1.500 Orangen – so viele Früchte zieren das Dach der innovativen Presse – Foto: © Nicola Giorgetti
1.500 Orangen – so viele Früchte zieren das Dach der innovativen Presse – Foto: © Nicola Giorgetti
Ein italienisches Ingenieurs- und Designbüro setzt mit einer spannenden Innovation in Punkto Kreislaufwirtschaft auf greif- bzw. trinkbares Verständnis für Wiederverwertung.

Smoothies und Fruchtsäfte zum Mitnehmen gehören zum urbanen Stadtbild mittlerweile genauso dazu wie der berühmt-berüchtigte Coffee To Go. Die kunststoffbeschichteten Einwegbecher dafür sind der nachhaltig denkenden Gesellschaft jedoch schon lange ein Dorn im Auge. Ein italienisches Design- und Innovationsbüro hat auf dieses Problem nun eine hochspannende Antwort: Mit dem Projekt „Feel the Peel“ ist eine Form der innovativen Kreislaufwirtschaft geboren. Aber der Reihe nach. 

Feel the Peel – die Orangenpresse als innovative Kreislaufwirtschaft – Foto:  © Nicola Giorgetti
Feel the Peel – die Orangenpresse als innovative Kreislaufwirtschaft – Foto: © Nicola Giorgetti

Kreislaufwirtschaft unter einer Kuppel aus 1.500 Orangen

CRA-Carlo Ratti Associat – so heißt das in Turin heimische Designbüro, das gemeinsam mit dem Energieunternehmen Eni eine über drei Meter hohe Orangenpresse kreiert hat, mit der nicht nur Saft gepresst werden kann, sondern die gleichzeitig ihre eigenen Becher aus Orangenschalen herstellt. Die gigantische Orangenpresse ist von einer Kuppel aus 1.500 Orangen bedeckt. Der Kopf des innovativen Unternehmens, das die Presse entworfen hat, ist Carlo Ratti, der den Forschungsbereich Senseable City Lab am berühmten MIT leitet. Kein Wunder also, dass das Prinzip hinter der Kreislaufwirtschaft der Orangenpresse ausgeklügelt ist.

Bestellt jemand einen Saft, so rutscht die entsprechende Menge an Orangen nach unten in die Presse. Dort werden die Orangen halbiert, ausgepresst und die Schalen der Orangen fallen in einen speziellen Bereich der Presse, in dem sie gesammelt werden. Durch ein spezielles Verfahren werden diese ausgepressten Schalen dann getrocknet, gemahlen und mit Polymilchsäure vermischt, wodurch ein Biokunststoff entsteht. Dieser wird dann wiederum erwärmt und zu einem Filament für den 3D-Drucker geschmolzen. Damit stellt der Drucker wiederum die recyclebaren Becher her, aus denen der Orangensaft letztlich getrunken wird. 

Orangenschalen werden zu Filament für Becher herstellenden 3D-Drucker

 Wenn jede Orange halbiert wird, fällt ihre Schale in den unteren Teil, wo sie sich ansammelt. Durch ein Verfahren zum Trocknen, Mahlen und Mischen mit Polymilchsäure (PLA) werden Schalen zu einem Biokunststoff. Der Biokunststoff wird dann erwärmt und zu einem Filament geschmolzen, das von einem in die Maschine integrierten 3D-Drucker verwendet wird. Durch das sorgfältige Abwägen der richtigen Zusammensetzung zwischen Orangenpulver und Polymilchsäure entsteht  der Becher für den Saft direkt vor den Augen der Saftdurstigen. Das aus Orangenschalen in Kreislaufwirtschaft hergestellte Behältnis kann anschließend recycelt werden. 

Der Becher, aus dem hier getrunken wird, ist gerade erst im 3D-Druck entstanden – Foto:  © Nicola Giorgetti
Der Becher, aus dem hier getrunken wird, ist gerade erst im 3D-Druck entstanden – Foto: © Nicola Giorgetti

Doch Carlo Ratti schwebt noch viel mehr in Punkto Kreislaufwirtschaft vor. In Zukunft möchte er auch Stoff für Kleidung aus den Orangenresten drucken lassen. „Ich denke alle neu entworfenen Objekte sollten heute vor dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft entstehen“, so der Architekt und Ingenieur. „Mit dem Projekt der Orangenpresse konnten wir das Thema Kreislaufwirtschaft sehr greifbar machen.“

Quellen: Feel the Peel / CRA-Carlo Ratti Associati for Eni / Video: by ActingOut / Fotos: © Nicola Giorgetti


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