wenn Moos ansetzt
wenn Moos ansetzt
Warum reduzieren? Was reduzieren? Wie reduzieren?

Letzte Woche habe ich von der Idee berichtet, dass man durch Reduktion einen wesentlichen Beitrag zur Umwelt leisten kann. Es kann sein, dass die Idee einen begeistert, und man sofort fragt „Wie kann ich anfangen?“ Aber realistisch betrachtet ist es in den meisten Fällen nicht das Schützen der Umwelt, das uns dauerhaft motiviert, aus unserer Komfortzone zu treten, und an unserem Leben etwas zu ändern. Es kann mit ein Grund sein, es kann der Auslöser sein, aber dauerhaft dabei bleibt man, wenn es einen persönlichen Nutzen gibt.

Intention

Warum würde ich irgendetwas hergeben wollen, wofür ich hart gearbeitet habe? Sieht das dann nicht so aus, als wäre ich dumm gewesen und hätte einen Fehler gemacht bei meinem Kauf? – Es gibt viele Gründe, warum wir Menschen uns Dinge kaufen. Es gibt mindestens genauso viele warum wir uns nicht davon trennen können. Es gibt aber auch einige gute Gründe, das doch zu tun.

Kennst du das Gefühl, wenn du einkaufen gehst, etwas ganz bestimmtes suchst, und dann einen eigentlich müden Abklatsch davon findest, aber weil es so aussieht als würdest du nicht genau das bekommen was du willst, gibst du dich trotzdem damit zufrieden und kaufst es? Und jedes Mal, wenn du das Ding ansiehst oder verwendest, kommt zumindest kurz der Gedanke „aber das was ich wollte ist es eigentlich nicht so ganz“. Oder du bekommst etwas geschenkt, das nicht ganz deinem Wunsch entspricht. – Im Grunde ist es immer ungefähr das gleiche Gefühl, und für die Meisten fühlt es sich nicht gut, sondern eher belastend an.

Dieses Gefühl verbinde ich mit vielen meiner Besitztümer – vom verstaubenden Wackeldackel bis zum teuren Ballkleid, dessen Farbe dann doch bei normalem Licht aussieht wie das Innere einer Eiterbeule. Und jedes mal, wenn ich das Ding ansehe, kommt zumindest im Hintergrund ganz klein dieses Gefühl wieder auf.

Kennst du außerdem das Gefühl, wenn du dich um die Katze oder die Blumen der Nachbarin oder des Bruders zwei Wochen lang gekümmert hast, und dann kommen sie zurück und du kannst die Verantwortung wieder abgeben? Es ist eine Leichtigkeit, dass man sich nun nicht mehr damit beschäftigen muss, es einfach loslassen kann. Das ist in etwa das Gefühl, das ich habe, wenn ich eine Ladung oder auch nur ein einzelnes Stück aus dem Haus schaffe, das in mir seit einer halben Ewigkeit dieses belastende Gefühl erzeugt hat. Das ist mein Hauptgrund für Minimalismus, und auch einer meiner Gründe für das Leben auf kleinem Raum.

Umsetzung

Es gibt sicher noch viele andere persönliche Gründe, warum jemand beginnen möchte, etwas zu reduzieren. Für die unter euch, denen es so geht wie mir habe ich einen Tipp: Nehmt euch einen Gegenstand her, und stellt euch die Frage: „Macht mir der Besitz dieses Gegenstandes Freude? Will ich am liebsten jedem Menschen, dem ich begegne von diesem genialen Ding erzählen?“ Wenn die Antwort ja ist, behalte es, wenn nein, gib es her. Die wahrscheinlich schnellste, hier und da aber sehr radikal wirkende Variante des Hergebens ist der Müll. Oft ist es jedoch ein Gegenstand, der dennoch einen Wert (in welcher Form auch immer) hat. Hier funktionieren Verschenken – an Hilfsorganisationen oder über entsprechende Gruppen im Internet (z.B. Wien Verschenkt) -, Verkaufen oder Verändern sehr ähnlich, und liefern normalerweise am Ende das Gefühl, sich nicht mehr darum kümmern zu müssen.

Fangt mit einem oder wenigen Gegenständen an und gebt sie weg. Dadurch bekommt ihr sehr schnell dieses Gefühl der Freiheit und Leichtigkeit. Und mit jedem Mal verstärkt sich die Erfahrung, wie es sich anfühlt, Dinge wegzugeben, die einen belasten.

Fazit

Man kann das Reduzieren als Beschränkung und Verzicht sehen, oder als befreiend und entspannend. Der Unterschied dabei ist die persönliche Einstellung zum Thema.

 

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