Die „Energiewende- Kanzlerin“ will „markt- gerechte Demokratie“. Ist das eine „Volksherrschaft“, die den „Fürsten“, den Herrschern des Marktes, dient? Also ein neues Wort für Absolutismus. In jedem Fall eine Abkehr…

Die „Energiewende- Kanzlerin“ will „markt- gerechte Demokratie“. Ist das eine „Volksherrschaft“, die den „Fürsten“, den Herrschern des Marktes, dient? Also ein neues Wort für Absolutismus. In jedem Fall eine Abkehr von einer „sozialen Marktwirtschaft“.

 

Was ist der Markt im 21. Jahrhundert

Markt, von lateinisch „mercatus“, bezeichnet einen Platz, an dem Waren und Dienstleistungen getauscht werden. Auf dem Markt herrschen Angebot und Nachfrage. Kaufen lassen sich die Waren, die im Angebot sind, vorausgesetzt, man hat eine Möglichkeit, sie zu erwerben, zum Beispiel in Form eines Tauschobjekts. Heute ist das Geld.

Eigentlich sollten auf dem Markt Dinge angeboten werden, die die Menschen zum Leben brauchen. Gleichzeitig sollten die Kunden in der Lage sein, die Dinge, die sie zum Leben brauchen – auf dem Markt – zu erwerben.

Dies hat sich spätestens mit Beginn der Industrialisierung grundlegend geändert. Der Kunde, der heute Konsument, von lateinisch consumere = verbrauchen, heißt, ist auf dem Markt nicht mehr vertreten. Der klassische „Marktplatz“ ist aufgelöst in zahllose Kaufhäuser, „Shopping-Zentren“, ja das Internet. Hier erhält der „Kunde“ zwar alle Waren die er braucht, aber auch eine Fülle von Waren, die er nicht braucht, von denen ihm aber suggeriert wird, dass er sie brauchen sollte.

 

Der Markt des Geldes

Der Markt, den die Kanzlerin meint, ist der Markt des Geldes, der sich inzwischen längst von den Bürgern entfernt und verselbständigt hat. Dieses Geld besitzt längst keinen Tauschwert mehr, keinen Gegenwert in Form einer Ware oder einer Dienstleistung. Bereits in den 70er Jahren hatte Präsident Nixon in den USA die Garantie aufgehoben, dass der amerikanische Dollar gegen eine festgelegte Menge Goldes getauscht werden könne. Geld ist nur noch ein Spekulationsobjekt, mit der Hoffnung besetzt, dafür eine bestimmte Ware oder Leistung zu bekommen. Dass dieses überhaupt nicht mehr sicher ist, zeigen alle Krisen an den „Finanzmärkten“ der letzten 100 Jahre. Von einem Tag auf den anderen kann das Geld völlig wertlos werden.

 

Was war noch „soziale Marktwirtschaft“?

Dass mit der explodierenden Großindustrie kein normaler Markt, der allein für die Nachfrage, also den Bedarf der Menschen produziert, mehr möglich war, war den Politikern schnell klar. Die Konzernlenker hatten ihnen dieses deutlich zu verstehen gegeben. Also versuchte man die Bürger zu beruhigen, indem man ihnen erklärte, dass die Industrie ihnen Arbeit verschaffe, so dass sie in der Lage seien, davon zu leben. Gleichzeitig wurde ihnen von ihrem Lohn ein Betrag abgezogen, der dafür gedacht war, ihnen im Krankheitsfall eine angemessene Versorgung zu gewähren und im Alter, sobald sie nicht mehr arbeiten können, einen Unterhalt zu zahlen. Ihr Lohn wurde ihnen also zugeteilt, in Form einer sofortigen Auszahlung und verschiedener „Anlagen“ für den Notfall und das Alter. Man ging davon aus, dass die Industrie, das ganze System, allen Menschen genügend Arbeit biete, um alle Bürger zu versorgen. Letztlich war und ist aber allein die Leistung jedes einzelnen Menschen das, was den Wert einer Ware ausmacht, also auch des Geldes. Dieses von ihm erwirtschaftete Kapital erhält er jedoch nicht.

 

Der Mensch als Humankapital

Leider war der Mensch in dem industriellen System niemals als Person vorhanden, sondern allein als Faktor der Produktivität, so genanntes „Humankapital“. Er war ein Bestandteil der Rentabilitätskalkulation des Betriebes. Das zeigte sich drastisch, als immer mehr Tätigkeiten in den Fabriken von Maschinen ausgeführt wurden, die besser kalkulierbar arbeiteten, als die Menschen.

Schon der Begriff der sozialen Marktwirtschaft war also schon eine Täuschung der Bürger, ein Versuch zu verschleiern, dass die Marktwirtschaft schon lange nicht mehr für die Bürger da war, sondern nun nur noch für die Vermehrung von Kapital, jedoch nicht dem der Bürger selbst.

