Das gute Leben „Buen Vivir“ ist nachhaltig, im Gegensatz zu dem westlichen Dolce Vita.

Nicht „La Dolce Vita“ für wenige, sondern „Buen Vivir“ für alle, einschließlich der Mitwelt (sogenannte „Natur“), das ist der Weg in die nachhaltige Zukunft, der in Wahrheit aus der Vergangenheit kommt und in der Gegenwart bereits in vielen Regionen der Erde – meist unbemerkt – gelebt wird. Alberto Acosta hatte, als Präsident der verfassungsgebenden Versammlung Ecuadors, mit dafür gesorgt, dass dieses in die Verfassung aufgenommen wird. Das sollte ein Vorbild für alle Verfassungen und die Charta der Vereinten Nationen sein. Der Mensch ist nicht von der „Natur“ getrennt, sondern ein Teil von ihr – und ein nachhaltiges Leben funktioniert nur in einer partnerschaftlichen Gemeinsamkeit.

 

Das Denken des Westens muss sich radikal ändern

 

Seit mindestens 500 Jahren hat der Westen begonnen, sich vom Rest des Planeten abzuwenden, er trennte den „Menschen“ von seiner Mitwelt, die er fortan „Natur“ nennt. Francis Bacon (1561-1626) beschrieb dies: „Die Wissenschaft soll die Natur quälen, so wie es die heilige Inquisition mit ihren Opfern gemacht hat, um ihnen auch das letzte Geheimnis zu entreißen…“. In der Folge haben Philosophie und alle Wissenschaften sich bemüht, diese Trennung und deren Berechtigung zu rechtfertigen, in einer perversen Dichotomie. Alle Begründungen zu diesem Irrtum fußen denn auch auf Fakten und Beobachtungen, die einfach falsch sind. Mit der Eroberung Amerikas begann also die Aufteilung, die Vermessung der Erde und ihre Unterteilung in Wirtschaftsräume, schließlich globale Märkte und Rohstoffquellen. Dass dieser Unfug schließlich in das Chaos des 21. Jahrhundert führen muss, ist den Verantwortlichen solange egal, wie sie noch einen ökonomischen Vorteil daraus pressen können. Darüber zerfällt bereits der Westen selbst, sowohl der Ursprung – also  Europa – als auch die alte Kolonie Amerika. Hier flüchten sich die Menschen in vermeintliche Nationalstaaten, die überhaupt keine ethnische Berechtigung haben und deren Grenzen und Zugehörigkeiten sich permanent ändern. Dabei zerstören sie aber in jedem Fall ihren alten Traum eines vereinten Europas. Auch dieser Traum war lediglich ein Instrument der Politik, um ein Bollwerk gegen das Reich des Bösen (den Kommunismus) zu schaffen und das westliche Europa davon abzuhalten, sich gegenseitig zu bekriegen. Eine wirkliche Option für eine harmonische Zukunft der Menschen hatte niemand im Sinne und die Revolution gegen den barbarischen Westen erfolgt bereits millionenfach in Form der Menschen, die vor dessen Grenzen stehen und Einlass begehren.

 

Europa muss zu sich selbst zurückfinden

 

Der Westen trägt nun einmal die Verantwortung für den Zustand des Planeten und seiner Bevölkerung, egal ob Mensch oder Tier. Er muss schnellstmöglich den Wahn aufgeben, diesen Planeten vollständig beherrschen zu können. Wissenschaft ist eine Disziplin, die sich grundsätzlich selbst betrügt, solange sie die Wahrheit ignoriert, die sie offenbar – mit ihren künstlichen Instrumenten nicht erkennen kann. Das permanente Wachstum und die Lebensweise des Westens auf den Planeten zu übertragen, ist ein grober Unfug, der am Ende den Westen selbst zerstört. Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guerot hat mit ihrer klugen, weil intuitiven Forderung, dass Europa eine Republik werden und dazu alle nationalen Grenzen aufgelöst werden müssen, den ersten Schritt in eine friedliche Zukunft beschrieben. Überschaubare Regionen, die nachhaltig und gleichberechtigt in ihrer Mitwelt leben und wirtschaften, sollen sich demokratisch – dies ist noch ein Gedankenfehler – zu einer gesamteuropäischen Republik zusammenfinden. Dass das demokratische System grundsätzlich gefährlich und ungerecht ist, hat die Geschichte hinlänglich gezeigt. Ein soziokratisches System hat eine tausendfach längere Geschichte und sich bestens bewährt. In jedem Fall gehört zu dieser Regionalisierung Europas ein vollständiger Rückzug aus allen anderen „Ländern“ und Kontinenten, also eine wirkliche Entkolonialisierung. Nur so kann auch außerhalb des Westens Frieden und eine ebenfalls gleichberechtigte Welt entstehen.

 

Frieden mit der „Natur“ bringt schließlich „Buen Vivir“

 

Sobald der alltägliche Fokus der Menschen nicht mehr auf dem Fetisch wirtschaftlichen Wachstums liegt, können diese – weltweit in ihren Regionen – endlich mit der Natur Frieden schließen und sich selbst auch – eben soziokratisch und gleichberechtigt – in die Mitwelt einfügen. Wie dieses gestaltet wird, bestimmen alle Faktoren der jeweiligen Region. Ob dann noch die Krebsgeschwüre des Planeten – die Megastädte – weiterhin in dieser Form bestehen werden, ist fraglich. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Menschen sich zuerst aus allen Favelas und Gettos wieder in ihre angestammte „Heimat“, ihre Region, begeben werden, um dort in ihrer ursprünglichen Gemeinschaft endlich ein auskömmliches, eben glückliches Leben führen zu können. Hier treffen sich der indigene Geist Alberto Acostas und der noch westlich denkende Geist Ulrike Guerots in ihren Beschreibungen einer wirklich nachhaltigen Zukunft. Die alten, völlig unsinnigen Fachsparten der Politikwissenschaft und der Soziologie lösen sich auf, wie dann auch sämtliche weit über 18.000 Fachsparten einer völlig aus den Fugen geratenen Denkweise, die sich hilflos an die explosionsartig ausweitende Technologie und Spezialisierung des westlichen Systems angehängt hatte. 

 

http://www.attac-netzwerk.de/ag-lateinamerika/buen-vivir/

https://www.boell.de/sites/default/files/Endf_Buen_Vivir.pdf

http://www.denkwerkzukunft.de/index.php/inspiration/index/BuenVivir

http://www.spektrum.de/news/traditionelle-zuechtung-ist-so-gut-wie-gentechnik/1414243?utm_source=zon&utm_medium=teaser&utm_content=feature&utm_campaign=ZON_KOOP

https://www.oekom.de/buecher/vorschau/buch/buen-vivir.html

http://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Politisches-Buch-Warum-Europa-eine-Republik-werden-muss,europa830.html

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