Waschmittel aus Kastanien, Fotocredit: Ulrike Göbl (Fit&Glücklich)
Waschmittel aus Kastanien, Fotocredit: Ulrike Göbl (Fit&Glücklich)
Ein Waschmittel aus Kastanien herzustellen macht in vielerlei Hinsicht Sinn und ist ganz einfach gemacht!

Der Herbst ist da und meine Kinder sammeln Kastanien ohne Ende. Mit einigen basteln wir, andere bleiben zum spielen und aus einigen mache ich ein Naturwaschmittel! Wie das geht und worauf ihr achten müsst, verrate ich euch heute.

Kastanien als Waschmittel

Im ersten Moment klingt das komisch, Kastanien als Naturwaschmittel zu verwenden. Rosskastanienbäume gehören allerdings zu den Seifenbaumgewächsen und Kastanien enthalten viele Saponine, also chemische Verbindungen, die, in Wasser gelöst, seifenartige Eigenschaften aufweisen. Deshalb lässt sich aus ganz gewöhnlichen Kastanien ein komplett biologisches Waschmittel herstellen, das noch dazu kostenlos ist.

Es ist geruchsneutral, besonders gut verträglich und sanft zur Haut. Ich würde das Waschmittel allerdings eher nur für Buntwäsche verwenden, da Weißwäsche nach einer Weile einen Grauschleier bekommen könnte. (Einen Tipp dazu gibt es noch weiter unten!)

So stellt ihr Waschmittel aus Kastanien her

Für eine Waschladung benötigt ihr zwischen 5 und 8 Kastanien und 300ml Wasser. Benutzt möglichst frische Kastanien, da sich diese leichter schneiden lassen. Wascht die Kastanien zuerst ab, um sie von eventuellem Schmutz zu befreien. Schneidet sie dann mit einem großen Messer in vier Teile. Wollt ihr sie doch für weiße Wäsche benutzen, entfernt am besten noch die Schale, um Grauschleier zu vermindern. 

Gebt die Kastanienstücke nun mit dem Wasser in einen Topf, bringt es zum Kochen und lasst sie bei niedriger Hitze ungefähr 15 Minuten köcheln. Alternativ ginge auch, die Kastanien im Wasser ohne Hitze ungefähr 8 Stunden ziehen zu lassen. Bei beiden Varianten werden die Saponine gelöst und somit als Waschmittel nutzbar gemacht.

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Waschmittel aus Kastanien, Fotocredit: Ulrike Göbl (Fit&Glücklich)

Kastanien-Waschmittel haltbar machen

Der Kastaniensud ist leider nicht lange haltbar, deswegen sollte nicht zu viel davon vorproduziert werden. Dafür gibt es noch eine andere Variante: Kastanienpulver!

Kastanienpulver lässt sich leichter lagern, ist schnell dosiert und kann auch für andere Dinge genutzt werden. Außerdem lösen sich die Saponine schneller aus dem Pulver, als aus größeren Kastanienstücken.

Frisch gefallene Rosskastanien eignen sich am besten zur Herstellung von Kastanienpulver, da sie sich viel leichter zerkleinern lassen, als getrocknete. Die Kastanien vierteln und je nach Anwendungszweck schälen. (Tipp: lässt sich die Schale schon schlecht entfernen, wickelt sie in ein Stück groben Stoff und bearbeitet sie mit einem Hammer. Das löst die Schale vom Inneren.) Nun die Kastanienstücke in einen geeigneten Mixer oder eine Küchenmaschine geben und zerkleinern. (Die Stücke sollten kleiner als drei Millimeter sein.)

Das entstandene Kastaniengranulat nun auf einem Tuch oder Backblech ausbreiten und mehrere Tage an einem warmen Ort trocknen lassen. Dabei die Stücke ab und zu wenden, damit sie nicht schimmeln. (Alternativ ist auch eine Trocknung im Ofen möglich, bei 40-50°C Umluft und leicht geöffneter Tür dauert das nur ungefähr 4 Stunden.). Bei Bedarf das getrocknete Granulat noch feiner mahlen, zu oben angesprochenem Kastanienpulver.

Vollständig getrocknet und luftdicht aufbewahrt hält sich das Kastanienpulver locker bis zur nächsten Kastaniensaison. Tipp: um ganz sicher zu gehen und Schimmel vorzubeugen legt ein kleines Säckchen Reis oder ein paar Beutel Kieselgel mit in das Vorratsglas.

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Waschmittel aus Kastanien, Fotocredit: Ulrike Göbl (Fit&Glücklich)

Mit Kastanien-Waschmittel waschen

Habt ihr den Kastaniensud aus frischen Kastanien hergestellt, gießt ihr zum Waschen einfach die Flüssigkeit durch ein Sieb ins Waschmittelfach. Bei hartem Wasser am besten noch ein oder zwei Teelöffel Waschsoda hinzufügen, welches als natürlicher Wasserenthärter wirkt und die Reinigungswirkung noch verstärkt. (Aber Achtung bei Fasern wie Wolle oder Seide, da es diese aufquellen lässt!)

Verwendet ihr Kastaniengranulat oder -pulver gießt zwei bis drei Esslöffel davon mit 300 Millilitern Wasser auf und lasst die Mischung etwa 30 Minuten ziehen. Mit dem entstandenen Sud dann wie mit dem frischen verfahren. Alternativ könnt ihr, wie beim Waschen mit Waschnüssen, auch einfach ein paar zerkleinerte, frische Kastanien in ein Stoffsäckchen (oder einen Socken) füllen und zur Wäsche in die Waschtrommel geben.

Optionale Zusätze

Wir haben vor einigen Jahren schon mal mit Kastanien-Waschmittel gewaschen, doch leider hatte die Wäsche dann manchmal einen komischen Geruch, wenn sie danach länger im Kasten gelegen ist. Daher haben wir wieder damit aufgehört, doch ich habe mich erkundigt und mache es dieses mal ein bisschen anders. 

Kastanien enthalten, wie oben schon angesprochen, keine Duftstoffe, weshalb die Wäsche nach dem Waschen nach nichts riecht. Grundsätzlich eine gute Sache, nur wie gesagt war das für uns keine gute Lösung. Ich werde also diesmal pro Waschgang ungefähr 10-20 Tropfen Lavendelöl mit etwa 50ml hochprozentigem Alkohol in das Weichspülfach geben. Natürlich ist auch jedes andere ätherische Öl möglich.

Übrigens: Kastanien sind auch eine optimale Zutat für Cremes, Salben und andere Pflegeprodukte, da sie durchblutungsfördernd, venenstärkend, wundheilend und hautberuhigend wirken.

Mein Waschmittelvorrat wird schon angelegt

Industrielle Waschmittel enthalten oft viel mehr Waschsubstanzen, als für normal verschmutzte Kleidung notwendig wäre. Zusätzlich verursacht die Produktion industrieller Waschmittel Plastikmüll und belastet damit die Umwelt. Ich habe also schon angefangen, mir einen kleinen Waschmittelvorrat anzulegen und freue mich, mit so einer Kleinigkeit die Umwelt und mein Geldbörsel zu schonen.

Quellen:
Smarticular, Mark, „Kastanien-Waschmittel selber machen: einfach, ökologisch, kostenlos
Geo.de, Solvejg Hoffmann, „So stellen Sie Waschmittel aus Kastanien her
Sonnentor, „Waschmittel aus Kastanien