Jugendliches Essverhalten, Fotocredit: Shutterstock
Jugendliches Essverhalten, Fotocredit: Shutterstock
Jugendliche essen nur Fast Food und lernen gar nicht mehr, wie man richtig kocht – alles nur Vorurteile, oder ist da was Wahres dran?

Wir haben lange neben einer Mittelschule gewohnt und die Teenies auch beim Einkauf im Supermarkt beobachtet. Dadurch hat sich in meinem Kopf das Klischee von der ungesunden Ernährung bei der nächsten Generation eingebrannt. Nachdem ich selbst zwei Kinder habe wollte ich nun wissen, wohin die Trends bei der Ernährung gehen, und ob es um das Ernährungsbewusstsein der „Generation Facebook“ wirklich derart übel bestellt ist.

Der Charakter einer Jugendesskultur

Essen erfüllt auch bei den Jugendlichen viele Funktionen: es sorgt für Sättigung und Zufuhr von Nährstoffen, schafft aber auch kulturelle, soziale und personale Identität. Grundsätzlich sind diese Funktionen für alle Altersgruppen gleich, in der Jugend hat Essen jedoch eine andere Priorität als im Erwachsenenalter. „Hauptsache es schmeckt und macht satt“ – so könnte man es zusammen fassen. Auch beim Essen geht es in diesem Alter um Ablösung von den Eltern, um Identitätsfindung und gesellschaftliche Einordnung. 

Daheim bedienen sich viele Jugendliche einfach aus dem Kühlschrank, weil die Eltern arbeiten sind. Gemeinsame Familienmahlzeiten sind seltener geworden und das Angebot an Convenienceprodukten wächst. Auch unterwegs greifen Jugendliche darauf zurück, denn schnelles und unkompliziertes Essen, das andere Aktivitäten nebenbei zulässt und das Taschengeldbudget wenig belastet wird bevorzugt. 

4% der Jugendlichen essen täglich Junk Food

Jüngere Personen essen zwar häufiger Fast Food als ältere Personen, allerdings konsumiert mir ein geringer Anteil der österreichischen Schüler täglich Junk Food. In einer groß angelegten Studie aus dem Jahr 2014, bei der knapp 6.000 österreichische Schüler im Alter von elf bis 17 Jahren teilnahmen, gaben etwas mehr als die Hälfte der Befragten an, nie bzw. seltener als einmal in der Woche Junk Food zu essen. Knapp ein Viertel berichtete von einem einmal wöchentlichen Junk Food Konsum und weitere 20% gaben an, mehrmals in der Woche Speisen wie Pizza, Döner oder Burger zu konsumieren. Nur knapp über 4% essen demnach täglich Junk Food. In der Pubertät steigt der Konsum von Junk Food zudem an und bei Buben stärker als bei Mädchen. 

Eine andere Umfrage unter fast 2.000 Jugendlichen aus Österreich zwischen 14 und 29 Jahren zeigte, dass Jugendliche und junge Erwachsene frisch gekochte Mahlzeiten bevorzugen und oft selbst kochen, aber ihre Speisen um Fast Food und Fertiggerichte ergänzen. Das ist erfreulich, verschwindet doch das Kochen immer mehr aus dem Alltag der Heranwachsenden. Kinder und Jugendliche werden immer seltener in die Zubereitung ihrer Nahrung involviert und verlieren den Bezug dazu. 

Gesundes Ernährungsbewußtsein vorhanden

Den meisten jungen Menschen ist durchaus bewußt, dass viele Zivilisationskrankheiten auf eine falsche Ernährung zurückzuführen sind. Schulen, Eltern und heutzutage vor allem TV und Internet leisten hier gute Aufklärungsarbeit. Dennoch halten sich nicht alle an die Empfehlungen (ebenso wie die meisten Erwachsenen). Generell werden zu viel Fleisch und Wurst konsumiert, während die Mengen von Gemüse und Obst weit unter den Empfehlungen liegen. Von den Schulkindern werden weniger als die Hälfte der empfohlenen Verzehrmengen an Gemüse und Obst erreicht. Erwachsene Frauen essen immerhin zwei Drittel der empfohlenen Menge an Obst, Männer ungefähr die Hälfte. Durch die Bank zu gering sind der Konsum an Getreide(Produkten), Milch(Produkten) und Fisch. Bei solch einer mangelhaften Vorbildwirkung ist ein gesünderes Essverhalten im Grunde nicht zu erwarten. 

