wie weit wir als Menschen hier mitfühlen wollen oder können ist sehr verschieden. Schaufelweise werden sie vergast oder im Schredder bei lebendigem Leibe zerrissen. In Österreich erleiden dieses Schicksal pro Jahr etwa 8 Millionen Küken, in Deutschland 50 Millionen, in der gesamte EU gar 280 Millionen! Daran denkt man nicht so gerne…

Trotzdem! So ganz auf Eier zu verzichten ist nicht jedermanns/frau Sache. So gibt es seit geraumer Zeit Projekte, die dieser schrecklichen doch alltäglichen Praxis entgegenwirken sollen.

Das Zweinutzungshuhn

Die Rede ist vom sogenannten „Zweinutzungshuhn“. Die Problematik an sich entstand dadurch, dass in der bestehenden Hühnerzucht der letzten Jahrzehnte weibliche Hühner entweder in Richtung Eierproduktion oder Mast gezüchtet wurden. So gibt es verschiedene Hybridhühnerrassen, welche speziell entweder für den einen oder den anderen Bedarf am besten geeignet sind. Für die männlichen Küken, die weder Eier legen können noch als Masthähnchen profitabel sind, weil sie zu langsam wachsen, gibt es schlichtweg keine Verwendung.

Das „Duale Huhn“ etwa von Lohmann in Deutschland ist – wie der Name schon sagt – ein Zweinutzungshuhn. Fünf Jahre Forschung und über eine Million Euro hat das Unternehmen in die Züchtung investiert. Die Legeleistung ist um etwa 20% geringer und die Mastdauer beträgt zehn statt sieben Wochen als bei Hybridhühnern üblich. Das ist ein sehr schöner Erfolg, doch um wirklich wettbewerbsfähig zu sein, muss das Duale Huhn in seiner Leistung noch etwas zulegen, denn die Masse der Konsumenten möchte für Eier und Hühnerfleisch nicht mehr bezahlen als üblich.

Auch das Sulmtalerhuhn, eine alte österreichische Hühnerrasse, wird erfolgreich als Zweinutzungshuhn eingesetzt.

Wer die männlichen Küken als Tiere und Lebewesen sieht und nicht als Abfallprodukt der Eierproduktion, der kann auch zu „Tonis Junghahn“ greifen, denn der österreichische Unternehmer Toni Hubmann bekannt mit „Tonis Freilandeiern“ nahm sich der männlichen Küken an und brachte vor kurzem mit seinem Projekt „Henne und Hahn“ Junghähne in ausgewählte Supermarktregale.

Dass der Markt für das hochpreisige Hühnerfleisch (noch) nicht sehr groß ist war klar, doch die grausame Problematik der Eintagsküken könnte so zumindest eingedämmt werden.

Um die barbarischen Maßnahmen ganz ausschalten zu können, muss die Forschung noch einige Zeit im Labor verbringen, denn zukünftig soll die Geschlechtsbestimmung am unbebrüteten Ei festgestellt werden können und so eine Aussortierung vor dem Schlüpfen ermöglichen.

Eine Lösung muss her, denn erste Stimmen werden laut, dass diese Handhabung mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar und somit verboten und strafbar ist. Wieder einmal ist die Politik gefragt…

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