Die Hitze aus der Müllverbrennung wird ab sofort dreifach genutzt. Auch die Restwärme aus der Rauchgasreinigung fließt jetzt direkt in das Fernwärmenetz.

Die Spittelau kennt jeder: Mit ihrer bunten Fassade von Friedensreich Hundertwasser ist sie eines der meistfotografierten Motive Wiens. Doch seit Kurzem versteckt sich hinter den goldenen Kugeln und Mosaiken ein neues Innenleben, das es in sich hat. Eine 120 Tonnen schwere Großwärmepumpe sorgt dafür, dass aus unserem Restmüll jetzt noch mehr saubere Energie herausgeholt wird.

27 Elefanten für den Klimaschutz

Man muss sich das mal vorstellen: Die neue Anlage wiegt so viel wie 27 ausgewachsene Elefanten. Aber sie ist nicht nur schwer, sondern auch verdammt effizient. Ab sofort nutzt Wien Energie die Hitze der Müllverbrennung nämlich dreifach. Bisher entstanden dort Strom und Fernwärme. Jetzt wird zusätzlich die Abwärme aus der Rauchgasreinigung angezapft.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

  • 16.000 zusätzliche Haushalte werden mit umweltfreundlicher Wärme versorgt.
  • Die Gesamtzahl der beheizten Haushalte durch die Spittelau steigt damit auf 76.000.
  • Die Effizienz der Anlage klettert auf satte 95 %.

Damit ist die Spittelau nicht nur ein Kunstwerk, sondern eine der effizientesten Müllverbrennungsanlagen in ganz Mitteleuropa.

Was passiert da eigentlich genau?

In der Spittelau landet unser Hausmüll. Bei der Verbrennung entstehen heiße Gase, die Wasser in Dampf verwandeln und das treibt Turbinen für Strom an. Danach wandert die Restwärme ins Fernwärmenetz.

Der neue Clou: Auch bei der Reinigung der Abgase entsteht Wärme im Reinigungswasser. Früher verpuffte diese Energie ungenutzt. Jetzt schnappt sich die neue Großwärmepumpe (betrieben mit Ökostrom) diese Restwärme und hebt sie auf ein Temperaturniveau, das unsere Wohnzimmer kuschelig warm macht. Das spart jährlich rund 22.000 Tonnen CO2.

Die Wärmepumpen-Revolution in Wien

Die Spittelau ist nicht allein. Wien Energie setzt massiv auf Großwärmepumpen, um bis 2040 komplett klimaneutral zu werden. Gemeinsam mit den Anlagen in Simmering und bei der Kläranlage ebswien versorgen die „großen Drei“ nun schon knapp 97.000 Wiener Haushalte.

Und es geht weiter: Ob Abwärme aus dem Rechenzentrum, dem Badewasser der Therme Wien oder sogar von der Manner-Schnitten-Fabrik – in Wien wird immer weniger verschwendet.

Der Fahrplan bis 2040

Bis 2040 soll die Fernwärme in Wien zu über 50 % den Wärmebedarf decken. Der Mix der Zukunft sieht so aus:

  1. Großwärmepumpen & Abwärme (31 %)
  2. Tiefengeothermie (26 %)
  3. Grüne Kraftwerke (22 %)
  4. Müllverbrennung (21 %)

Die Spittelau beweist einmal mehr, dass Umweltschutz und technische Innovation perfekt zusammenpassen. Wer hätte gedacht, dass in unserem Restmüll so viel Power steckt?


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Bild: Wien Energie