 

Der Markt entfernt sich völlig von den Menschen

Seit Geld verliehen wird und dafür Zinsen verlangt werden, beginnt der „Markt“ sich zu verändern. Derjenige, der das Geld abgibt, bestimmt in dem Moment, wo er die Rückzahlungsmodalitäten festlegt, was mit dem Kapital gemacht wird. Er verlangt nämlich, dass dieses sich durch die „Arbeit“, die mit dem geliehenen Kapital erbracht wird, sich für ihn lohnt. Damit wird immer mehr die Rendite zum bestimmenden Faktor einer betrieblichen Kalkulation. Alle Versuche, im Sinne der Bürger diesen neuen Handel mit Kapital so zu begrenzen, dass wenigstens ein kleiner Nutzen auch für die anderen Menschen entsteht, sind gescheitert. Nicht die Volkswirtschaft, also das, was die Menschen erarbeiten und untereinander tauschen – wobei Geld nur zeitweise ein Ersatz für die zu tauschende Ware sein sollte – profitiert von den „Investitionen“, also der kurzzeitigen Hilfe, ein Projekt durchzuführen. Spätestens seit die Regierungen in den USA und England vor 40 Jahren die Finanzmärkte völlig von jeder Kontrolle befreit haben, bestimmt nur noch der Investor, was geschieht. Es werden nur noch Projekte mit einer möglichst hohen Rendite – also hohen Zinsen – für den Geldgeber finanziert. Dass dabei der Faktor Mensch nun nur zu einer ziemlich unerwünschten Größe in der Kalkulation wird, stört die Geldgeber nicht. Ist er schlecht kalkulierbar, weil „menschlich“, mit Unsicherheiten behaftet, muss er entfernt werden. Der Mensch wird zu einem Störfaktor.

 

Woher kommt das Kapital?

Der so genannte Markt, dem die Kanzlerin die Herrschaft der Menschen (Demokratie) opfern will, ist inzwischen zu einem absoluten Kunstprodukt geworden. Es werden Beträge täglich verliehen und kassiert, die niemals einen Gegenwert in Form einer Ware oder einer Leistung hatten. Man vermutet, dass 90 Prozent der Beträge die an den Finanzmärkten gehandelt werden, keinen Wert besitzen. Wollte jemand dieses Geld eintauschen, würde er dafür nichts erhalten können. Trotzdem beherrschen diese – nicht existierenden – Kapitalsummen die Welt. Die Händler, die über diese Summen „verfügen“ können damit ganze Staaten ruinieren. Die Menschen haben damit ihr Finanzsystem zu einer Religion gemacht. Sie glauben, dass dieses Geld irgendwie und irgendwo einen Gegenwert besitzt, obwohl sie wissen, dass das nicht stimmt.

Diese neue Religion verlangt, wie alle derartigen Religionen, Opfer. Bei den Majas und anderen Kulturen, die in eine ähnlich festgefahrene Situation ihrer Entwicklung geraten waren, waren dies am Ende auch Menschenopfer, oft in besonders grausamer Weise dargebracht. Heute sind wir dabei, die ganze Welt zu opfern, weil unser System die ganze Welt beherrscht.

 

Nachhaltig ist ein Finanz- und Wirtschaftssystem für Menschen und die Mitwelt

Die „marktgerechte Demokratie“ ist also ein Götze, in Wahrheit eine absolute Herrschaft des Kapitals, einer kleinen Gruppe von Menschen, die dieses Kapital besitzen – oder zu besitzen vorgeben. Die Hohepriester dieses Glaubens verlangen von den Bürgern, für diesen Götzen Opfer zu bringen, weil nur so das System gerettet werden kann.

Eine Volkswirtschaft aber ist ein Markt, auf welchem Waren zu dem Preis gehandelt werden, den die Kunden dafür zahlen wollen und können. Brauchen sie eine Ware nicht, wird sie nicht gekauft und hat damit keinen Wert. Die Produzenten werden also genötigt, nur Dinge herzustellen, die auch benötigt werden. Letztlich sind es die Bürger, die vorgeben, was für ihr Leben erforderlich ist. Wie unterschiedlich das sein kann, kann jeder Reisende erleben, wenn er verschiedene Kulturen, verschiedene Erdteile besucht.

Wenn in dieser Volkswirtschaft ein Produkt, das die Bürger brauchen, nicht hergestellt wird, oder der Aufwand dazu für einen einzelnen Bürger zu groß ist, schließen sich mehrere – oder alle – Bürger zusammen und organisieren diese Produktion. Ob sie dazu Geld benötigen, sei dahin gestellt. Als „Entgelt“ für ihre Hilfe erhalten sie am Ende das gewünschte Produkt. Da sie alle an dem Projekt beteiligt sind, werden sie auch darauf achten, dass die Herstellung ihnen – oder ihrer Mitwelt – keinen Schaden zufügt.

Ob und in welcher Form in einer nachhaltig handelnden Wirtschaft noch Finanzmärkte gebraucht werden, wird die Zukunft zeigen. Ein genauer Blick sollte aber jedem Menschen zeigen, dass die Hohepriesterin und ihr Götze „nackt“ sind, in Wahrheit überhaupt keine Macht besitzen. Diese liegt immer allein bei den Menschen.

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