E.ON und RWE fahren Verluste und entlassen im großen Stil. Die Bürger sollen unruhig werden, weil der Industriestandort Deutschland in Gefahr sein soll. Gleichzeitig wurden im Bereich der Erneuerbaren Energien…

E.ON und RWE fahren Verluste und entlassen im großen Stil. Die Bürger sollen unruhig werden, weil der Industriestandort Deutschland in Gefahr sein soll. Gleichzeitig wurden im Bereich der Erneuerbaren Energien 350.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Wo also ist das Problem?

Bürger sind in Angst, dass der Exportmeister Schaden nimmt

Die konventionelle Wirtschaft hat seit der Krise 2008 jährlich Rückgänge um 5% zu verzeichnen, trotzdem bilanziert Deutschland ein jährliches Wachstum. Der Grund ist der Erfolg der Branche der Erneuerbaren Energien. Diese gleichen den Rückgang in den traditionellen Bereichen aus und sorgen auch im Export für ein stetiges Ansteigen.

Besonders positiv wirkt sich aber die zunehmende Nutzung regenerativer Energiequellen in der Außenhandelsbilanz aus, weil der Import fossiler Brennstoffe zurückgeht. In jedem Jahr wurden bisher rund sechs Milliarden Euro weniger ausgegeben, für Öl, Gas und Uran. Gleichzeitig können Kommunen nun Einnahmen verzeichnen in einem Sektor, zu dem sie bisher keinen Zugang hatten, Steuern aus der lokalen Energieerzeugung. Dieser Markt, plötzlich regional und in kleineren Einheiten, also bestehend aus mittelständischen Betrieben, wird in den kommenden Jahren extrem schnell wachsen und all die Beschäftigten auffangen, die bei den Großkonzernen entlassen werden.

Die Jobs für die tausenden Mitarbeiter von E.ON und RWE sind also schon da, sie müssen nur wechseln. Ihre bisherigen Arbeitgeber haben den Wechsel verschlafen, haben bis Zuletzt auf ihre Uralttechnologie gesetzt und stehen nun vor den Scherben einer längst vergangenen Politik.

Die Zeit der Großen ist vorbei

Die deutschen Atomkraftwerke sind seit den neunziger Jahren – spätestens – überflüssig. Ihre Strommengen wurden eigentlich nie wirklich benötigt, doch trugen sie – infolge der gigantischen Subventionen aus Steuergeldern – zu den extrem hohen Gewinnen der Energieriesen bei. Jetzt, da fast die Hälfte von diesen Kraftwerken bereits vom Netz genommen werden mussten, stellen die Konzerne fest, dass sie wie viele andere Betriebe auch, betriebswirtschaftlich rechnen müssen.

Da abzusehen ist, auch wenn viele Manager und Politiker das noch nicht wahrnehmen möchten, dass auch die anderen Großkraftwerke sehr schnell überflüssig werden, bleiben nur noch zwei Wege für die Großen vier. Der eine Weg wäre ein massiver Einstieg in die Erneuerbaren Energien. Da gibt es aber Hürden, weil nun die Bürger auch gegen gigantische Wind- oder Solarparks auf die Barrikaden gehen.
Außerdem sind diese ja nicht geeignet, insgesamt den Strombedarf zu bedienen. Es braucht Grundlastfähige Kraftwerke, wie Biomasseanlagen. Diese im großen Stil zu errichten ist so gut wie ausgeschlossen, würde doch der Transport der Rohstoffe immense Probleme verursachen. Diese Kraftwerke können nur in mittlerer Größe, regional vernetzt errichtet und betrieben werden. Hier wird sich ein kommunaler oder genossenschaftlicher Betrieb durchsetzen.

Die großen vier Giganten als Investmentverwalter der Aktionäre

Der wahrscheinlichere Weg ist der der Verwaltung des Aktionärskapitals, sofern dieses überhaupt bei den Konzernen bleiben wird. Schaut man sich die Liste der Beteiligungen von E.ON oder RWE an, zeigt sich, dass ein Großteil der Umsätze längst mit hunderten von kleineren Unternehmen gemacht wird, von kommunalen Kläranlagen, Wasserwerken und Windparks, bis zu regionalen Strom- und Gasnetzen. Hier sind die Großen schon nicht mehr operativ, aktiv beteiligt, mit eigenen Mitarbeitern, sondern nur bis zu 49% dabei. Mittelfristig werden die Belegschaften, bis auf die Verwalter der Einlagen, entlassen werden müssen und natürlich im Bereich der regenerativen Energieerzeugung und bei den regionalen Netzbetreibern Arbeit finden.

