Wenn der Eurovision Song Contest 2026 in Wien über die Bühne geht, soll er nicht nur musikalisch Maßstäbe setzen, sondern auch zeigen, wie ein internationales Großevent möglichst umweltschonend organisiert werden kann. Der ORF und die Stadt Wien verfolgen dafür ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept – von Energie und Mobilität über Catering bis hin zur CO₂‑Bilanzierung.
Drei offizielle Nachhaltigkeitszertifizierungen
Der ESC 2026 wurde bereits vorab mit gleich drei Auszeichnungen prämiert: dem Österreichischen Umweltzeichen für Green Event und Green Producing sowie der Bio‑Zertifizierung in Silber durch BIO AUSTRIA. Diese Kombination ist europaweit einzigartig und zeigt, wie konsequent Wien das Thema Nachhaltigkeit angeht.

Die Zertifizierungen basieren auf einem systematischen Ansatz: Energieversorgung, Materiallogistik, Abfallvermeidung, Beschaffung und Mobilität wurden nach klaren Umweltkriterien geplant und umgesetzt.
Bio‑Catering als Vorzeigeprojekt
Ein Schwerpunkt liegt auf der Verpflegung. Der ORF setzt beim Catering für Crew, Delegationen, Medien und VIP‑Bereiche auf mindestens 60% Bio‑Lebensmittel – tatsächlich erreicht wurden sogar 64,3%. Damit übertrifft der ESC die Anforderungen des Umweltzeichens und wird zu einem Schaufenster der österreichischen Bio‑Landwirtschaft.
Die Herkunft der Bio‑Produkte wird streng kontrolliert: Bio Austria und die Austria Bio Garantie prüfen die Lieferketten und stellen sicher, dass regionale Betriebe profitieren.
Energieeffiziente TV‑Produktion und LED‑Bühne
Erstmals in der ESC‑Geschichte kommt eine vollständig LED‑ und lasergestützte Bühnenbeleuchtung zum Einsatz. Das reduziert Energieverbrauch und Abwärme erheblich. Als Notstromversorgung dienen Batteriesysteme statt Dieselgeneratoren, was Emissionen und Lärm minimiert.
Auch die Wiener Stadthalle selbst bezieht 100 % erneuerbaren Strom, ein Teil davon aus der eigenen Photovoltaikanlage.

Mobilität: Bahn statt Flugzeug
Ein großer Teil der Emissionen entsteht bei Großevents durch An- und Abreise. Deshalb wirbt der ORF gemeinsam mit den ÖBB aktiv für die klimafreundliche Anreise per Bahn. Für internationale Gäste gibt es Rabatte beim City Airport Train. Ziel ist es, möglichst viele Besucher*innen zu einer emissionsärmeren Anreise zu bewegen.
Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft
In der Stadthalle kommen ausschließlich Mehrwegbecher zum Einsatz, teilweise aus recyceltem Material. Nicht gesammelte Becher werden karitativen Zwecken zugeführt. Auf Flyer, Werbeartikel und Gratiszeitungen wird vollständig verzichtet.
Barrierefreiheit und Inklusion als Teil des Green‑Event‑Konzepts
Nachhaltigkeit umfasst auch soziale Aspekte. Die Österreichischen Lotterien und win2day unterstützen den ESC als nationaler Partner mit einer Rollstuhltribüne, Awareness‑Maßnahmen und inklusiven Begegnungsräumen. Ein Pilotprojekt ermöglicht gehörlosen Besucher*innen, Musik über haptische Impulse wahrzunehmen – eine Österreich‑Premiere.
Gemeinsame CO₂‑Bilanz von ORF und Stadt Wien
Erstmals erstellen Host Broadcaster und Gastgeberstadt eine gemeinsame, wissenschaftlich fundierte CO₂‑Bilanz. Erfasst werden Emissionen aus Produktion, Logistik, Streaming, Besucher*innenmobilität und Infrastruktur. Die Ergebnisse sollen nach dem Sommer veröffentlicht werden und als „Sustainability Legacy“ für zukünftige ESC‑Austragungen dienen.
Wien setzt neue Standards für nachhaltige Großevents
Der Eurovision Song Contest 2026 zeigt, wie umfassend Nachhaltigkeit bei einem internationalen Mega‑Event gedacht werden kann: energieeffiziente Produktion, regionale Bio‑Verpflegung, klimafreundliche Mobilität, Abfallvermeidung, Inklusion und eine transparente CO₂‑Bilanz.
Wien positioniert sich damit nicht nur als Gastgeberstadt, sondern als Vorreiter für nachhaltige Eventkultur in Europa.
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Bilder: David Bohmann / PID