Am schlechtesten bestellt sind die Ergebnisse laut Österreichischem Ernährungsbericht bei Süßwaren, Backwaren und Knabberartikeln. Diese stehen gleich an der Spitze der österreichischen Ernährungspyramide und sollten im Grunde nur selten konsumiert werden. 

Zwischen Buben und Mädchen gibt es deutliche Unterschiede im Essverhalten. Mädchen essen häufiger Obst und Gemüse als Buben, naschen aber auch häufiger. Buben trinken hingegen häufiger Limonaden. 

Fotocredit: Shutterstock
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Einflussfaktoren ins Ernährungsverhalten

Junge Menschen geben der Ernährung durchaus einen hohen Stellenwert, werden jedoch durch zahllose Faktoren beeinflußt, die nicht immer positive Resultate nach sich ziehen. Zu diesen Faktoren zählen zum Beispiel Hunger, Appetit, Verfügbarkeit, Angebot, Werbung, Geruch, Geschmack, Emotionen, aber auch Lebensstilfaktoren wie die Schlafdauer. 

Jugendliche sind sehr geschmacksorientiert, lassen sich aber auch durch das Image von Lebensmitteln beeinflussen Gerade junge Mädchen entwickeln sehr früh ein Ernährungsbewusstsein, leider sind auch Essstörungen sehr verbreitet.  Ab einem gewissen Alter hat die sogenannte „Peer-Group-Erziehung“ mehr Auswirkung auf das Verhalten der Jugendlichen als die Erziehung der Eltern. Ganz aus der Pflicht nehmen lassen sich die Eltern allerdings trotzdem nicht, denn die meisten Ernährungsgewohnheiten entwickeln sich in der Kindheit. Kinder orientieren sich hier besonders an Vorbildern. Isst die Mutter keine Milchprodukte oder der Vater kein Obst, so kann man das auch sehr oft bei den Kindern feststellen. Diese Vorbildwirkung ist vor allem in den ersten fünf Lebensjahren sehr ausgeprägt. Zudem bestimmen die Eltern naturgemäß auch was täglich auf den Tisch kommt, erledigen die Einkäufe oder setzen Essen als Belohnung ein (vor allem in Form von Süßigkeiten). Schon im Säuglingsalter kann sich durch falsche Interpretation der Kinder das natürliche Sättigungsgefühl ändern, da ein Kind schnell lernt, dass es mit Essen belohnt wird, wenn jeder Unmutsbekundung in Form von Schreien eine Essenszuwendung folgt. 

Heutzutage steuern auch die Medien das Essverhalten von Kindern und Jugendlichen. Dies erfolgt auf zwei verschiedenen Ebenen: zum Einen beeinflußt der Medienkonsum an sich das Essverhalten. Wer neben dem Essen Musik hört, fernschaue oder in sozialen Medien unterwegs ist, ist abgelenkt und isst nachweislich mehr. Andererseits wird das Essverhalten auch über Werbung und sonstige Berichterstattung beeinflußt. So können Berichte über Massentierhaltung oder Schlachtungen zum Vegetarismus animieren oder Werbebeiträge das Image einzelner Lebensmittel erhöhen. Außerdem haben Studien nachgewiesen, dass junge Menschen Informationen über Ernährung weniger von den Eltern einholen, als vielmehr eigenständig aus dem Internet. Dabei ist das Interesse an gesunder Ernährung oft an Aussehen und Fitness gekoppelt. 

Prägung erfolgt über langen Zeitrahmen

Für alle, die auf die Ernährung der Jugend Einfluss nehmen – Eltern, Freunde, Schule, Medien, gilt es zu nützen, dass sich das junge Bewusstsein über lange Zeit entwickelt. Jede Form von Wissensvermittlung ist wertvoll und wichtig, selbst wenn sie aktuell gerade keinen Effekt zu haben scheint.

Meine Kinder sind noch recht klein, ich versuche ihnen aber schon jetzt ein gesundes Ernährungsbewußtsein mit auf den Weg zu geben. Ich erkläre, welche Lebensmittel als Süßigkeiten gelten (auch Kakao, süße Getränke etc.) und das diese gerne in Maßen konsumiert werden können. Ob meine Strategie die richtige ist wird sich zeigen, der Gedanke an die Vorbildwirkung lässt jedenfalls auch mich gesünder essen!

Quellen:
Fair beraten, Prof. Dr. Silke Bartsch: Jugend isst anders
Ingo Froböse & Peter Großmann: „Der kleine Sporticus – Bewegung- und Ernährungstipps, die Kinder fit machen“, Beltz Verlag
Bio Magazin 05/2016: Was isst die Jugend?
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz: Gesundheit und Gesundheitsverhalten österreichischer SchülerInnen

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