Die Gefahr eines Niedergangs der deutschen Industrie ist also nichts weiter als ein Wandel, der schon lange im Gange ist, der aber nur von so manchen bürgerlichen Politikern verschwiegen wird, in der Hoffnung, die gute alte Zeit der Dinosaurier erhalten zu können.

Die Kosten für Strom fallen, der Preis steigt trotzdem

An der Strombörse fällt der Strompreis kontinuierlich, trotz oder wegen des steigenden Anteils der Erneuerbaren. Bisher kommen in Deutschland fast zwanzig Prozent, in der EU etwa elf Prozent des Stroms aus regenerativen Quellen. Die Begründung, dass der erhöhte Preis, den die Netzbetreiber hierfür zahlen müssen, diese nötige den Endpreis für den Verbraucher zu erhöhen ist glatter Betrug.

Würden die Monopolisten die Gewinnspanne etwa des Jahres 2005 konstant gehalten haben, wäre der Strom für die Haushalte inzwischen um 25% günstiger. Die Preise stetig anzuheben, war und ist natürlich verlockender. Am erschreckendsten ist für die Bürger immer das Argument, dass die Industrie das Land
nun komplett verlassen wird, weil auch die Großkunden nun mehr für ihren Strom zahlen
müssen.

Auch das ist ein Märchen. Zum Einen haben die Großen Lieferverträge, die über Jahre im Voraus gelten und dazu noch Anpassungsklauseln beinhalten, die ihnen eine moderate Preissteigerung verträglich gestalten. Gleichzeitig können diese aber, seit der Öffnung des Strommarktes ihre Strommengen Europaweit einkaufen und dabei ihre Bedingungen diktieren. Noch interessanter ist es aber, den benötigten Strom selbst herzustellen, vorzugsweise aus Erneuerbaren Rohstoffen und dadurch aus der Not eine Tugend zu machen. So mancher Großverbraucher hat sich so eine neue Einnahmequelle
geschaffen, hat nun Gewinne statt Kosten im Energiebereich.

Beteiligungen an Stadtwerken werden interessanter als Aktien an der Börse

Viele Stadtwerke und Genossenschaften stellen fest, dass externe Investoren Interesse zeigen, sich an ihnen zu beteiligen, da die Renditen bei diesen Gesellschaften etwas ganz konkretes, anfassbar Reales haben, statt der nebulösen Visionen von traumhaften Steigerungen an den Börsen. So manches Stadtwerk wurde so schon fast aus dem eigenen Betrieb gedrängt, musste sich schnell mit einer Beschränkung gegen externe Beteiligungen schützen. In Börnsen bei Hamburg kämpft die Gemeinde noch gegen E.ON, die plötzlich mit 51% in der Gesellschaft saßen, die Betreibergenossenschaft in Jühnde hat gleich zu Beginn die Grenze bei 25% festgelegt. Allein eine Öffnung auf diesem Markt in dieser
Größenordnung könnte aber das bisher in Dinosaurieraktien angelegte Kapital komplett
aufnehmen und den Aktionären langfristig sichere Renditen garantieren.

Voraussetzung ist, dass die Anlagen nachhaltig angelegt sind und nicht ausschließlich auf unsichere
Konzepte, wie Solar- oder Windkraft setzen. Diese Technologien sind inzwischen schon
fast ausgereizt, werden nicht ohne aufwändige Vernetzungen oder zusätzlich aufzubauende
Speichersysteme betrieben werden können.

Zeit für Investitionen der Bürger in sinnvolle Grundlastkonzepte

Der regenerative Strom aus den saisonalen Quellen Wind und Sonne überschwemmt bereits den Markt, so manche Anlage muss wegen Netzüberlastung abgeschaltet bleiben. Der wichtige Grundlaststrom kommt dabei immer noch aus den alten Dreckschleudern. Würden sich Investoren entschließen, ihr Geld in Biomassekraftwerken, Wasser- oder Geothermiekonzepten zu investieren, ist auch hier eine schnelle Veränderung möglich. Diese Anlagen, außer Wasserkraftwerke, können neben Strom auch Wärme liefern und so wirklich nachhaltig zur Energiewende beitragen.

Für Investoren interessant ist, dass diese Anlagen ihre Energie kontinuierlich liefern, nicht nur bei Wind oder Sonnenschein. Damit ist der Betrieb wirklich langfristig kalkulierbar, die Wirtschaftlichkeit wirklich garantiert. Für die kommunalen Betreiber ist dabei interessant, dass eine Beteiligung externer Investoren ihnen helfen kann, ihr Projekt schneller umzusetzen, da der Eigenanteil bei einer 25-prozentigen
Einlage schon fast gesichert ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*